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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-29 · Heft 44 (29.10.1867) · p. Seite 878

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 44 (29.10.1867)
Date
1867-10-29
Page
Seite 878 (sequence 10)
Language
German
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878 fachen Weise uns darüber belehrt, daß die Habseligkei- Len dem Vater zurückgegeben wurden. Es ist anerkannt, daß das Kind sie entwendete, daß es sie mit ins Kloster nahm, und daß sie erst zurückgegeben werden mußten. Wissen Sie, meine Herren, als was sich das, unter der Voraussetzung, daß das Kloster nicht nur das Kind, sondern auch die Sachen, die es mit sich brachte, anschaute, vor der Hand des Strafgesetzes darstellte? Als Diebs hehl er ei! sGroße Heiterkeit links.) Abg. Schindler: Was die Zurechtweisung betrifft, welche ich von der gegnerischen Seite erhalten habe, so muß ich sie mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Nicht nur, daß die Jesuiten in dem damaligen Königreiche Polen Zuflucht gefunden haben, auch in Oesterreichisch-Galizien haben sie vor allen anderen Provinzen Zuflucht gefunden und haben damals die philosophische Lehranstalt in Tarnopol gegründet, und das ist wahr, und wenn auch Schwertlein und seine mehr geschwätzige als gelehrte Garde noch lebten! (Große Heiterkeit.) Abg. Freiherr v. Pratobevera: Es ist leider das zweitemal, daß ich in diesem Hause einer Anschauung entgegentrete, die ein geehrter Abgeordneter (Dr. v. Mühlfeld) vertritt, mit dessen Redegewalt zu messen ich mir nicht anmaße. Aber Eines nmß ich ihm auch zum zweitenmale erwidern, weil es zum Zweitenmale wiedergekehrt. Er sagt <den Tonfall und die Redeweise des Di-. Mühlfeld parodirend): „Nehmen Sie den Antrag des Petitionsausschusses an, nur in diesem liegt Kraft und Muth!" i Lebhafte Unruhe, Zeichen des Mißfallens auf der Galerie.) Ich frage: Liegt darin keine Kraft und kein Muth, wenn man dem Hause anräth, sich seine Competenz gegenwärtig zu halten und von der Regierung zu fordern, daß sie mit aller Energie unverweilt Abhilfe treffe? Worin unterscheidet sich dieser Antrag von dem des Petitionsausschusses? Daß er sagt: „Gebt dem Vater das Kind zurück." Ich glaube, die einzig mögliche Abhilfe liegt eben im Zurückgeben, und da ich der Regierung nicht spezifische Maßregeln vorschreiben, sondern im Allgemeinen die Abhilfe zur Pflicht machen wollte, so stellte ich meinen Antrag. Ich verbitte mir also für die Zukunft ähn- ( liche Angriffe. Ich glaube, meine Anträge beruhen ebenso auf Kraft und Muth, wenn ich sie auch nicht so herausschreien kann, wie der Vorredner. (Ungeheure Bewegung auf der Linken. Lebhaftes Zischen auf der Galerie. Beifall auf der Bank der Tiroler und der Polen. Die Unruhe währt einige Minuten. Der Präsident gebraucht die Glocke.) Präsident: Ich muß die Galerie ersuchen, sich jeder Beifalls- und Mißfallsäußerung zu enthalten, sonst wäre ich in der unangenehmen Lage, sie räumen lassen zu müssen. Abg. Dr. v. Mühlfeld (in heftiger Erregung): Ich bitte ums Wort zu einer persönlichen Bemerkung. (Die Unruhe dauert fort.) Präsident: Es gibt keine Debatte mehr, nur zu einer persönlichen Bemerkung ist nach der Gepflogenheit des Hauses noch das Wort gestattet. Herr v. Mühlfeld hat zu einer persönlichen Bemerkung das Wort. Abg. Dr. v. Mühlfeld: Ich bitte, daß das hohe Präsidium mir die Belehrung ertheile, ob ich mir diese Methode gegen mich mittels Parodien und Wiederholungen zu sprechen, gefallen lassen muß. Präsident: Es ist das Präsidium wol nicht in der Lage, Jemandem den Ton seiner Stimme vorzuschreiben und diesfalls auf ein gewisses Maß hinzudeuten, es ist aber ebensowenig in der Lage, wenn Jemand über die Heftigkeit des Tones sich verletzt fühlt, ihm zu wehren, in entsprechender Weise eine Abwehr vorzunehmen. Ich glaube, Herr Dr. v. Mühlfeld hatte nicht die Intention, das Haus gegen den Antrag des Herrn Baron Pratobevera einzuschüchtern, und ich glaube, Herr Pratobevera hatte nicht die Absicht, Herrn Dr. Mühlfeld damit zu beleidigen, i Beifall rechts und im Centrum. Es dauert lange, ehe sich die Aufregung legt.) Berichterstatter Dr. Figuly bemerkt, diese beiden sich entgegenstehenden Anträge haben dieselbe Tendenz und sind nur formell verschieden. Weder mit dem einen, noch mit dem anderen wird übrigens in die Executive der Regierung eingegriffen. Es wird zur Abstimmung geschritten und hiebei der Antrag des Abgeordneten Pratobevera mit 84 gegen 56 Stimmen angenommen. (Dafür die Polen, Tiroler, Slovenen, — mit Ausnahme Klun's — und ein großer Theil des Centrmns.)

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