Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1867)
- Date
- 1867-11-05
- Page
- Seite 900 (sequence 12)
- Language
- German
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gen der Kürze der Zeit keine Leichenrede gehalten werden solle. Doch kam man, um die Trauergäste aus Wien zu ehren, von diesem Beschlüsse ab, und die beidin Abgesandten der Wiener Gemeinde, Oberrabbiner Hr. Horwitz und Prediger Dr. Jellinek sprachen am offenen Grabe einige warme, tiefgefühlte und das Andenken des Verstorbenen ehrende Worte. Hr. vr. Jellinek drückte der versammelten Gemeinde das Beileid der Wiener Schwestergemeinde und die Hoffnung aus, daß der nun verwaiste Sitz eines Oberhauptes in der ältesten und ehrwürdigsten Jsraeliten-Gemeinschaft des Reiches bald wieder durch einen Mann der Wissenschaft ausgefüllt werde. Er hob die vielen Verdienste des Verstorbenen um Religion und Wissenschaft hervor und schloß mit den Worten: „Sein Andenken bedeute Segen und Friede; Segen seinem Volke, Friede zwischen Glauben und Wissenschaft!" — Hierauf wurde der Leiche ein Säckchen mit Erde aus Palästina unter das Haupt gelegt und dieselbe unter den üblichen Ceremonien bestattet. Donaufürstenthümer. Bukarest, l 8. October. L’Echo Danubien berichtet über zwei Thatsachen, welche, wie das Blatt selbst sagt, zeigen, daß der Geist der Verfolgung eher im Wachsen, als im Abnehmen ist. In der Stadt Roman befahl die Stadtbehörde dem Stadtbaumcister wie der Polizei, den Juden auf's strengste zu untersagen, Laubhütten zu bauen, denn diese Gebäude müßten nach den Vorschriften des Ministeriums gebaut werden. — Jndeß ist dies noch eine Kleinigkeit gegen die Beschlüsse des Stadraths von Jassy vom 3. und 22. August, durch welche, wie man vom 3. October schreibt, in der Erneuerung eines Verbotes vom Jahre 1741 von jetzt ab christliche Diener und Ammen in jüdischen Häusern, und jüdische in christlichen Häusern, nicht mehr dürfen gehalten werden, ohne daß die gesetzliche Bestrafung erfolge. Bonn, 27. Oct. Wir erhalten von der Alliance isr. univ. die folgende Mittheilung, welche auch in den Pariser Blättern ausgenommen worden. Wir bitten Sie, Ihr Blatt den trostlosen Nachrichten zu öffnen, welche uns von Rumänien zugekommen. Am 3. October fand ein Israelit, der seit 24 Jahren in Placinta als Pächter des Fürsten Rupoli wohnte. als er in sein Dorf zurückkam, die Thür seines Hauses unter Siegel.' Der herbeigerufene Bürgermeister erklärte ihm, daß er den ausdrücklichen Befehl habe, keinen Juden in seinem Dorfe zu dulden. - An den folgenden Tagen wurde in dem Distrikte Coourlin, auf Befehl des Präfekten Lupaschko, dieses Präfekten, dem die Consuln aller europäischen Mächte die furchtbare Ersäufung von Galacz zuschreiben, eine Razzia auf die Israeliten gehalten. Er durchreist die Provinz und leitet diese Akte der Barbarei. Unter diesen vertriebenen Israeliten sind österreichische Untcrthanen, ein französischer Protegs; die Consuln von Frankeich, England und Oesterreich haben reklamirt. Diese unglücklichen, aus ihren Dörfern Vertriebenen besitzen kleine Vermögen, die sie der Gnade der Bauern überlassen müssen. Am 7. October war die Zahl der aus ihren Dörfern vertriebenen Familien 73. Folgende ist die Liste des Distrikts Coourlin, von wo die Israeliten vertrieben worden: Smutz, 9 Familien; Verletz, 3; Krojesti, 8; Küken, 3; Maxinen, 3; Kisk, 4; Serdar, 1; Kudeleka 13; Mosk, 4; Fortirnesti, 4; Binassi, 1; Balen, 4 Familien, Eigenthum des Fürsten Cantacuzeno; Doiketz, 4, Eigenthum von Saili; Criftei, 2, Eigenthum von Codran; Placinta, 2, Eigenthum von Muspoli; Varnis 1, Eigenthum von Taki; Mousine, 2, Eigenthum von Alexander Christodoro; Korne, 1, Eigenthum von Malana; Orlest, 1, Eigenthum von Doktor Lafari; Putitoj, 1, Eigenthum von Rosetti. — Im Ganzen 73 Familien. Am 11. zählte man 102 Familienväter mit ihren Frauen und 285 Kindern, die vertrieben worden. Diese Unglücklichen werden ohne Mitleid verjagt und ausgeplündert. Ihr Elend ist herzzerreißend. Genehmigen Sie rc. Im Namen des Central-Comitss der Alliance israelite universelle. Der Sekretair, L. Nordmann. ' Wird man, diesen genauen und detaillirten Angaben gegenüber, auch noch behaupten, daß man sich Uebertreibungen schuldig mache? Man sieht also, daß bei der Regierung des Fürsten Carl, sowenig wie bei der des Papstes die Jnterventton der Großmächte etwas hilft.