Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1867)
- Date
- 1867-11-12
- Page
- Seite 919 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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919 nicht wenig beigetragen. — Die Stunden der Andacht von I. Hecht sind in 2. Ausl. erschienen, und ist der Reinertrag dem israel. Waisenhaus zugewiesen. A. E. Österreichischer Kaiserftaat. Wien, im October. (Privatmitth.) Der hiesige Verein „zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender" hat seinen 6. Jahresbericht veröffentlicht. Derselbe hat im verflossenen Jahre 144 Gesuche berücksichtigt, 12 Rabbinatskandidaten, 118 Studirende der Medicin, 10 der Rechte und 4 Techniker unterstützt. Die Einnahmen beliefen sich auf 3025 fl., die Ausgaben 789 fl. weniger. Die obgedachten Unterstützungen nahmen die Summe von 2103 fl. in Anspruch. Dieselben werden vorzugsweise als Collegiengelder und Rigorosentaxen vertheilt, eigentliche Unterstützungen nur 140 fl. Man ersieht daraus die wohlthätige Wirksamkeit des Vereins, zugleich aber auch wie beschränkt derselbe noch ist, um armen Studirenden eine wesentliche Hülfe zu gewähren. — Möchten sich hierzu recht bald ausführliche Hülfsmittel ihm eröffnen! Wien, den 20. Oct. (Privatmitth.) Der Orientalist und Kanzelredner, Rabbiner Dr. Müller, ist abermals decvrirt worden. Se. Majestät der Kaiser hat demselben die k. k. Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Prag, Ende October. (Privatmitth.) Der Hintritt Rapoport's beschäftigt noch immer die Gemächer; jetzt wird auch die Frage betreffs seines Geburtsjahres auf's Neue ventilirt. Es fehlt nicht an Personen, die wiederum behaupten, Jost habe richtig das Jahr 1786 als Geburtsjahr des Verklärten bezeichnet. Dem steht indessen nicht nur der Widerspruch der Familie des Verewigten, sondern dessen eigene Behauptung entgegen. Rap. selber sagte einst scherzend: „Ich bin im Jahrein (1790) geboren — viipn nxn?" — Er hielt sein Ende nicht für so nah, obgleich er oft davon sprach. Noch wenige Tage vor seiner Auflösung sagte er zu seiner Umgebung: „Ihr werdet wohl noch einige Jahre mit mir Geduld haben müssen; denn als ich zu meiner Barmitzwah-Feier vor meinem Großvater eine Talmud-Lection besonders gut vortrug, segnete er mich und sprach zu mir: Ich bin sicher und gewiß, du wirst es mindestens auf achtzigJahre bringen." — Der Todeskampf war ein leichter und dauerte nicht lange; auf die Schreäenskunde, daß die Agonie bereits eingetreten, eilten mehre hervorragende Persönlichkeiten an das Sterbebett. Das Antlitz des Scheidenden war wahrhaft verklärt, himmliche Ruhe war darüber verbreitet, sein Ausdruck war der des Friedens und der Befriedigung, gleichsam sagend: „meine Aufgabe ist gelöst, die Arbeit gethan, ich gehe zur Ruhe, lebet wohl!" — Es muß hervorgehoben werden, daß wohl Jeder der zahlreichen Anwesenden die Schwere des Momentes in ihrer ganzen Wucht würdigte und empfand, — daß aber trotz dem von jener Peinlichkeit, die solchen Vorgang sonst zu bekleiden pflegt, keine Spur vorhanden war, vielmehr war die Stimmung eine überaus feierliche, ich möchte fast sagen — gehobene, wie sie nur ein erhabener Vorgang berwirken kann. Doch genug für heute; wir sind noch nicht in der Verfassung, mehr als einzelne Tathsacheu berichten zu können. Künftige Woche beginnen die Trauerfeierlichkeiten in den Synagogen; ich werde darüber berichten. q. Brünn, 31. Oct. Das Ministerium hatte sich zur Regelung einiger wichtiger Fragen der israelitischen Volksschule veranlaßt gefunden, eine Versammlung mährischer Rabbiner, Lehrer und Gemeindevorstände nach Brünn einzuberufen. Dieser Einladung wurde seitens der Mitglieder aller drei Gruppen eifrigst entsprochen und gestern konnte der Herr Schulrath Dr. Nowak tat Prüfungssaale des Gymnasiums vor einer zahlreichen Versammlung die Sitzung eröffnen. Nachdem der Vorsitzende in sehr ansprechender Weise die Ausgabe der Versammlung bezeichnet, wurden einige Formalien erledigt, unter denen die Einschreibung in die drei Gruppen die wesentlichste war. Es erfolgte nun die Wahl der Schriftführer; es wurden die Herren Lehrer Storch aus Boskowitz und Bortl aus Gaya gewählt, worauf die Verlesung des Verzeichnisses der stimmberechtigten Mitglieder der drei Gruppen vor sich ging. Auch der bekannte Director Deutsch aus Wien wohnte den Berathungen bei. Es wird hierauf in die Berathung des eigentlichen Programms eingegangen. Die nächste Sitzung findet heute Nachmittags um 5 Uhr statt. 46*