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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-29 · Heft 44 (29.10.1867) · p. Seite 882

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 44 (29.10.1867)
Date
1867-10-29
Page
Seite 882 (sequence 14)
Language
German
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882 Bukarest, im Oct. (Privatmitth). Wenn noch ein Zweifel besteht, daß unverändert die Verfolgung der Juden in Rumänien noch immer an der Tagesordnung ist und mit jedem Augenblicke zu den traurigsten Vorgängen veranlassen kann, so giebt die hies. Presse die schlagendsten Beweise dafür. Es liegen uns die jüngsten Nummern eines hier seit drei Jahren in rumänischer und in französischer Sprache zugleich erscheinenden Wochenblattes (das übrigens vom October ab zweimal die Woche erscheint) vor. Sie reichen bis zum 4. October. Der Redacteur dieses Blattes, „rEdio Danubien,“ Herr S. Carmelin, befleißigt sich der Unparteilichkeit, und darum ist es doch seiner Begeisterung für die rumänische Nationalität möglich, die Scheußlichkeit,- die sich in dem Verfahren gegen die Juden bethätigt, mit dem rechten Namen zu benennen. Er bezüchtigt laut die radikale Partei, systematisch das Volk gegen die Juden aufzuhetzen, alle Fabeln des Mittelalters zu diesem Zwecke aufzufrischen und dem Volke zu insinuiren, daß die Juden das Volk zu ihrem Nutzen ausbeuteten. Man faßt also die Masse an allen ihren schwachen Seiten, am Fanatismus, am Eigennutz und an der Furcht an, und da hat man dann in der That leichtes Spiel. Als den eigentlichen Zweck aller dieser schändlichen Manoeuvres bezeichnet das genannte Blatt die Sucht, sich in der populären Gunst zu erhalten, denn da alle Verheißungen der Radikalen sich dem Volke noch gerade als Täuschung erweisen, muß man nach anderen Hebeln greifen, um sich dem Volke als Vertheidiger seiner Interessen zu insinuiren. Wir werden auf einzelne Auslassungen dieses Blattes zurückkommen und halten es für sehr nothwendig, immer wieder auf diese Zustände aufmerksam zu machen, damit die Wachsamkeit unserer westlichen Glaubensbrüder nicht abgeschwächt werde, die Meinung sich nicht verbreite, als ob sich hier etwas gebessert habe, oder gar daß die Berichte von hier übertrieben seien, wie von Negierungsseite behauptet worden. Frankreich. Paris, 17. October. Daß Achille Fould am 5. d. verstorben und am 14. beerdigt worden ist, melden tvir erst heute, weil die Fama völlig ungewiß darüber war, ob er als Jude oder nicht als Jude gestorben. Es ist nun jetzt ausgemacht, daß er Jude geblieben, seine Frau und Kinder aber Protestanten wurden. Seine Frau bestand nun dennoch darauf,' daß er als Protestant beerdigt werde, und die jüdische Geistlichkeit hatte Einsicht genug, „nicht zu reklamiren, um Skandal zu vermeiden." So schreiben die Blätter. Fould war also auf dem religiösen Gebiete eben eine solche Wetterfahne, wie auf dem politischen. Denn er diente nach einander der Julimonarchie, der Republik, dem Präsidenten und dem Kaiser, immer mit „Hingebung," die freilich auch eine „Entgegennahme" bedeutete. Eine Biographie zu geben, sind wir überhoben, da wir eine solche erst im Feuilleton Nr. 17 in der „Gallerie von Abgeordneten jüdischen Glaubens" gegeben haben. —. Abermals ist ein Israelit zum Bürgermeister erwählt worden, nämlich Herr Louis Halphen iu Saint Desir de Lisieux (Calvados). — Nach der letzten Zählung hat sich die eingeborene jüdische Bevölkerung Algeriens von 28,097 Seelen zu 33,952 erhoben. — Amerika. New-Aork, 27. Scpt. Der „Hebe. Lead.“ erzählt von der Einweihung eines kleinen Tempels im Staate Indiana, die durch die Umstände etwas Ergreifendes hat, und theilen wir deshalb den Anfang des Berichtes mit. „Etwa 125 Meilen östlich von Chicago liegt ein freundliches Landstädtchen, das den Namen Ligonier trägt. In diesem Orte siedelten sich im Laufe der letzten Jahre etwa 12—15 israel. Familien an, die vor Kurzem zu einer Gemeinde unter dem Namen „Ahabath Schalom" sich organisirten und mit anerkennenswerther Opferfreueigkeit ein recht nettes Gotteshaus errichteten, das sie sogar u. A. mit einem Melodion ausstatteten. Am 20. September wurde das Gotteshaus eingeweiht und der Tag der Tempelweihe war für Ligonier ein großer Fest- und Freudentag. Eine verhältnißmäßig sehr große Anzahl von in der Umgegend wohnenden Israeliten wie auch zahlreiche Christen nahmen freundlichen und nachbarlichen Antheil am Feste. Di-, Felsenthal von Chicago hatte der Einladung, die Weihepredigt zu halten, entsprochen, und hielt am Freitag Abend, da so viele amerikanische

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