Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1867)
- Date
- 1867-11-12
- Page
- Seite 915 (sequence 7)
- Language
- German
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915 Gesetz selbst aufnehmen, denn sonst werden gleich am ersten Tage Streitigkeiten sein. Denn wenn ich ein Jude wäre, ich würde mir nicht das Crucifix vor die Augen stellen und mir sagen lassen, Ihr Inden habt Christus gekreuzigt. (Heiterkeit.) Ich verlange also im Rainen des Gewissens, im Interesse des Gewissens, des Lehrers, der Jugend und der Eltern, Weglassung der ersten Alinea dieses Paragraphs. Abg. Landesberger wendet sich gegen die Ausführungen Greuter's. Die Frage, um die es sich handle, sei die: wer ist fähig den Unterricht zu ertheilen, und diese Frage könne völlig unabhängig von der Confession beantwortet werden. Wenn Abgeordneter Greuter glaubt, den Confessionen werde ein Zwang angelegt, so müsse er das bestreiten. Verschiedene Religionen können nebeneinander bestehen und wahre Bildung besteht darin, daß eine Religion der andern Achtung gewähre. (Lebhafter Beifall.) Abg. Baron Seyffertitz: Mein Vorredner aus Tirol hat im Interesse der Gewissensfreiheit bedauert, daß dieser Paragraph hier ausgenommen ist. Ich kann nur im Interesse jener Partei, die dieser Herr hier vertritt, bedauern, daß immer mit den extremsten Waffen gejochten wird. Was wir schaffen wollen, ist kein Experiment, es besteht ja in vielen Ländern und nirgends ist es vorgekommen, daß Lehrer an solchen confessionslosen Schulen sich in Ausübung ihrer Confession beeinträchtigt sahen. Wohin es aber kommt, wenn man die rein weltlichen Gegenstände des Unterrichts nicht auch von der Religion scheidet, dafür habe ich ein eclatantes Beispiel. In meinem Vaterlande existirt ein k. k. Staatsgymnasium; dies befindet sich seit 1855 — in diesem Jahre wurde das Conkordat geschaffen — in den Händen des Jesuiten-Ordens. In einer Doctrin nun, welche an diesem k. k. Staatsgymnasium, das von Jesuiten bedient wird, gelehrt wird, kommt folgender Passus vor: „Magnetismus animalis aut est naluralis aut supernatui'alis; naluralis non est, ergo est supernaturalis. (Heiterkeit.) Si est supernaturalis, aut est ex Deo, aut ex diabolo. Ex Deo non est, ergo est ex diabolo.“ (Lebhafte anhaltende Heiterkeit.) Diese Stelle zu Deutsch übersetzt lautet: „Der thierische Magnetismus ist entweder natürlich oder übernatürlich; natürlich ist er nicht, daher ist er übernatürlich. Wenn er übernatürlich ist, so ist er entweder von Gott oder dem Teufel; aus Gott ist er nicht, also ist er aus dem Teufel." Meine Herren! Dahin gerathen wir, wenn man die rein weltlichen Gegenstände nicht bis zu einem gewissen Maße von der Confeffion scheidet! (Allgemeine Zustimmung.) Abg. Greuter: Ich habe meinen Herren Borrednern insoferue nichts zu erwiedern, da sie mich durchaus nicht widerlegt haben, ich habe nicht die Behauptung aufgestellt, daß ein Mann von einer anderen Confession auch keine Kenntnisse und Fähigkeiten zum Unterrichte hat, obwohl ich das für meine Confession und speziell für uns Geistliche auch in Anspruch nehme, denn dadurch, daß man mich geweiht hat, hat man mir nicht den Hirnkasten eingeschlagen und eine Handvoll Hirn herausgenommen. (Große Heiterkeit.) Das soll uns kein Hinderniß sein, daß man uns immer sagt: Der Clerus als solcher ist nicht so fähig, als die Laien zum Unterrichte. Ich habe jedoch das nicht betont, sondern hervorgehoben, daß, wenn Lehrer von verschiedener Confeffion in einer Schule zusammen kommen, und dieselben Kinder zur Erziehung anleiten sollen, das Werk der Erziehung nicht so gut von Statten gehen könne, als wenn eine einheitliche Gesinnung vorhanden ist. Der Protestant schicke seine Kinder in die protestantische Schule, der Jude in die jüdische Schule. Was übrigens die magnetische Vorlesung des Herrn Vorredners betrifft (Große Heiterkeit), so muß er mir schon erlauben, daß ich einige Bedenken in diesen prachtvollen Syllogismns habe, bevor er mir nicht Schwarz auf Weiß vorgelegt wird. Es sind hier so viele Behauptungen gegen die Kirche ausgesprochen worden (großer Widerspruch links), und so sehr ist die katholische Kirche in ihren Institutionen .. . (Rufe links:i Nicht die Kirche! Große Unruhe.) Präsident: Ich bitte, den Herrn Redner fortfahren zu lassen. Abg. Greuter: In diesen Tagen ist hier im Hause soviel über die katholischen Institutionen gesagt worden, daß ich wahrhaftig — wie soll ich nur sagen? ... daß es mich anekeln würde, in diese Vorwürfe nochmals einzugehen ... Präsident: Ich bitte den Herrn Redner, doch die Güte zu haben, darauf Rücksicht zu nehmen, daß er in einem Parlamente ist (Zustimmung links), wo man sich einer anderen Ausdrucksweise zu bedienen 'pflegt, als sie dem Herrn Redner vielleicht an anderen Orten geläufig geworden ist. Abg. Baron Seyffertitz: Ich erlaube mir das Wort zu einer persönlichen Bemerkung. Es wird mir zum besonderen Vergnügen gereichen, dem Herrn Abge-