Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1867)
- Date
- 1867-11-05
- Page
- Seite 901 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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901 Correspondenz. Monatsberichte aus Ungarn. III. Neu-Verbaß, Anfang Oktober 1887. (Schluß.) In Angelegenheit der Reform der Gymnasial- und Realschulen, berief der Cultus- und Unterrichtsminister Eötvös eine größere Anzahl Profefforen zu einer Conferenz. Bei der am 22. Septbr. stattgehabten Berathung gab der genannte Minister dem Wunsche Ausdruck, daß die zwei wöchentlichen Ferialtage auf Samstag (statt Donnerstag) und Sonntag verlegt werden mögen. Das, bemerkte Se. Excellenz, ist deshalb wünschenswerth, weil der Samstag für die israel. Studirenden ein Kirchentag ist, diese daher alsdann ohne jedwede Störung der Schule in ihr Gotteshaus gehen, und außer der Hebung der Religiosität, sich auch in ihrer Religionslehre leicht ausbilden könnten. Infolge der Gegenbemerkungen wurde bestimmt, daß dort, wo es die lokalen Verhältnisse erfordern, auch der Donnerstag zu benützen sei. Die endgiltige Feststellung in dieser Sache wird erst dann geschehen, Kenn die Schulmänner, denen der Plan zugeschickt wird, diesbezüglich sich erklärt haben werden. Jrn.Sümegher Comitat constituirte sich der erste Bolkserziehungsverein nach dem in meinem vorigen Berichte mitgetheilten Plane des Baron Eötvös, u. z. mit allen gegen eine Stimme, in confessionsloser Tendenz. In Fünfkirchen traten die Volksschullehrer der Baranya (zumeist Nichtisraeliten) zusammen, um einen i'ehrerverein zn gründen, und wählten auch zwei Israeliten, die Musterlehrer Gutmann und Seligmann in den Ausschuß, sowie in das Comite zur Ausarbeitung der Statuten. Das Arrangement der Krönungsfeier wurde seiner Zeit seitens der Stadt Pest einem Comits übertragen. Eine größere Anzahl Comitömitglieder erhielt nun vom Kaiser eine Auszeichnung für die bei dieser Gelegenheit erworbenen Verdienste. Unter den Ausgezeichneten befinden sich auch Israeliten, sind zwar erhielten von den dem Schreiber dieses, dem Namen nach bekannten: Heinrich v. Schoßberger die kleine goldene, Mor. Wahrmann und Herrn. Steiner die große silberne Medaille. Der Minister für Communications- und öffentliche Arbeiten berief eine Enquöte-Commission wegen Beseitigung der Mängel des Trantsportwesens. Unter den Mitgliedern dieser Commission find auch die Israeliten M. Jellinek und Alois Straßer. Bei der im Septbr. stattgefundenen Constituirung eines Landes-Industrie- und Gewerbe-Vereins, dessen Präses Minister Eötvös ist, wurden unsere Glaubensgenossen, die ausgezeichneten Industriellen C. L. Posner, Leop. Feiwel und Gers. Spitzer in Pest und Paul Wallfisch aus Arad in den Ausschuß gewählt. Ferner wurden bei der am 10. v. M. abgehaltenen Generalversammlung der neuerrichteten Pester „Volksbank" zwei Israeliten, nämlich Mor. Jellinek und Jacob Kohen zu Vicepräsidenten, D. Fleischl zum Direktor und außerdem noch eine größere Anzahl unserer Glaubensgenoffen zu Ausschußmitgliedern erwählt. Ebenso fiel auch die Wahl eines Directors der allgemeinen ungar. Creditbank auf einen Israeliten, Anton Frank. Vor kurzem wurde die sojähr. Jubelfeier der Eröffnung des Pester ungarischen Nationaltheaters abgehalten, aus welcher Veranlassung unserem, seit dem Bestehen des Theaters als Leiter des Orchesters wirkenden Glaubensgenossen Adolf Ellenbogen seitens des Bühnenpersonals ein silberner Pokal verehrt wurde. Der in meinem vorigen Referate genannte Pester Schauspieser Feleki suchte bei dieser Gelegenheit seinen daselbst erwähnten ungerechtfertigten Angriff auf die Juden wieder gut zu machen. „Daß wir den guten (!!) Juden nicht nur lieben, sondern auch hoch schätzen, sagte er nämlich, beweisen wir dadurch, daß wir ihm zu Ehren zusammenkamen und seine 30jähr. eifrigen Dienste durch das ihm überreichte Andenken zu verewigen wünschten." Graf Johann Cziräky, Vicepräsident des Oberhauses, unterstützte die israel. Gemeinde in Lovasberöny bei ihren Gemeindebauten zu wiederholten Malen mit Geld und Baumaterial. Als nun der dortige Cultusvorstand neulich dem Hrn. Grafen den Dank der Gemeinde für die ihr erwiesene Gunst ausdrückte, antwortete derselbe folgendes: „Mit Freuden will ich Sie auch fernerhin unterstützen; denn Sie sind wackere Menschen. Ich wünsche von Herzen, daß unsere jüdischen Landessöhne gleichberechtigt feien. Sie können übrigens überzeugt sein, daß ich nichts unterlassen werde, Ihre Angelegenheit seiner Zeit mit Wort und That zu fördern." In Agram fand jüngsthin die Einweihung der neuen Synagoge statt. Hofrath Zlatarovitsch nahm die Schlnßsteinlegung vor; dann wurde von vem Rabbinatsverweser Eisner ein Gebet in kroatischer Sprache gesagt und hierauf die Volkshymne, ebenfalls in kroatischer