Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1867)
- Date
- 1867-11-26
- Page
- Seite 966 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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966 hervorragender Zug in seinem leicht erregbaren Wesen war; man brauchte nur irgend einen Gegenstand von religiösem oder wissenschaftlichem Jntereffe zu berühren — und seine Theilnahme war auf's Lebhafteste erregt: sein Auge glänzte, sein Antlitz strahlte, sein Mund wurde beredt, seine Rede erhielt Schwung und Wärme — sein ganzes Wesen sprach. Aus seiner Gemächlichkeit entsprang wieder seine Versöhnlichkeit, er konnte nicht lange zürnen, ein freundlich Wort genügte, um ihn zu versöhnen*): „Sein Unwille währte nur einen Augenblick, sein Wohlwollen aber lebenslang" — . . . . Mit gespanntester Theilnahme folgte das überfüllte Haus dem Bilde, das der Redner von des Verewigten ruhiger und würdevoller Haltung ungerechten Angriffen gegenüber, mit lebendigen und sprechenden Farben entwarf**). — Doch übergehen wir hier diese Partie aus nahe liegenden Motiven. — Redner schilderte hierauf in treffenden Zügen des Verewigten Wohlthätigkeitssinn, er gab mit vollen Händen, nicht selten auch über seine Kräfte. Denn er war nicht bloß friedliebend, sondern auch friedfördernd***), namentlich im Herzen des Dürftigen. Hier theilte Redner vom Verewigten eine überaus sinnige Auffassung der Stelle in Jes. 27, 5 mit, dahin gehend, daß wer sich des Armen helfend annimmt, in dessen Herzen einen doppelten Frieden stiftet: zwischen ihm und seinen vom Schicksal begünstigteren Mitmenschen einerseits und der göttlichen Vorsehung andererseits — da der sich verlassen sehende Nothleidende leicht dahin gelangt, nicht nur über die Hartherzigkeit der Menschen zu klagen, sondern auch gegen die Vorsehung zu murren. Indem Redner nun noch, zur Vollendung der Zeichnung des Verewigten als Menschen, ein anschauliches Bild von seiner imposanten Persönlichkeit entwarf —: „Die hohe Stirn, auf der Weisheit thronte, — das sanft und mild blickende Auge, aus dem Wohlwollen und Freundlichkeit strahlte, — das hehre Antlitz, von Ehrwürdigkeit verklärt, — die hohe Gestalt, zugleich geistige Ueberlegenheit verkündend" u. s. w. — schloß er diesen Theil der Rede mit den Worten des Talmuds: b? barr ■'bm siBittj — Wehe, daß solche Pracht ein Raub des Grabes ward! — ****). *) rrnsrnb m:* **) Redner zählte den Verewigten zu den 2^2 d?: orfrn . . . D^abis*; dem Verklärten war für seine Haltung in solcher Lage das Wort des Talmuds maaßgebend: 'im •jan?an n-02 cmbr a-#m osiart. ***) a*ibw jpv-n sibu: nrv.K. ****) Redner erwähnte auch, daß der berühmte Gesenius, dessen Schüler Redner war, einst im engem Kreise seiner Hörer mit wahrer Begeisterung von dem Eindrücke gesprochen, den die imposante Erscheinung des Verewigten auf ihn gemacht, als er diesen in Prag besucht; er konnte seine Leutseligkeit, wie sein einnehmendes Wesen nicht genug rühmen. Bezüglich des Verlustes, den durch den Hintritt des Verewigten die gesamwte Judenheit erlitten, rief Redner aus: h :nn:a -ranio nib — Wehe dem Zeitalter, das seinen Führer verloren! Dem Verluste endlich, den dadurch die Prager G emeinde erfahren, galt der dritte Ausruf: nrsob -na mastö — Wehe dem Schiffe, das seinen Steuermann eingebüßt! — Wir haben uns, wie bereits bemerkt, in unserm Referat über den ersten Theil der Rede kurz gefaßt, um bei den folgenden Theilen länger verweilen zu können. Reiseeindrücke aus dem Innern der Donaufürstenthümer. Das Feuilleton der zu Bukarest erscheinenden politischen und industriellen Zeitschrift l’Echo Danubien enthält vom 20. September Mittheilungen über eine Reise durch die Donaufürstenthümer, aus welchen wir Folgendes wiedergeben. Kaum zurückgekehrt, beeilen wir uns, unseren Lesern die Eindrücke unserer Reise durch einen Theil Rumäniens mitzutheilen. Gleichzeitig aber müssen wir im Voraus unser lebhaftes Bedauern aussprechen, daß wir ein Bild von so außerordentlich trauriger Natur vorzuführen haben. Elend hier, Elend dort, Unglück, Verfolgung, Quälereien jeglicher Art treffen die Schwachen und Unschuldigen; das ist fast überall das Ergebniß der Verwaltung des Exministers Joan Bratiano, welcher in seiner blinden Begierde nach Popularität um jeden Preis ein moderner Haman werden wollte, und Nichts verabsäumt hat, um dies abscheuliche Ziel zu erreichen. Bon Galatz abgereist, gingen wir nach der kleinen Stadt Verlad, deren Lokalbehörde nicht die Hand zu den Verfolgungen gegen die Israeliten gereicht hat,' und dies trotz des allgemein verbreiteten Gerüchts, daß die Bürgermeister den wörtlichen Befehl erhalten hätten, den Israeliten die Legalisirung der Getreidekäufe zu verweigern. Ein trauriger Anblick erwartete uns in Huchi, wo die Communalverwaltung sich Mühe zu geben scheint, jeden Fortschritt in der jüdischen Bevölkerung, welche sie in Unwissenheit erhalten möchte, zu verhindern: es giebt dort keine Schulen, keinen Unterricht. Die israelitischen Fortschrittsmänner haben vor den rückgängigen Bestrebungen der Unwissenden unterliegen müssen. Ist die'Regierung dieser anti-civilisatorischen Kraft nicht zu Hülfe gekommen, indem sie den jüdischen