Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1867)
- Date
- 1867-10-29
- Page
- Seite 876 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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einer Petition Erwähnung zu thun, die nur deshalb in das Haus nicht gekommen ist, weil zu dieser Zeit das Haus plötzlich aufgelöst wurde. Im Winter des Jahres 1865 hat mir ein Herr Moses Eisen eine Eingabe an den damaligen Staatsminister übersendet, in welcher erklärt wurde, daß sein Mädchen von dreizehn Jahren, welches eine Strafe im elterlichen Hause erfahren hätte, entwich. Die Eltern suchten das Kind lange Zeit vergebens, und endlich erhielten sie durch Zufall die Nachricht, daß es in einem Kloster in der Nähe von Bochnia sich befindet. Die Sache war wahrheitsgetreu erzählt. Der Staatsminister von damals erklärte, er würde sich dieser Angelegenheit annehmen, und in acht Tagen erhielt ich den Aufschluß, man habe angeordnet, jenes Kind, zu welchem der Vater nicht zugelassen wurde, als er ins Kloster trat, sei in die Lage zu versetzen, mit dem Vater verkehren zu können und den väterlichen Einfluß auf dasselbe auszuüben, indem das Kind auf vier Wochen in eine Privatwohnung gebracht und dem Vater gestattet werde, dasselbe täglich ein paar Stunden zu besuchen. Diese Ordre ist niemals Thatsache geworden. (Rufe links: hört! hört!) Ein untergeordneter Beamter, meine Herren , von einem Einflüsse geschützt, den ich nicht kenne, hcu den Befehl des Herrn Staatsministers vernichtet. (Bewegung links.) Ich bin auf wiederholtes drängendes Bitten dieses Moses Eisen zum ' Herrn Staatsminister gegangen, ich bemerkte aber, daß ich ihn mit meinem Drängen in Verlegenheit setzte. Ich habe nun ins Cultusministerium meine Schritte gerichtet, denn der Vater kam verzweiflungsvoll hieher, die Mutter, eine sehr exaltirte Frau, war dem Wahnsinn nahe. Im Cultusministerium war ein Seetiouschef, sehr wohlwollend, sehr freundlich und sehr entgegenkommend. Nichtsdestoweniger aber setzte ich auch diesen Herrn gar sehr in Verlegenheit, denn dieser Herr Seetiouschef hatte einen geistlichen Adlatus (Rufe: Hört!), desien Einfluß jedenfalls den seiuigen unterdrückte. Endlich nach vielem Her- und Hinrennen hörte ich von eingeweihten Personen des Cultusministeriums, um was es sich handle, und das bezieht sich auf das Gesetz, das eben verlesen wurde. Wenn nämlich das Kind im Alter von dreizehn Jahren getauft werden solle, so müßte dazu die Einwilligung des Landesfürsten eingehoben werden. Da nun ein solches Ansuchen von dem I Ministerium paralystrt worden wäre, so hat man gestrebt, das Kind so lange im Kloster eingesperrt zu halten, bis es das vierzehnte Jahr er eicht hat. (Rufe links: Hört! Hört! Schindler ruft: Colossal.) So stehen die Sachen in Galizien. Meine Herren! Daß hier mit Energie gehandelt werden müsse, daß im Geiste jenes erhabenen Schreibens, das wir heute öffentlich gelesen haben (lebhafter Beifall), von Seite des Ministeriums gehandelt werden müsse, das ist meine volle Ueberzeugung. Die katholische Kirche ist eine so großartige und mächtige Institution, daß Freunde, Anhänger und Gegner dieselbe bewundern. Jeden Tag erwirbt sie durch ihre Missionäre neue Bekenner im fremden Lande. Meine Herren! Ist es nothwendig, daß sie in den häuslichen Kreis der Familie eingreift, um ein armes Kind vom Herzen der Mutter zu reißen? Dies meine Herren ist weder im Geiste des Jahrhunderts, noch im Geiste der Humanität! Ich hoffe, daß es unserer Regierung endlich gelingen wird, energischer und durchgreifender zu handeln, als die ohnmächtige, die vor zwei Jahren an der Spitze gestanden ist. (Lebhafter Beifall links.) Justizmiuister v. Hye: Ich habe in diesem Augenblicke ein weiteres Telegramm (Heiterkeit) von dem Herrn Statthalter erhalten, aufgegeben 11 Uhr heute Vormittags. (Liest): „Statthalter von Galizien an Minister Hye. Taufaspirantin Chaje Sarah Radamski nach Entwendung von Geld und Effecten in das hiesige Beuedictinerkloster geflüchtet. Keine Jnzichten einer Entführung. — Polizei-Direction über Anzeige des Vaters sogleich eingeschritten, die entwendeten Effecten wurden vom Gericht gleich abgenommen, wegen Diebstahls Untersuchung im Zuge. Geburtsschein bisher nicht gefunden; nach dem Volkszählungsbuche geboren im Jahre 1848. Die Sistirung des Taufacts bereits veranlaßt. Die Erhebungen wegen Sicherstellung des Alters bereits eingeleitet; über analogen Fall in Biala nichts bekannt." Abg. Schindler: Wenn dem Herrn Statthalter Grafen Goluchowski über den Fall von Biala nichts bekannt ist, möchte ich in Erinnerung bringen, daß wir früher gehört haben, der Fall habe sich nicht in Biala, sondern in Tarnopol zugetragen. (Widerspruch rechts. — Justizminister v. Hye ruft: In den Zeitungen stand es so, ist aber nicht der Fall gewesen.) Uebrigens ist das Judenmädchen, über das wir sprechen, im officiellen Amts-