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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-22 · Heft 43 (22.10.1867) · p. Seite 858

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 43 (22.10.1867)
Date
1867-10-22
Page
Seite 858 (sequence 10)
Language
German
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858 Hervorrust, die zur Unkirchlichkeit und sogar zur Religionslosigkeit führt. Dies will aber der Clerus nicht eingestehen. In der Adresse der Kirchenfürsten werden Conkordat, Religion und Sittlichkeit als durchaus identisch dargestellt; jedes Wort gegen das Conkordat ist gleichbedeutend mit Atheismus, Unsittlichkeit und Umsturz. Dies verschweigen sie freilich, daß die gesammte transleithanische Geistlichkeit vom Conkordate nichts weiter wissen will und sich offen gegen dessen Gültigkeit oder Einführung in Ungarn und dessen Nebenländer verwahrt. Diese andere Hälfte des Reiches muß also sammt ihrem Clerus dem Atheismus, der Unsittlichkeit und dem Umsturz verfallen sein. Was nun die Satelliten des hohen Clerus betrifft, so machen sie es sich noch leichter, indem sie alle Gegner des Conkordats für Juden und Judenanhänger, die gesammte Presse mit Ausnahme der paar ultramontanen Blätter für Judenblätter erklären. Doch nein, nicht blos die Satelliten, sondern auch die Kirchenfürsten selbst, von denen der Fürstbischof von Brixen sich auf dem Katholikentage von Innsbruck also hat vernehmen lassen. Nun, dagegen läßt sich Nichts sagen, ist auch Nebensache. Wollen Sie aber wissen, welche Aussichten wir in diesem Kampfe zu haben glauben, so erscheinen diese für die Gegenwart dunkel genug. Die Verhandlungen mit Nom, wie die Gesetzentwürfe des Abgeordnetenhauses, welche letztere erst den langen Weg vom Subcomitü durch den Ausschuß, das Abgeordnetenhaus, das Herrenhaus, das Ministerium und das Cabinet durchzumachen haben, bieten geringe Hoffnung. Aber solche Dinge hängen nicht vom Moment ab; einmal angeregt, einmal als unumgängliches Bedürfnis, ja als Nothwendigkeit erkannt, und sie werden weder todtgeschwiegen, noch todtgcdrückt, jede Niederlage verdoppelt die Kräfte, und so oft diese Frage zu Tage tritt, erscheint sie mit desto unbesieglicherer Macht. Äm Gegentheil, ein solcher Kampf ist die beste Schule für das Volk und seine Verfechter. Wien, 10. Oct. (Privatmitth.) Die weitere Entwickelung, welche das Mühlfeld'sche Religionsedikt im confessionellen Ausschuß unsres Abgeordneten-Hauses nimmt, werden Sie, was die wörtliche Fassung in den einzelnen Stadien der Berathung betrifft, nicht verfolgen wollen. Sie hat einen weiten Weg durchzumachen, und wird daher noch viele Veränderungen erfahren. Im Allgemeinen bietet die Concordatsangelegenheit gegenwärtig ein so wirres Bild, daß Niemand auch nur den nächsten Schritt voraussehen kann, den sie thun wird. Die Petitionen um Aushebung des Conkordats mehren sich mit 'jedem Tage und die Adresse des Episkopats an den Kaiser hat die Aufregung merklich gesteigert. Von den früheren Petitionirenden laufen nun Proteste gegen die in jener ausgesprochenen Anschuldigungen, z. B. vom Wiener Gemeinderathe ein. Selbst die Stellung des Reichskanzlers von Beust soll dadurch einen Augenblick in Frage gestellt gewesen sein. Jndeß hegt Niemand Siegeshoffnungen, wohl auch nicht auf der klerikalen Seite, die wohl fühlt, daß ein von ihr erlangter Sieg ihre Gegner nur mehren und stärken würde. Ja, es frägt sich, ob eine gegenwärtige Niederlage dieser Gegner vom allgemeinen Gesichtspunkte aus nicht etwa kleinlichen Concessionen vorzuziehen wäre, welche die ganze Strömung auf lange Zeit aufhalten würde, ohne nach irgend eirer Seite hin zu befriedigen. — Der hiesige Tempel in der Seitenstettengasse ist renovirt worden, besonders ruft der neue Gaslüstre und die Ventilationsvorkehrung großen Beifall hervor. Während 6 Wochen geschlossen, wurde er zum Neujahrsfeste wieder geöffnet und der Gottesdienst durch Jellinek und Sulzer in begeisterndster Weise vollsührt. Wien, 11. Oct. (Privatmitth.) Die bekannte Adresse der 25 Bischöfe hat den schwerlich von diesen beabsichtigten Erfolg, die Dinge zur Entscheidung zu drängen. Nicht allein, daß die Zahl der Petitionen aus den Gemeinderäthen der Städte sich täglich mehren, Dr. Mühlfeld hat selbständig einen (Antrag auf Aufhebung des Conkordats eingebracht, dessen erste drei Artikel folgendermaßen lauten: Art. 1. Das Gesetz vom 5. Nov. 1855, Reichsgesetzblatt Nr. 195, womit die mit dem pästlichen Stuhle geschlossene Vereinbarung vom 18. August 1855 kund gemacht worden ist und deren Bestimmungen für den ganzen Umfang des Reiches als gesetzkräftig erklärt worden sind, wird für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder nach seinem ganzen Inhalte aufgehoben und außer Wirksamkeit gesetzt. Art. 2. An die Stelle dieses Gesetzes, so wie der durch dasselbe außer Kraft gesetzten gesetzlichen Bestimmungen haben jene gesetzlichen Anordnungen wieder in Kraft zu treten, welche zur Zeit der Verfassung des erwähnten Gesetzes vom 5. Nov. 1855 in Wirksamkeit stan-

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