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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-11-26 · Heft 48 (26.11.1867) · p. Seite 961

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 48 (26.11.1867)
Date
1867-11-26
Page
Seite 961 (sequence 13)
Language
German
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Colmat, i5. November. (Privatmitth.) Am 10. ist unser auch in weiteren Kreisen bekannter Großrabbiner Klein nach langen und schmerzhaften Leiden im 52. Lebensjahre verstorben; am 12. fand seine Bestattung in der von dem Verstorbenen gewünschten einfachen Weise statt. Klein war bekanntlich in Frankreich der Vertreter der Orthodoxie, der er von ganzem Herzen ergeben war, besaß umfassende talmudische Kenntnisse, wie sie nunmehr nur noch wenig in Frankreich vorhanden sind, und zwar ohne gründliche wissenschaftliche Bildung verstand er doch seine Gedanken präzis und mit Wärme auszudrücken. ^Einige Schriften werden sein Andenken noch längere Zeit erhalten. Er war der Conkurrent des Herrn Isidor um das Großrabbinat des Centralconsistoriums, erhielt aber nur wenige Stimmen. Großbritannien. London, 15. November. Wir hören, daß das British Museum beabsichtigt, Herrn Deutsch, einen seiner fähigsten Beamten, mit der abhssinischen Expedition mitzuschicken. Da dieser Herr ein Glaubensgenosse und in hebräischer und rabbinischer Literatur wohl bewandert ist, haben wir nicht den geringsten Zweifel, daß die Falaschas einen der Gegenstände seiner eifrigen Forschungen bilden werden.' Schweden. ^Nekrolo&l Stockholm, 8. Nov. Ich habe heute von dem beinahe unersetzlichen Verluste eines Beamten — ich möchte wohl sagen, des Factotums der hies. jüd. Gemeinde — von dem Tode des Secretairs und Schuldirectors S. Lipmanson zu berichten, der ihn nach einer mit schweren Leiden vereinten Krankheit am 2. verflossenen Octobers uns entriß. Nur 51 Jahre alt, hat er doch in dieser kurzen Lebensspanne so viel gelernt und gelehrt, gerungen und gesiegt', daß er einen siechen Körper davon trug, wir aber hier tief von dem schweren Schlage betroffen sind. Seine äußerlichen Schicksale sind bald geschildert. In Dänemark geboren, kam er in ganz jungen Jahren nach Stockholm, wurde hier zuerst als Vorsänger und Schächter engagirt, wußte aber bald durch seine vorzüglichen Eigenschaften, sowie durch seinen erstaunlichen Fleiß sich so hervorzuthun, daß er bei eingetretener Vacanz sofort Secretair der Gemeinde, sowie auch Director der Schule wurde. Von der Natur in ungewöhnlichem Maaße begabt, eifrig und fleißig die Lücken auszusüllen suchend, die ihm eine mangelhafte Erziehung beigebracht, hat er dadurch alle die Vortheile doppelt verwerthet, die ein seltenes sympathisches Wesen schon von vorn herein mit sich bringt. Nicht genug, daß er alle obengenannten Stellen zu völliger Zufriedenheit versah, nicht allein, daß er in allen wohlthätigen und socialen Vereinen das flüchtigste und eifrigste Mitglied war, — es entging ihm kaum eine Zeitfrage von irgend einer Bedeutung, sei sie rein jüdisch, sei sie allgemein menschlich, ohne daß er, ich möchte sagen, seine ganze Persönlichkeit in sie einsetzte. Es ist natürlich, daß eine gerade s o ausgerüstete Persönlichkeit einen vorzüglichen Prediger abgeben sollte — er war es auch in der Thal, er hat es einen ganzen Winter hier bewiesen — mußte aber auf ärztliches Verbot nothgedrungen von dem Predigen abstehen. Als Muster eines klaren, tief gefühlvollen Redners wird er lange in unserem Gedächtnisse sortleben. Daß er, in jugendlicher Begeisterung für eine heilige Sache, zu einer Zeit, wo kein einziger Jude den Boden Norwegens zu betreten wagte, kühn im Herzen Norwegens auftrat, an das Gedächtniß des edlen, norwegischen Dichters Wergeland, der so schön und innig für die Juden sang, anknüpfend, frisch und frei die alten verrotteten, judengehässigen Gesetze angriff, mit der Kraft der Rede zerbrach und dadurch den Weg zur jetzigen freien Gesetzgebung anbahnte — das wird ihm nicht nur die hiesige jüdische Gemeinde, das wird ihm ein jeder, der für die Entwickelung der heiligsten Rechte der Menschheit ein Herz hat, danken. In dem engeren Kreise unserer Gemeinde hat er, alle Lasten der Detail-Arbeit sich aufbürdend, am meisten durch seine vermittelnde Persönlichkeit ausgerichtet. Und das wird eine unbestreitbare Wahrheit sein, daß, zu welcher Ansicht in religiösen Sachen wir uns auch bekennen, zu welcher Seite in den jetzigen jüdischen Wirren und Streitigkeiten Verstand und Herz uns auch ziehen mag, immer wird eine

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