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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-11-05 · Heft 45 (5.11.1867) · p. Seite 899

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 45 (5.11.1867)
Date
1867-11-05
Page
Seite 899 (sequence 11)
Language
German
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899 chenden Gedächtnißrede stattfinden wird, versteht jsich von selbst. — Von der Mittagsstunde an herrschte in den, dem jüdischen Badhvse und der Alt-Neuschule benachbarten Gassen eine daselbst au Werktagen nicht gewöhnliche Ruhe und Stille, die sonst lebhaft verkehrenden Gruppen, heute zumeist aus Männern in feiertäglicher dunkler Kleidung bestehend, bewahrten eine ernste, ruhige Haltung; da erblickte man jene gebückten Greisengestalten mit langherabwallenden weißen Locken in strenger alterthümlicher Tracht, die sonst nur selten aus ihren Studierstuben in das Gewühl der Straße hinaustreten; an dem grauen Gemäuer der Altneuschule lehnte eine Reihe polnischer Juden mit Pelzmütze und Kaftan, stundenlang in bewegungsloser Haltung den Leichenzng erwartend. Mitglieder der Beerdigungsbrüderschaft gingen mit Sanrmelbüchsen durch die Straßen, von allen Seiten die Gaben in Empfang nehmend, welche auch dürftige Leute bereitwillig und unaufgefordert darreichten lind welche von Frauen und Kindern zahlreich aus den Häusern zugctrageu wurden. Alles ging aber unter sorgfältiger Stille und ohne ein lautes Wort vor sich. Nur ein tiefes Summen ging durch die Menge hin und her, die nach 2 Uhr bereits dichtgedrängt die engen und und winkeligen Gäßchen und die sogenannte „breite" Gasse erfüllte. Wenn an einer Stelle die Ordner, um Raum zu schaffen, etwas lauter wurden, wurde sogleich zur Ruhe und Ordnung gerufen. Zum Unterschiede von sonstigen Ansammlungen auf öffentlicher Straße war hier fast keine Frau unter der Menge zu sehen. Im Trauerhause wurden unterdessen die letzten Gebete bei der Leiche verrichtet, wobei Herr Religionslehrer Adler eine alle Anwesenden tief ergreifende Rede hielt. Um */-23 Uhr wurde der Sarg, mit schwarzem Tuch umhüllt, auf einer Bahre von zahlreichen Trägern, die einander mehrmals ablösten, zu dem Badhofe und von da an der Alt-Neuschule vorbei in die „breite Gasse" getragen, wo der sechsspännige, jedes Schmuckes entbehrende und nur schwarz drappirte Leichenwagen seiner harrte. Es waren jetzt alle Verkaufsläden und Geschäftslocale in den Straßen der Josephsstadt, durch welche der Zug gehen sollte, gesperrt worden; dies geschah ohne vorangegangene Anordnung und durch stillschweigendes Uebereinkommen. Als der Sarg herangetragen wurde, schlossen sich auch alle bisher offenen Fenster. Das Leichenbegängnis soll kein Schauspiel abgeben. Wo der Sarg vorüberkam, ertönten aus der Menge in dumpfem Gemurmel die Leichengebete. Nachdem der Sarg in den Wagen gehoben worden lvar, setzte sich der Zug, an dessen Spitze die jüdischen Schüler aller hiesigen öffentlichen und Privatschnlen, auch viele Universitätshörer gingen, durch die breite Gasse und Geistgasse in Bewegung. Vor dem Leichenwagen und zu dessen Seiten schritten Mitglieder der Beerdigungsbrnderschaft; Fackeln oder Lichter wurden nicht getragen, da dies dem durch das alte Herkoinmen geheiligten Brauche widerspricht, welcher fordert, daß bei keiner Beerdigung etwas dieselbe vor anderen Auszeichnendes vorkomme. Dem Wagen folgten nächst den leidtragenden Anverwandten, dem Sohne und mehreren Enkeln, die Rabbiner und Prediger der Prager Judengemeinde, die Herren Freund und Prof. Di'. Kämpf, die Deputation der Wiener Gemeinde, bestehend aus den Herren Rabbiner Horwitz und Prediger Di. Jellinek, die Prediger der Prager Synagogen und die böhmischen Kreisrabbiner Herren Kohn und Haller, alle in ihren Ornaten, aber nur Rabbiner Freund mit der alterthümlicheu Pelzmütze auf dem Haupte; dann die Repräsentanz der Prager Cnltusgemeinden, die Repräsentanz der Landesjudenschaft und Deputationen der Gemeinden Smichow, Karolinenthal, Pilsen, Brandeis, Gitschin, Turnau, Kolin, Raudnitz und Beneschau, Vertreter der verschiedenen Wohlthätigkeitsvereine und Mitglieder der Gemeinde in langgestrecktem Zuge. Am altstädter Ringe schloßen sich der Cultusgemeinde-Repräsentanz der Bürgerin. Hr. De. Ritter v. Bclsky, dessen Stellvertreter Hr. Stadtrath Hulesch und Hr. Stadtrath Hainz als Vertreter des Prager Gemeinderathes an, die Statthalterei war durch Herrn Statthaltereirath Klingler vertreten, außerdem waren Herr Superintendent Benesch und Herr Pastor Martius, Herr Professor Dr. Höfler, Herr Bibliothekar Hanusch und A. m. erschienen. Fast eine Stunde dauerte es, bis der Zug, der inmitten einer zahlreich herbeigeströmten Menge seinen Weg nur sehr langsam durch die Eisengasse, Bergmannsgasse und jiber den Graben und Roßmarkt fortsetzen konnte, das Roßthor erreicht hatte. Eine lange Reihe von Wagen, darunter sehr viele Privatequipagen, war dem Zuge gefolgt. Eine große Menschenmenge, worunter sehr viele Frauen, folgten der Leiche bis auf den Friedhof. Es war eigentlich bestimmt gewesen, daß bei der großen Anzahl der Redner, welche sich gemeldet hatten, we- 45* ■Haaa&H

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