Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1867)
- Date
- 1867-11-05
- Page
- Seite 892 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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! ordneten Untersuchung, die sich bis in das Eigenthum und die Gewerbsverhältniffe aller Individuen hineinerstrecken soll, ganz andere Beweggründe unterzuschieben als blos die gesetzliche Besteuerung und Rekrutirung, und jedenfalls von dem durch dieses Cirkulair angeregten Geiste bei weniger gewissenhaften Unterbehörden sehr eigenthümliche Berichte erwarten. Darin werden wir durch die Lobpreisungen bestärkt, welche Blätter, deren judenfeindliche Haltung notorisch ist, diesem Cirkulair spenden, wie z. B. die Moskwa. — Auf auch anderweitig bekanntem Gebiete befinden wir uns dagegen bei der Darlegung der Maßregeln, welche ergriffen werden sollen, um die Minderheit der christlichen Bevölkerung vor der Mehrzahl der Juden zu schützen. Dergleichen bestehen auch noch in den galizischen Städten, und sind erst vor noch nicht zwei Jahrzehenden aus der preußischen Städteordnung gestrichen. Sie beruhen auf Vorurtheilen, die wir der Zeit zu zerstreuen überlassen müssen, wenn der Geist der Gerechtigkeit und der gegenseitigen Achtung auch dahin gedrungen sein wird, wo jene Vorurtheile noch vorhanden sind, und immer von Neuem so traurige Erzeugnisse Hervorbringen, wie dieses Cirkulair. Wir wiederholen noch einmal: wir stimmmen ganz damit überein, daß die Juden denselben Steuereinrichtungen, derselben Rekrutirungsweise wie die christliche Bevölkerung unterzogen werden — aber niemals werden wir es ruhig ansehen, wenn eine Fluth von Beschimpfungen über unsere Glaubensgenossen ergossen wird, wenn man ihre Synagogen, ihre Spitäler, Hospicen u. s. w., die sie aus eigenen Mitteln erhalten, mit scheelen Augen ansieht, wenn man in die Häuser der Individuen dringt, um die Verhältnisse derselben den inquisitorischen Augen von Unterbeamten zu überlassen. Von dem Herrn Generalgouverneur kommen wir zu dem Herrn Bürgermeister von Mitau. (Fortsetzung folgt.) Die Mortarafälle in Gallien. Wir verfolgen den Verlauf dieser Angelegenheit. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 21. October lin welcher, beiläufig gesagt, allein 45 Petitionen für Aufhebung des Conkordats einliefen) äußerte sich der Präsident: Mir ist folgende Interpellation des Abgeordneteu Dr. v. Mühlfeld und Genossen übergeben worden. Schriftführer R. v. Kotz liest: „Die Unterzeichneten stellen an Ihre Excellenzen die Herren Minister der Justiz und des Inneren die Anfrage: Ist Sarah Chaje Radamski aus dem Benedictiner-Nonnenkloster in Lemberg bereits entlassen, oder wie weit sind die hierauf bezüglichen Schritte eingeleitet und geführt worden?" Mühlfeld, Banhans, Plankensteiner, Weichs, Perger, Figuly, Mayr rc. re Präsident: Es ist folgendes Telegramm aus Lemberg eingelaufen: „Hohes Präsidium des Abgeordnetenhauses! Meine vierzehnjährige Tochter Chaje Lea ist mir in das hiesige Benedictiner-Kloster entlaufen. Alle Bitten, sie herauszugeben, waren vergebens. Wurde mir das Sprechen nur durch die Scheidewand gestattet. Bitte um Befreiung, allenfalls Erlaubniß sprechen zu dürfen ohne Scheidewand. Bitte dringend. Jonas Freund." Ein gleiches Telegramm ist an Herrn Dr. Mühlfeld eingelaufen, der dasselbe als Petition überreicht hat. Dr. Mühlfeld stellt den Antrag, das als Petition zu behandelnde Telegramm dem Petitions-Ausschuß zur schleunigen Berichterstattung zuzuweisen. Es ist dies der dritte Fall, wo ein Kloster bestrebt ist, in einer nicht zu billigenden Art und Weise Proselyten zu machen, und wenn man die Fälle in das Auge faßt', so zeigt sich eine Benehmungsweise, welche aller Wahrscheinlichkeit nach methodisch geübt wird, und darum erscheine es angezeigt, dem Petitions-Ausschüsse den Auftrag zu geben, die Sache nach dieser allgemeinen Richtung zu betrachten, namentlich mit Rücksicht auf jenes Gesetz, das diesem Vorgehen zum Deckmantel dienen soll. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Justizminister v. Hye: Ich bin in der Lage, diese Interpellation sofort beantworten zu können, denn der urgirte Bericht des Statthalters in dieser Angelegenheit ist bereits angelangt. Derselbe lautet: „Im Nachtrage zu meinem Telegramm vom! 7. d. M. beehre ich mich anzuzeigen, daß ich im Wege weiterer Verhandlung in Betreff der im Kloster befindlichen Chaje Sarah Radamski die protocollarische Vernehmung derselben über den eigentlichen Grund ihrer Entweichung aus dem väterlichen Hause veranlaßt habe und dieselbe zugleich über ihren Wunsch, in das väterliche Haus zu-. r (< ei f< d b e e v st 5' £ fl 3 d e i' 9 f> l n r § s f s $ § c f l ( c i