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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-29 · Heft 44 (29.10.1867) · p. Seite 881

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 44 (29.10.1867)
Date
1867-10-29
Page
Seite 881 (sequence 13)
Language
German
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881 sie eher, wie ich höre, ein Hemmschuh, und sie, die — wie ich vernehme — den Sabbath nicht feiern u. f. w., sind die eifrigsten Vcrtheidiger des orthodoxen Judenthums. Muß doch in Wien noch dafür gekämpft werden, daß ein deutsches Lied beim Gottesdienst für die Jugend abgesungen werde, was bei uns hier seit Jahren eingeführt ist. Und so ist unsere Orthodoxie Trug und Täuschung und Heuchelei. Es wird nicht nach wissenschaftlichen Principien reformirt, aber das Leben reformirt, und zwar in einer Weise, wie es vernünftigen Reformfreunden nicht angenehm ist. Das Projcct des Herrn l)r. Hildesheimer, der sich » wnt prix ein Kol wissen will, einen nmu 'nmiD Verein zu begründen, macht darum auf mich einen komischen Eindruck. Es wunderte mich, daß einige Journale glaubten, ernstlich gegen dasselbe ankämpfen zu sollen. Jemand, der für Bezahlung den Sabbath hält, der hat schon längst aufgehört ein frommer Jude zu sein. Unwillkührlich erinnert mich das an einen Verein, den fromme Christen errichteten, junge Mädchen mit Geld zu unterstützen, um sie vor sittlichem Verfalle zu bewahren. Man hat jedoch nicht gehört, trotzdem viele Mädchen das Geld annahmen, daß die Sittlichkeit dadurch ersetzt sei, und wird sogar behauptet, daß die Zahl der filie ben mcrite stets zunehme. Aus Böhmen, 25. Sept. (Eine Stimme ans dem Volke.) Ein Agent des „Instituts zur Förderung der israel. Literatur" in einem, Böhmen nahen Lande erhielt einen Brief und sandte ihn uns zu, der zu charakteristisch und — leider! zu treffend ist, als daß wir eine solche Auslassung einmal nicht geben sollten, wobei wir allerdings bemerken/ daß der Brief wohl nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt war, weshalb wir nur die Initialen hersetzen. Geehrtester Herr N. H.ch, 21. September. Hiemit erlaube ich mir das höfl. Ersuchen an Euer Wohlgeboren zu richten für mich Bestellung auf drei Exemplare „Schriften des «jüdischen Literaturvereins" zu machen, zu welchem Behufe ich 6 Thlr. pr. Crt. hier beifüge. Noch erlaube ich mir zu bemerken, daß wie Euer Wohlgeboren nicht unbekannt sein dürfte, der Bcstellungstermin mit Ende dieses Monates abläuft, was Sie gütigst berücksichtigen wollen. Daß ich gleichsam vor Thorschluß mich mit diesem Ersuchen an Sie wende, kommt daher, daß der Prager Agent mir erst jetzt anzeigt, er habe die Agentur aufgcgebcn. Einen andern Agenten mir namhaft zu machen hat Hr. Ehrmann unterlassen, wahrscheinlich findet sich unter den Tausenden Prager Israeliten, den Gelehrten, so wie den Ungelehrten, keiner, der so viel Zeit übrig hat oder es der Mühe Werth hielte, dieses allerdings wenig einträgliche Amt zu versehen. Zumal was die gelehrten Herrn anbelangt, mögen dieselben am liebsten sich selber und ihre Schriften gehört und gelesen wissen. Wozu auch dem Beispiele der christlichen Collegen in dieser Beziehung Nachfolgen, liegt doch in unserer Religion so viel überzeugende und läuternde Kraft, daß es als rein überflüssig erscheint (?) sich für Förderung des jüdischen Literaturvereins irgendwie zu bemühen! Wenn sich die Trägheit dieser Herrn nicht hiemit entschuldigen läßt, so sind dies schwere Unterlassungssünden. Ist aber der hier ausgesprochene Borwurf ein gerechter, dann trifft er vielleicht nicht Prag allein, sondern in derselben Weise Berlin*) rc. rc. Hochachtungsvoll und ergebenst I. M., Fabrikant. D o u a u f ü v st e it t h u nt c r. Bukarest, im Octobcr. Der hier verstorbene Jakob Löbl, dessen Verdienste auch in diesem Blatte gewürdigt worden, hat testamentarisch an 15000 Thlrn. für wohlthätige Anstalten hintcrlassen. Der größere Theil der Legate ist für hiesige jüdische Anstalten und solche zu Kronstadt in Siebenbürgen bestimmt. Das Hauptlcgat von 7000 Thlrn. zur Unterstützung jüdischer Studirendeu, eines von 1000 Thlrn. zur Bekleidung armer Nationalgardisten von Bukarest, (Nach den Arcli. isr.) *) Der Herr Briefsteller hat sich hierbei wohl im Namen geirrt, indem er Berlin statt Wien schrieb. Denn obschon auch in den großen Preußischen Gemeinden die s. g. „Gelehrten" es durchaus nicht sind, welche für das Institut wirken, so haben wir doch dort immer noch ein intelligentes, anch für das Jndenthum noch interessirtes Publikum, das aber in den österreichischen ganz zu fehlen scheint. Berlin hat 135 Abonnenten, Breslau 90, Posen 65 Königsberg 35 — aber Prag 7, sage sieben, Pest 5, sage fünf, Wien —??? Redaktion.

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