Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1867)
- Date
- 1867-11-12
- Page
- Seite 918 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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918 Unmittelbares königl. Decret. Ordens-Verleihung. Vermöge höchster Entschließung vom 29. v. M. haben Seine königl. Majestät dem Vorstand der israel. Waisenanstalt Wilhelmspflege zu Eßlingen, Oberkirchenvorsteher Adolph Levi in Stuttgart, das Ritterkreuz Höchst Ihres Friedrichsordens, sowie: dem Hausvater und Hauptlehrer dieser Anstalt, Liebmann in Eßlingen, die goldene Civilverdienstmedaille gnädigst zu verleihen geruht. Die Stiftung des Herrn S. I. Kaulla ist die Fortsetzung einer früheren, da derselbe seine reiche hebräische Bibliothek der königl. Oberkirchenbehörde zur Benutzung für Studirende mosaischer Theologie geschenkt hat. Er ist der Sohn des kaiserlich königlichen Rathes Jakob v. Kaulla, dem wir eine reiche Stiftung verdanken, aus welcher gegenwärtig vier Studirende der mosaischen Theologie reichlich unterstützt werden. Sein Erzieher war der, vor wenigen Jahren verstorbene PH. Holland, einer noch von den Weisen aus der Mendelssohn'schen Schule von Benseew dem Rath v. Kaulla empfohlen. Bis zu seinem Tode waren Lehrer uud Schüler die treuesten Freunde und S. I. Kaulla hatte seinem Lehrer eine sorgenfreie Stellung durch anderweitige Verwendung in seinem Hause geschaffen. Herr Holland war langjähriger Verwalter der königl. israel. Centralkirchenkasse. Von Herrn S. I. Kaulla wurden als Erzieher in sein Haus berufen: Moses Büdinger, Dr. Carl v. Weil, Dr. N. Frankfurter. Diese Namen beweisen, daß Herr Kaulla das Verdienst zu schätzen wußte. Durch seine Stiftung wird er stets als Mäcen der jüdischen Wissenschaft in rühmendem Andenken bleiben. Der mit dem Friedrichsorden decorirte Dr. Adolph L evi ist ein geborner Stuttgarter, Privatgelehrter, der sein ganzes Leben dem Dienste rettender Menschenliebe widmet. Mit hohen Geistesgaben und vielseitigem Wissen ausgerüstet, stellt er sein Licht unter den Scheffel, um mit bescheidener Demuth der inneren Mission, dem Werke der Mildthätigkeit zu dienen. Als langjähriger Vorstand des Waisenvereins blüht die Anstalt unter seiner sorgenden Obhut, und hat sich gedeihlich entwickelt, so daß auch ihre Fortexistenz für spätere Zeiten gesichert ist. In gleicher Weise wirkt Herr A. Levi als Mitglied der k. israel. Oberkirchenbehörde und des Kirchenvorsteheramtes in Stuttgart, und jeder Nothleidende weiß ihn aufzusuchen und zu finden. Wir verletzen durch diese Kundgebung die Bescheidenheit unseres Freundes, wir können aber nicht schweigen, da er ein öffentlicher Charakter ist und es soll constatirt werden, daß der königl. Ordensverleiher durch die Dekorirung solch würdiger Männer das Recht der Krone, das Verdienst zu lohnen, als Pflicht in Wahrheit ausübt. — Herr Liebmann, Hausvater an der Wilhelmspflege, ist zugleich ein Lehrer-Nestor, einer der ersten israel. Lehrer Deutschlands, der durch geordnete Seminarbildung den Lehrerberuf in sich ausgenommen und ihm sein Leben gewidmet hat. Durch seine Auszeichnung fühlt sich der ganze Stand israel. Volkslehrer geehrt und in seinem Streben ermuntert. Wenn wir aber uns freuen, daß das Verdienst belohnt wird, so müssen wir auch derer erwähnen, die das Verdienst zur Geltung bringen. Herr Director v. Schmidt, Vorstand der israel. Oberkirchenbehörde ist es, der den Departementschef Herrn Minimster Dr. v. Golther auf die Verdienste derer, die in seinem Ressort arbeiten, aufmerksam macht und ihre Leistungen würdigt. Ihm haben die Dekorirten aus dem Kreise der israel. Oberkirchenbehörde besonders die ihnen gewordenen Anerkennungen zu verdanken. Alle Israeliten des Landes, selbst diejenigen, die principielle Gegner der israel. Oberkirchenbchörde siud und ihr offene Opposition machen, sind darin einig, daß Herr Director v. Schmidt vom treuesten Pflichteifer beseelt den vollen Dank der Israeliten des Landes verdient, und ein bon mot hat ihn „den besten Israeliten" bei der israel. Oberkirchenbehörde um seiner unparteiischen Amtsführung willen genannt. — Der durch Herrn S. I. Kaulla ins Leben gerufene Unterricht in rabbinischer Wissenschaft hat unter Leitung des Herrn Kirchenrath Maier begonnen und nehmen einige der mosaischen Theologie beflissene Jünglinge an demselben Antheil. Auf der Hochschule in Tübingen befinden sich drei Candidaten jüdischer Theologie, andere befinden sich in Breslau und Würzburg. — Eben ist von Dr. Max Sänger eine Schrift: Maleachi, eine exegetische Studie über die Eigenthümlichkeiten seiner Redeweise erschienen. — Eine Parteischrift von Eduard Pfeiffer, „das Steuerwesen in Württemberg und die von der Regierung beabsichtigte Steuererhöhung" wurde vom Comitö der deutschen Partei massenhaft verbreitet und hat zur Umstimmung der öffentlichen Meinung