Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1867)
- Date
- 1867-10-29
- Page
- Seite 884 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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884 geschehen keine Wunder mehr — und der nüchterne Geist der amcrik. Jugend wird den Bcrwesungsgeruch cmpfinden und die Aussonderung vornehmen. Habe ich in diesem mehr meine eigenen Ansichten ausgesprochen, die ich durch Erfahrung gerechtfertigt finde, so soll es mein Bestreben sein, im Nächsten die Schattirungen der Parteien zu zeichnen. E. Tripolis. Paris, 5. Octobcr. Der Moniteur vom heutigen Tage berichtet: Wir erfahren, daß die israelitische Gemeinde von Tripolis eine vollkommene Satisfaktion für die Entweihung und den Brand der Synagoge von Zcliten erhalten haben. Eine Entschädigung von 7<j,ooo Piastern ist zum Wiederbau des Tempels bewilligt tvorden, und hinsichtlich der Bestrafung der Schuldigen und der Sicherheit der Israeliten werden energische Blaßregeln getroffen iverden. Dieses Resultat muß größtentheils der Verwendung des französischen Generalconsulats zugcschrieben werden, bei welchem die Israeliten den Schutz gefunden haben, welchen ihre Glaubensgenossen stets bei den Vertretern der sranz. Regierung gefunden haben. Correfpondenz. Monatsberichte aus Angarn. III. Neu-Verbaß, AnfangOctober 1807. Am 30. September trat der Reichstag wieder zusammen. Natürlich glaubte man allgemein, daß — den mehrmaligen bündigsten Erklärungen gemäß, vor Allein die Nationalitäten- und Emancipationsfrage verhandelt werden würde; aber leider wird von der Regierung wieder eine Verschleppung dieser Angelegenheit ins Werk gesetzt. Der Ministerpräsident Graf Andrüssy trat nämlich in der Sitzung vom 6. d. M. mit einer Erklärung vor das Unterhaus, deren essentieller Inhalt folgender ist: „Bor der Unterbrechung der Sitzungen, zu Anfang Juli l. I., erklärte die Regierung, sie werde bei dem Wiederzusammentritte des Hauses vor Allem jene Gesetzentwürfe unterbreiten, die sich auf die Nationalitäten, auf die Religionsangelegenheiten und die Union Siebenbürgens beziehen. Die Negierung ist nun genöthiget, von dieser Reihenfolge abzuweichen, und damit es nicht scheine, als wolle sie die Erledigung dieser hochwichtigen Fragen hinausschieben, will sie den Grund ihres Abweichens von der obigen Reihenfolge angeben, und liegt dieser Grund darin, daß die Regierung und auch der Reichstag gar nicht die Absicht hatten, und auch nicht haben konnten, die Sitzungen vor Ende Noveinber wieder zu beginnen, indem die endgiltigeu Vorarbeiten vieler hochwichtigen Fragen auf früher nicht einmal versprochen werden konnten. Indessen hat der Reichstagsbeschluß v. 1. Juli es der Regierung zur Pflicht gemacht, sobald es ihr gelungen sein werde, ein Anlehen zum Ausbau des Eisenbahnnetzes zu erhalten, sofort den Reichstag einzuberufeu; ebenso. wenn die in Angelegenheit der Reichssteuerquote und der Staatsschulden exmittirte Deputation ihr Operat vollendet haben werde, damit noch in diesem Jahre das verfassungsmäßige Budget vor das Haus gelange. Aus diesen Gründen wurde der Reichstag jetzt einberufen, und die Negierung bittet, das Haus wolle die jetzige Einberufung als ein ad hoc geschehen betrachten. Uebrigens werde das Haus zu entscheiden haben, ob es jene Gegenstände' (nämlich die Emancipationsfrage rc. Corresp.) etwa inzwischen in den Sektionen verhandeln will, indem dieselben zur Berathung fertig liegen. Die Regierung wird dann in jedem Falle an der bereits gezeichneten Reihenfolge festhalten." Den Grad der Bereitwilligkeit des Herrn Premierministers zur Votirung der Gleichberechtigung kennt man schon von früher, wird aber auch der Reichstag die abermalige Verzögerung billigen? Der „Pester Lloyd" nennt diese Erklärung des Grafen Andrässy eine gezwungene und fragt, ob denn die Regierung etwa hinsichtlich des Principes, das sie dem diesbezüglichen längst verheißenen Elaborate zur Unterlage geben soll, noch nicht im Reinen ist. „Fürwahr," fährt das genannte Journal fort, „wer die Geschichte der Emancipation der ungar. Juden schreiben wird, dürfte ein hartes Stück Arbeit haben, will er die ruhige Objektivität des Historikers beibehalten und die Feder des Geschichtsschreibers nicht mit derjenigen des Satyrikers vertauschen. Des Vergleichs mit dem übrigen gesitteten Europa muß er sich schon a priori ganz und gar entschlagen, wir würden sonst in einer etwas zu grellen Beleuchtung erscheinen."