Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1867)
- Date
- 1867-11-26
- Page
- Seite 956 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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956 ist selbstredend, daß im Gotteshause die Haltung der Gemeinde immer eine des Ortes würdige und dem heiligen Zwecke angemessene sein muß und vornehmlich, wenn das Gebetswort für den Laudesfürsten zu Gott gesandt wird. Diese Haltung und dieser Anstand muß sich aber natürlich und absichtslos ergeben und ein Bedürfniß der Gemeinde sein. Ist die Gemeinde indessen sittlich noch nicht so weit entwickelt, daß sich dies bei ihr voraussetzen läßt, dann ist es in jedem Falle besser und des Lanvesfürsten würdiger, daß sie in weniger ansprechender Form, in ihrer Weise aufrichtig und herzlich für den König bete — und dieser Wille kann und konnte niemals auch bei dem ungebildetsten holländischen Juden in Zweifel gezogen werden, — als einen par oriire und militaircnient erzwungenen Anstand zur Schau trage. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Lengnau, den 10. October. Bon Titus Tobler, bekanntlich der bedeutendste Palästinologe unserer Zeit, erschien jüngst ein größeres Werk, das auch in diesen Blättern Erwähnung verdient: Bibiiogr^phia Geographica P a la es t in a e. Zunächst eine kritische Uebersicht gedruckter und ungedruckter Beschreibungen der Reisen in's heilige Land (Leipzig 1867). Der Verf. liefert eine Uebersicht der geographischen Literatur von Palästina in einer Ausführlichkeit, wie es nur ihm, der sich über dreißig Jahre mit dem Gegenstände beschäftigte, möglich war. Das Werk zerfällt in drei Hauptabtheilungen. Die erste umfaßt die Werke von Augenzeugen, oder solchen, die in Palästina gewesen sind. Wohl an 1200 Reisen sind hier verzeichnet und kritisch behandelt. Wie wenig für die Erforschung Palästinas von den Juden geschehen, ergiebt sich schon daraus, daß die Zahl der jüdischen Palästinafahrer von dem alten Benjamin aus Tudela bis auf den zweiten Benjamin aus der Moldau sich nicht auf 20 belief. Den Reigen der jüdischen Reisenden eröffnet der genannte Benjamin aus Tudela, dessen Darstellung Tobler für eben so glaubwürdig hält, als die der anderen Reisebeschreiber jener Zeit. Ihm schließt sich an R. Petachia von Regensburg (1175), Samuel ben Samson aus Lünel (1210), der Gräberpilger Jakob aus Paris (1258), Esthori Ha?Parchi, dessen Kaphtor Wepherach auch Tobler als sehr werthvoll für die alte Geographie bezeichnet, Isaak Chelo aus Aragon (1334), ein Jahrhundert später Elias aus Ferrara (1438), wieder 100 Jahre später ( 1537) ein Ungenannter und Uri ben Simon aus Biel, Gerson ben Ascher Scarmela (156 0, und Samuel ben David Jemsel aus Troki. Hiermit schließt Tobler die Reihe der jüdischen Reisenden im Mittelalter und wird er bei seinem Streben nach Vollständigkeit es gewiß bedauern, mehrere bedeutende Namen übergangen zu haben. Es hätten noch genannt werden müssen: Jehuda Alcharisi (1217), der Egypten, Palästina u. a. bereiste und seine Peregrination dichterisch bearbeitete (Kämpf, Nichtandalusische Poesie andalusischer Dichter), Na chm ani (1267), Menachem ben Perez aus Hebron (1210), dessen etwas fabelhaften Bericht Steinschneider in der Bodlejana auffand (Jewish Literature 81), Obadja de Bertinoro (1488—1489) und ein Anonymus (1495), deren Reisebriefe Neubauer in dem 3. Bande des „Jahrbuchs für Geschichte der Juden und des Judenthums" mit Uebersetzung zum ersten Male veröffentlichte. Aus neuerer Zeit erwähnt Tobler: Frau Moses Montefiore, ihre .Schriften, Frivate Journal of a Visil to Egypt and Palestine (London 1836) und Notes front a private Journal of a Visit to Egypt and Palestine (London 1844) kamen nicht in den Buchhandel; R. Joseph Schwarz, drei Briefe der palästinischen Juden aus Jerusalem (Prag 1837), eine übertriebene Schilderung des Erdbebens am 1. Januar 1837, den Dichter Ludwig August Frankl, dessen „Nach Jerusalem" (bereits in's Englische, Holländische und Hebräische übersetzt) Tobler „ein sehr interessantes Werk" nennt, „welches in die jüdischen Verhältnisse hell hineinleuchtet, und nur von Stockjuden angefeindet wurde, wie jener Broschürenschreiber I. einer ist." Den Schluß bildet Benjamin aus Foltischany in der Moldau oder I. I. Benjamin 1!., wie er sich selber nannte. Das Reisebuch Jakob Safir's, welches durch den Verein „M'kize Nirdamim" 1866 veröffentlicht wurde, hätte als hierher gehörend noch erwähnt werden müssen. Die 2. Abtheilung des Tobler'schen Werkes besteht aus solchen, welche Palästina nicht aus eigener Anschaung kennen, unter ihnen begegnen wir Löwisohn in Wien, Munk (Palestine,*), L. Traub, I. Gans, Abrami Es wird Vielen unbekannt sein, daß Munks mehrmals aufgelegtes Werk bereits im Jahre 1842, also