Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1867)
- Date
- 1867-10-22
- Page
- Seite 854 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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854 Bonn, 7. October. Deutsche Schaubühne, herausgegeben von Martin Perels, Leipzig keiner,!867. Das vierte Heft des 8. Jahrgangs dieser Zeitschrift enthält wieder ein jüdisches Stück: „Esther" Trauerspiel in zwei Acten von Hugo Schmied er. Es gehört zu den schlechtesten Erzeugnissen, welche die an Karrikaturen so reiche dramatische Literatur der neuesten Zeit hervorgebracht hat, unwahr in seinem Gegenstände, mnpsychologisch in seiner Entwickelung, gewöhnlich in seiner Sprache und als Kunstwerk miserabel. So rächt sich die Unlauterkeit des Motivs an dem ganzen Produkte. Ein Jude voll des abscheulichsten Hasses und der Treulosigkeit gegen das eigne Kind, eine Tochter, die aus Liebeswuth alle kindlichen Pflichten aus den Augen setzt, ein ausgezeichneter christlicher Jüngling, das Muster aller Tugenden und Erhabenheit, ein jüdischer Bräutigam, den nichts als .die Geldgier treibt, und für diese Charaktere eine Handlung, wie jeder Roman eines Quintaners sie heranbringt. Genug. — (Berlin, 1867. Gerschel). Diese kleine Gabe ist eine werthvolle Hinterlassenschaft des verst. Dr. Michael Sachs, und enthält eine Sammlung von Anmerkungen zu seiner Uebersetzung des Machsor namentlich zu den Piutim von nS und besonders Anführungen von Stellen der heil. Schrift, des Midrasch und anderer älteren Schriftsteller, die zur Erläuterung, sprachlicher und sachlicher, schwieriger Stellen dienen in gewandten: Hebräisch. — Die neue Exegetenschule. Eine kritische Dornen lese aus Dr. S. Hirsch's Uebersetzung und Erklärung der Genesis von Raphael Kirchheim. Breslau, Schletter, 1867. In vier Abschnitten bespricht der Verf. die „Wortforschung, Schrifterklärung', Polemik und Plagiate," wie sie in dem Commentar von Hirsch zum 1. Buch Mosis Vorkommen. Er geißelt die Exegese und ihre Grundsätze mit scharfem Witz und mit nachsichtigen und überzeugenden Beweisen. Nur Zwiefaches thut uns leid, zuerst der Titel, denn das Buch des Herrn Hirsch mit einer „neuen Exegetenschule" zu betiteln, dazu scheint uns kein Recht vorzuliegen; dazu müßten zuvor Werke von Schülern vorliegen, die nach den Grundsätzen und dem Geiste des Meisters arbeiten. Wir glauben nicht, daß dergleichen zum Vorschein kommen werden. Andrerseits hätte H. K. einige doch zweifelhafte Punkte nicht berühren sollen, an welche sich nun die Satelliten des Herrn Hirsch halten werden, um ihrem Publikum von Neuem zuzurufen: da seht ihr, wer das Werk des Herrn Hirsch schmäht! Und doch bietet dieses letztere eklatante Beispiele genug, um nicht erst lange nach ihnen suchen zu müssen. — Nänan und der Judaismus von Dr. A. Sulzbach. Frankfurt a.M. Kauffmann 1867. Dem geistreichen Franzosen sind betreffs seines „Lebens Jesu" seine Jrrthümer, die er dem Judenthume gegenüber begangen, hinlänglich nachgewiesen worden. Die vorliegende Broschüre unternimmt dies hinsichtlich des neueren Werkes Rönans „die Apostel." Die Unkenntniß des Judenthums, des Talmuds und anderer jüdischer Literaturzweige, wie R6nan sie in dieser Arbeit wiederholt bloslegt, die Zuverlässigkeit, mit welcher er aber demungeachtet seine Urtheile ausspricht, wird von Herrn Dr. S. in mehrfachen unzweideutigen Beispielen nachgewiesen. Die Klarheit und Gründlichkeit, mit der er es thut, verleiht der kleinen Schrift ein besonderes Interesse, das dadurch noch bedeutend erhöht wird, daß die Gegenstände allgemein wichtige sind. Das meiste, was gesagt wird, ist freilich dem jüdischen Fachkenner nichts Neues; aber um so mehr wäre es zu wünschen, daß es in christliche Kreise hinausdringe und daselbst endlich jener Sorglosigkeit und Anmaßung ein Ende mache, mit welcher man sich dort immer noch über Gegenstände des Judenthums und der jüdischen Geschichte ausläßt, ohne auch nur die Oberfläche genauer kennen gelernt zu haben. — Von kleineren Abhandlungen und Schriften, die jüngst erschienen sind, haben wir noch zu erwähnen, da wir nicht Raum haben, in alle Einzelheiten einzugehen: Die Reform der Kirche und Schule im (9. Jahrhundert. Wissenschaftliche Vorlesung von ür. Robert Haas. (Bremen, Kühtmann 1867). — Der Gaon Haia. Ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der semitischen Sprachforschung von Dr. Simon Nascher, Rabbiner u. Prediger (Berlin, Stuhr 1867). — Das Hohe-Liev. Uebersetzt und erklärt von Dr. M. Friedländer. (Berlin, Benzian 1867). — Von Predigten sind uns zugekommen: Das israelitische Gotteshaus. Zur Einweihung der Synagoge zu Postelberg in Böhmen, von Dr. Samuel Mühsam, Rabbiner (Wien, Herzfeld & Bauer 1867). Sinnig erklärt der Redner das Gotteshaus Mose's als Haus der Versöhnung, das Gotteshaus Salomes als Bethaus und das Esra's als Haus der Erinnerung und wendet dies in beredter Weise auf die jetzige Synagoge an. — Trost Oesterreichs, Gedächtnißrede auf Kaiser Maximilian I. von Dr. I. Kohn, Rabbiner der Klaussynagoge in Prag (Prag, Schalek 1867). Am Sabbath Nachum zuerst der Trost Israels über die Zerstörung