Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1867)
- Date
- 1867-11-26
- Page
- Seite 953 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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853 ben, in einem büftetn Lichte aufgefaßt, den Schreiber des Cirkulairs zu dem veranlaßt, was wir soeben erwähnt haben. Sie erklären den Ursprung der, gegen die Israeliten gefaßten Vorurtheile welche ihnen ,.diese „Gier, sich zu bereichern," „diese bevorzugte Stellung," „diese Gemeinschaft israelitischer Millionäre mit elenden Missethäteru," diesen jedem Fortschritt feindlichen „Geist, re.," zuschreiben, von denen das in Rede stehende Cirkulair spricht. Die gesetzliche Auflösung dieser Gesellschaften ist für die Israeliten das kategorische Verbot, ihre religiösen Pflichten zu erfüllen. Sie ist der sofortige Sturz aller Wohlthätigkeitsiustitute, welche von den freiwilligen Beiträgen erhalten werden, und wird eine große Auswanderung von fast der ganzen wohlhabenden Bevölkerung herbeiführen. Sie wird gewiß einige Uebertritte zur orthodoxen Kirche zur Folge haben, aber diese Uebertritte werden mit dem Untergang der nordwestlichen Provinzen erkauft werden. P. Afanassieff. Slü;;en aus Holland. VIII. Ziel, Geist und Erfolg der im Jahre 1814 begründeten israelitischen Gemeindeverfassung. Wir haben es versucht, die Umrisse des nach der Restauration der Niederlande neu gestalteten Gemeindewesens so zu zeichnen, daß das Bauwerk seinem ganzen Umfange nach zu erkennen, nicht schwer fallen dürfte. Das Werk — es kann dem aufmerksamen Leser nicht entgangen sein — ist ausgedehnt und eomplicirt: Hohe Mauern, zahlreiche Portale, weite Hallen, unzählige Gemächer; wohin der Blick sich auch wende, eine Fülle von Ornamenten. Und in dieser Mannigfaltigkeit welch' emsiges Streben nach System, Ordnung und Eleganz. Da soll Eines in das Andere greifen, Unddie Theile und das Ganze sich von einander abhängig zeigen, wie in einer kunstvoll gebauten Maschine. Wie viele 0<>- nera und Species geschäftiger Hände, welche Klimax von Patronaten und Clientelen, wie viel hierarchische Disciplin! Versuchen wir es nun, stets den Blick auf die bereits gegebenen Umrisse gewandt, Alles dies nach seinen Ursachen und Wirkungen zu erkennen. Das Ziel, das der Fürst bei der neuen Gestaltung der israelitischen Gemeindeverhältnisse im Auge hatte und erreichen wollte, ist in dem das Werk einleitenden Dekrete deutlich ausgesprochen: „sowohl für die Beziehungen der Regierung zu den Israeliten als einer religiösen Genossenschaft, in Uebereinstimmung mit der gegenwärtigen Ordnung der Dinge, als auch für die jüdischen Gemeinden selbst zu sorgen." Ferner: „Die Zahl der nützlich wirksamen Mitglieder der Gesellschaft zu vermehren." Es war also nicht die Pflicht allein, nicht die bloße Cousequenz der bereits tatsächlich verwirklichten Gleichstellung der Juden, nicht nur das Prinzip der ganzen Landesverfassung; sondern es offenbart sich darin zugleich die fürstliche Geneigtheit, die väterliche Fürsorge, die warme Theilnahme an dem Lose der niederländischen Juden, deren überwiegend große Mehrheit während der laugen Zeit ihrer Ausschließung aus dem freien gesellschaftlichen Leben in eine Niedrigkeit geistiger Entwickelung verfallen war, aus welcher sie gezogen werden mußte. Hierin sah der Fürst mit Recht das Mittel, die Zahl der nützlichen Bürger zu vermehren. — Die Geschichte der Niederlande hat seit Jahrhunderten sowohl solche Thatsachen als denkwürdig verzeichnet, in denen die sprechendsten Zeugnisse wahrer, aufopfernder Hingebung der Juden an das Haus Oranien liegen; als auch solche, aus denen wahrhafte Anerkennung dieser treuen Ergebenheit von Seiten des Fürstenhauses hervvrgeht. Diese Hingebung und diese anerkennende Zuneigung wurden gleichsam traditionell und dauern fort, und so haben wir in der Neugestaltung der israelitischen Verhältnisse, in den Motiven, die dabei leitend waren, ebenfalls einen Beweis hierfür zu sehen. Indessen konnte der König selbst unmöglich mit allen Mängeln und Bedürfnissen der Juden bekannt sein, deren Abhilfe und Befriedigung er wünschte, und folglich auch nicht unmittelbar die Mittel anordnen und die Wege bezeichnen, die zu dem gesteckten Ziele führen sollten. Außerdem widerstrebte eine oetroirte Verfassung des jüdischen Gemeindewesens durchaus dem Geiste, der die Staatseinrichtungen durchzog, und mußten schon deshalb die Anträge und Entwürfe zu dem neuen Werke aus dem betheiligten Kreise selbst hervorgehen. Behufs dessen wurde nun die consulcmulc Commissie ernannt, unter deren Mitgliedern sehr befähigte und sehr achtbare Männer waren. Daß der Wille dieser Commissie kein anderer war, als das Wohl ihrer Glaubensgenossen zu fördern