Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1867)
- Date
- 1867-10-22
- Page
- Seite 852 (sequence 4)
- Language
- German
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852 erlegt, zu ihrer Versöhnung an diesem Tage ein Sünd- oder Schuldopfer zu bringen, während es doch jedem Familienoberhaupte am Peßach geboten war, ein Peßachlamm zu schlachten. An diesem letzteren Feste galt es nur, das Bekenntniß als Angehöriger Israels zu erneuen, und dies konnte durch eine symbolische Handlung geschehen. Für den Versöhnungstag wird eine derartige Handlung für das Individuum nicht vorgeschrieben, und dies ist für unsere Frage abermals entscheidend. — Dennoch sollten allerdings auch die Individuen in den Kreis des Versöhnungswerkes am Versöhnungstage hineingezogen werden, aber nur mittelbar. Es wird allen Individuen geboten, „einen Ruhetag zu halten und sich zu kasteien." (B. 3 l.) Dieses Letzere sollte das Mittel sein, durch welches das Individuum in seinem Stolze, seiner Zuversicht, seinem Selbstvertrauen, seiner Verblendung und Selbstüberschätzung gebrochen, zur Erkenntnis; seiner Schwäche und Abhängigkeit geführt und zu Reue, Buße und Besserung aufgeregt und angeleitet werde. Hiermit erst begann das Werk der Versöhnung für das Individuum, das nur bei der oben bezeichneten Kategorie der Vergehungen aus Versehen an ein Sünd- oder Schuldopfer geknüpft war. Daß dieses Kasteien oder Fasten eben nur ein solches Mittel sein sollte und als solches wiederum dem Mißbrauche anheimfallen konnte, spricht Jesaias im 58. Kap. energisch aus und gerade deßhalb hat die Synagoge dieses Kapitel zur Vorlesung als Haphtarah am Versöhnungstage bestimmt. Der Prophet verwirft das Fasten an sich nicht, er sagt V. 4: „Ihr fastet nicht also, daß Eure Stimme in der Höhe erhört werde," er verwirft nur die Ansicht, daß das Fasten ohne Reue, Buße und Besserung irgend eine Heilswirkung habe; er predigt laut, daß es durch die Jahrtausende schallt, daß nur die Uebung des Rechts und der Liebe, alle Werke der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit das Heil des Menschen, die Vergebung der Sünden und den göttlichen Segen erwirken: „dann wird wie Morgenröthe dein Licht anbrechen, und deine Heilung schnell" gedeihn', und vor dir zieht dein Heil daher, des Ew'gen Herrlichkeit schließt deinen Zug." Dies ist die Lehre des Judenthums; darin beharrten unsere Väter, darin beharren auch wir, denn es ist das klare Wort der heil. Schrift in allen ihren Theilen, die übereinstimmende Lehre Mvse's, der Propheten und heiligen Sänger, wie die Lehre aller nachfolgenden Geschlechter, ihrer Weisen und Lehrer; es ist zugleich die Lehre, mit welcher die Begriffe des Verstandes und die Gefühle des Herzens sich in Uebereinstimmung finden; und darum sollen keine Deutungen und Sophismen, so wenig wie Verlockungen und Drohungen uns davon abbringen. Wir rufen uns vielmehr noch heute zu das Wort des Propheten (Joel 2, 12—13): „Und doch auch jetzt noch, spricht der Ewige, kehret zu mir zurück mit eurem ganzen Herzen, mit Fasten, Weinen und mit Trauer. Zerreißt euer Herz und nicht euer Kleid, und kehrt zum Ewigen, eurem Gott, zurück: denn gnädig und barmherzig ist er, langmüthig und von großer Huld, ihn reut des Unheils." (Vgl. Jerem. 18, 11. 25, 5. 35, 15. Jechesk. 33, I I. Secharj. I, 3. 4. Mal. 3, 7.) Wir halten uns noch heute an das einfache Wort des Herrn (2. Chron, 7, 14): „So sich demüthigt mein Volk, darauf mein Name genannt wird, nnd sie beten und suchen mein Angesicht, und kehren um von ihren bösen Wegen: so werde ich es hören vom Himmel und ihrer Sünde vergeben." Literarischer Wochenbericht. Bonn, 6. October. svidrbvn heust D’-nnv; von Albert Harkavy, Wilna, 1867. In Nr. 17 des Jahrg. 1866 d. Z. wurde über eine russische Schrift des Verfassers berichtet, in welcher dieser nachzuweisen sich bemühete, daß die ersten Juden, die nach Rußland kamen, nicht deutsch, sondern slavisch gesprochen. Zu allgemeinerem Berständniß seiner Arbeit, bearbeitete er jetzt diesen Gegenstand in hebräischer Sprache und fügt noch andere Beweise hinzu. Der Gegenstand hat historisches Interesse und ist weiterer kritischer Beleuchtung empfohlen. — Q-’-nrnn •nnoö, erster Theil, aus dem Deutschen Herrmann Reckendvrf's übersetzt von A. S. Kaplan, Warschau, 1867. Die „Geheimnisse der Juden" des Herrn 1>r. Reckeudorf (Uebersetzers des Koran ins Hebräische) haben als belletristische Schrift in ihrem ersten Theile eine sehr günstige Aufnahme gefunden, und wohl verdient. Des Uebersetzers bekannte Gewandtheit und Correktheit im hebräischen Styl hat sich auch in dieser Uebertragung durchaus bewährt. — ’bvi ■'■via Uebersetzungen lateinischer Poesien ins Hebräische von Israel R a l l, Odessa, 1867. Die neuhebräische Uebersetzungskunst hat sich bekanntlich an den' Literaturen