Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1867)
- Date
- 1867-11-12
- Page
- Seite 920 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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920 D >) n a u f u v ft enth ü m c i\ Bukarest, 25. October. (Privatmitth.) Das Register der unter der jetzigen Regierung gegen uns verübten Bedrückungen wird immer größer, tritt aber auch immer nackter hervor, so daß selbst das dehnbare „Vagabondengesctz", mit welchem man doch neun Zehntel von ganz Rumänien bedecken könnte — ich meine ganz Rumänien, nicht blos die Juden — nicht mehr ausreichen würde. Es ist wahr, daß der Bürgermeister zu Jassy, wie Sie bereits gemeldet haben, die gegenseitigen Dienste zwischen Juden und Christen verboten hat; es ist wahr, daß der Bürgermeister von Roman das Gauen von Laubhütten untersagt hat. Jetzt kommt uns nun auch ein Verbot des Bürgermeisters von Bärlad zu, das den Juden die Thiere nach den Ritual-Vorschriften zu schlachten untersagt. Man sieht hieraus, daß es nur auf Quälereien der Juden abgesehen ist; man erkennt aber auch hieraus, daß die staatliche Ordnung in der Auflösung begriffen, jeder Bürgermeister absoluter Herr ist und für seinen Bezirk befiehlt und verbietet, was ihm gut dünkt, ohne nach Recht und Gesetz, ohne nach Regierung und Fürst zu fragen. Gewiß gehört jetzt Muth in Rumänien dazu, die Juden gegen diese heuchlerischen rothen Ravikalcn zu vertheidigen, und darum sind wir der Zeitschrift l'Edio Danubien zu großem Danke verpflichtet, welche unermüdlich gegen die anderen Blätter , namentlich die Kcntmella, die unglücklichen Juden vertheidigt. Rußland. Warschau, 17. October. Die gemischten höheren Unterrichts-Anstalten, in denen die Lehrsprache die russische ist und welche vorzugsweise für die jüdische Jugend bestimnit sind, haben dadurch bei den Juden ein Vorurtheil gegen sich erweckt, weil bisher der jüdische Religions-Unterricht und die hebräische Sprache von ihrem Stundenplan ausgeschlossen waren. Um diesem Uebelstande abzuhelfen und den religiösen Bedürfnissen der Juden vollständig zu genügen, ist ein hiesiges Progymnasium in eine ausschließlich jüdische } Lehranstalt umgewandelt und der Leitung eines Rabbiners aus Wilna übergeben wurden. In dieser neuen Lehranstalt werden nicht blos sämmtliche Wissenschaften, sondern auch die jüdische Religion in russischer Sprache vorgetragen und eben so die Bibel ins Russische übersetzt. Nach diesem Muster soll hier demnächst ein vollständiges jüdisches Gymnasium gegründet werden, welches hauptsächlich zur Ausbildung von Talmudisten und Rabbinern bestimmt ist. Auch in den jüdischen Elementarschulen soll die russische Sprache als Lehrsprache eingeführt werden. Man sicht aus diesen neuen Einrichtungen, daß die Regierung vor Allem auf die Russificirung der jüdischen Bevölkerung bedacht ist, welche ihr in dieser Hinsicht auch mit Hingebung entgegen kommt. (Ostsee-Ztg.) (Die Judenkinder in Polen haben also vorläufig vier Sprachen zu erlernen, wenn sie nur existiren wollen: Russisch als Sprache des Unterrichts und der Behörden, Polnisch als Volkssprache, Jüdisch-Deutsch als Sprache in ihren Familien und Hebräisch als Sprache der Religion.) Wilna, im September. (Privatmitth.) Wir haben in d. Bl. bereits von dem feindseligen Auftreten der „Moskwa" gegen die Juden berichtet. Das „Echo de la presse russe“ enthält hierüber Folgendes: „Eine im „Messager de Vilna“ veröffentlichte Bemerkung protestirt im Namen der Israeliten gegen die Aeußerungen der „Moskwa," welche die Ansichten erwecken sollen, als strebten die Israeliten danach, sich eine bevorzugte und abgesonderte Stellung zu gründen und daß ihr Cultus sie feindlich dem russischen Elemente gegenüber stelle. Diesen Auslassungen entgegen will die angeführte Bemerkung beweisen, wie lebhaft die Israeliten sich bemühen, sich mit dem übrigen Theil der Nation zu vermischen, deren Sprache sie sich eifrig aneignen, indem sie sowohl ihren gebräuchlichen Jargon als das Deutsche aufgeben, zu dessen Gebrauch vorübergehende Umstände sie geführt. Schon herrscht in den israelitischen Schulen das Russische vor und es hat nicht an ihnen gelegen, daß diese Sprache nicht auch diejenige des Cultus in den Synagogen geworden. Seit langer Zeit streben sie danach, die Billigung einer russischen Uebersetzung der Bücher zu erhalten, die dem hebräischen Ritus dienen. Was ihren Cultus selbst anbetrifft, so könnten die hundertjährigen Zeugnisse einer sich über alle Länder Europas erstreckenden Geschichte beweisen, daß die mosaische Religion, weit entfernt vom Geiste des Prosei£lH