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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-29 · Heft 44 (29.10.1867) · p. Seite 883

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 44 (29.10.1867)
Date
1867-10-29
Page
Seite 883 (sequence 15)
Language
German
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883 Christen das Gotteshaus besucht hatten, eine Rede in englischer Sprache, die beifällige Aufnahme fand. Der Redner meinte, das anspruchlose, bescheidene jüdische Gotteshaus in Ligonier überrage bedeutend die stolzen Dome in Rom, Cöln', London und anderwärts — nicht an Größe und Pracht und architektonischer Schönheit, wohl aber an Vernünftigkeit, Schöne und Herrlichkeit der darin gepredigten Lehren, und anknüpfend hieran, legte er dem anwesenden Publikum die Hauptunterscheidungslehren zwischen Judenthum und Christenthum dar, scharf und doch mild, entschieden und doch freundlich und versöhnlich. Es hat dieser Vortrag auch bei den christlichen Zuhörern einen recht guten Eindruck hinterlassen." Aus dem Westen Amerikas, im Sept. iPrivatnritth. Anschließend an meine Corresp. vom 18. Juli, sei es nun meine Aufgabe die wahrscheinliche Zukunft des amerik. Judenthums zu skizziren. Die Zukunft des ganzen Judenthums schlummert in den Gemüthern unserer Kinder, und wie diese gebildet werden, so wird sich auch der Gottesglaube der Zukunft gestalten. Es muß in der Gesellschaft der Grundsatz auf gestellt und verfolgt werden, daß Alles was tobt ist, entfernt werde, und zwar so bald als möglich, denn der Verwesungsgeruch theilt sich dem Lebenden niit, und tödtet, was noch erhalten werden könnte. Lassen Sie mich hier eine gemachte Erfahrung ausstellen, um das Gesagte zu illustriren: Der Glaube an eine Wiederherstellung eines jüdischen Reiches und des Opfercultus ist abgestorben, anstatt aber der Erde zu geben, was der Erde gehört, folgte man den Gewohnheiten der alten Egypter, die bei festlichen Gelagen ihre Tobten schmückten und den Lebenden zur Seite aufstellten; und so theilte sich die Verwesung dem Lebendigen mit und steckte auch dies an. Der bitterste Kampf im Judenthum hat sich daraus entwickelt, und dieser Gebrauch, das Tobte immer noch als lebend zu betrachten, hat eine Spaltung in Israel hervorgerufen, die noch sehr lange mit Bitterkeit aufrecht erhalten wird. Was ich hier sage, gilt hauptsächlich den inneren Zuständen. Wo ist die Hülfe zu suchen? Zwei gewaltige Parteien versprechen Rettung, die eine, indem sie den Blick nach der Zukunft lenkt, die andere, indem sie das Auge der Vergangenheit jzuwendet; daß eine Verwirrung dadurch entsteht, ist selbstverständlich. Wenn ich aber als amerik. Jude meine Ueberzeugung ausspreche, so ist es die, daß die Partei der Zukunft den Sieg erringt, und in ihr die Zukunft Israels zu finden ist. Der Weg, der zu diesem Zwecke angebahnt, ist der richtige, er führt durch die Herzen der Kinder, die Schulen sind die Pflanzschulen der wahren Reform, der geläuterten Religiosität. Daß jedoch noch viele Schwierigkeiten zu überwinden sind, ist sicher, eine von diesen ist das Bedürfniß nach Lehrern, die hier erzogen, nicht allein der Sprache des Landes mächtig, sondern auch den Regungen des Landes Rechnung tragen; es war von jeher in den hiesigen Schulen eiu Fehler, die jüdischen Kinder germanisiren zu wollen, es war besonders der Religionsunterricht, der darunter litt, denn gerade dieser muß in einer Sprache geführt werden, die dem Kinde zu Herzen dringt und das ist keinesfalls die deutsche. Die Heimath des Israeliten ist die Welt und von unseren alten Rabbinen sollten unsere heutigen Lehrer lernen: zmrr 822 nn ata imp Hat dieser Satz für das Gebet Gültigkeit, so noch tausendmal mehr für den Unterricht in der Religion, der Basis des Gebetes und des ganzen Judenthums. Dank sei es den Bestrebungen tüchtiger Männer — man hat dies eingesehen, und Amerika wird bald seine Lehrer und Rabbiner selbst ausbilden und so wie wir, die Erwachsenen, heute amerikanische Bürger, aber deutsche Inden sind, so werden unsere Kinder amerik. Bürger und amerik. Juden werden, und die Zukunft des Judenthums wird sicher in ihren Händen ruhen. Man macht dem amerik. Judenthum zum Borwurf, daß es leichtsinnig alles abwcrfe, und ich selbst habe — in so fern es die Heilighaltung des Sabbaths betrifft — dies Wort ausgesprochen, allein was heute unter diesem Namen geht, ist nicht ein amerikanisches Judenthum, sondern der deutsche Jude. Hierin liegt die Arbeit der Grundlegung für die Zukunft; und mit Vergnügen sehen wir die Fortschritte, welche die Reformpartei in ihrem Baue macht, die Aussonderung alles Todten und die Erhaltung des Lebendigen, die Heilighaltung des Sabbaths als ersten Grundstein benutzend. Aber auch die andere Fraction beginnt Lebenssymptome zu zeigen, nur schade, daß sie mit aller Macht das Abgestorbene wieder beleben wollen — aber es

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