Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1867)
- Date
- 1867-10-15
- Page
- Seite 841 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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841 Handlung über „die Bevölkerungsordnung der Kurländischen Städte, insonderheit der Stadt Mitau," in welcher auch der Juden in einer Weise gedacht wird, welche offenbar die begonnene günstigere Stimmung herabzudrücken, und neue Bedrückungen anzubahnen strebt. Wir werden es an einer eingehenden Beleuchtung nicht ermangeln lassen. — Von Seite 82—86 findet sich auch keine Entgegnung oder Erwiderung, sondern nur eine Antwort auf unsere Erwiderung „Baltische Monatsschrift," die wir in Nr. 16—19 d. I. in dieser Zeitung gegeben. Herr Pastor Müller hat es sich sehr leicht gemacht. Er hatte behauptet: Die Juden können nicht Bürger des christlichen Staates werden, wo dieser noch besteht. Da er also von einem noch bestehenden Staate sprach, so forderten wir ihn auf, uns einen solchen Staat zu nennen, mag er nun Spanien oder den Kirchenstaat meinen. Hierauf mußte er einfach die Antwort geben. Statt dessen stellt er sich in Positur, und sagt: „In Folg« dieser Herausforderung und in Anbetracht dessen, daß die Zeitung, welche jene Provocirung enthält, auch von unseren inländischen Juden gelesen wird, bin ich bereit den mir zugeworfenen Fehdehandschuh aufzunehmen und dem Herrn Rabbiner die gewünschten Auskünfte zu geben." Nun wohlan, geben Sie die Auskunft, wozu hierbei die Feierlichkeit mit dem „zugeworfenen Fehdehandschuh?" Aber Herr Pastor Müller will ihn nur „bedingungsweise" aufnchmen; er verlangt, wir sollten zuvor öffentlicherklären uns in unserer Erwiderung aller „persönlichen Bemerkungen und Ausfälle und jedes leidenschaftlich-gehässigen Tones zu enthalten." Wir können hierin nichts als eine Ausflucht erkennen, denn Herr Pastor Müller weiß sehr wohl, daß, wenn wir wirklich persönliche Ausfälle gemacht und einen leidenschaftlichen Ton angeschlagen haben sollten, dies nur die Antwort auf seine Angriffe gewesen. War er es nicht, der uns persönlich nicht anders als „Reformjude" und „Reformrabbiner" titulirte? und was noch viel mehr, der uns und alle modernen jüdischen Theologen der Feindseligkeit und Gehässigkeit gegen das Christenthum beschuldigte? Und wenn wir hierauf antworten, will er uns persönlicher Ausfälle und leidenschaftlichen Tones zeihen? Jndeß. wir sind dieser Art, sagen wir offen, dieses Schleichweges aus christlichen wie jüdischen Kreisen gewohnt. Man schreit Schmähungen und Verdächtigungen in den Wald hinein, und wenn das Echo sie kräftig wieder zurückgiebt, so beschuldigt man das Echo der Beleidigung, der Ausfälle, des leidenschaftlichen Tones. In der That aber soll es nur den Rückzug decken und den Mangel an genügender Erwiderung verhüllen. Herr Pastor Müller weiß es auch, daß wir uns wohl hüten werden, einem Manne wie er ist, die Möglichkeit zu geben, nachträglich zu sagen, wir hätten unser Versprechen nicht erfüllt. Zu einer solchen Thorheit hält er uns doch für erfahren genug, und wir erachten uns daher auch ohne seine Antwort für völlig befriedigt. — Auch die Redaktion der „Baltischen Monatsschrift" antwortet uns: daß sie nicht antworten werde; sie habe einmal theologischen Diskussionen ihre Zeitschrift eröffnet, wolle diese aber nicht fortsetzen, da sie der Tendenz ihrer Monatsschrift fremd seien. Nun gut, nicht wir waren es, welche die verehrliche Redaktion zu einer solchen Ausnahme veranlaßten, nicht wir, welche sie vermochten die Erwiderung des Herrn Rabbiner Pucher mit Anmerkungen wie man zu sagen pflegt, „von oben herab" zu begleiten. Doch das sind Kleinigkeiten. Amerika. Chicago, im Septbr. Am 2. d. wurde der Grundstein des jüdischen Hospitals allher feierlichst gelegt. An dem imposanten Zuge zum Orte der Grundsteinlegung nahmen die höchsten Behörden der Stadt und viele christliche Honoratioren Antheil. Fest-Marschall war der General E. S. Salomon (Israelit). Der Mayor der Stadt und viele Andere hielten in deutscher und englischer Sprache angemessene Reden. Wir heben aus der Rede des Herrn Snydacker folgende charakteristische Stelle hervor: Wenn wir einen Rückblick auf die Geschichte Chicago's und auf die Geschichte der Juden Chicago's werfen, so können wir uns eines gewissen verzeihlichen Stolzes nicht erwehren. Kaum 50 Jahre sind es her, da gaben in diesen weiten Ebenen mit Ausnahme einiger kühnen und unternehmenden Weißen blos die Wigwams der Indianer Kunde von der Existenz der Menschenfamilie, und eine wüste Einöde, von wilden Thieren bevölkert, war da zu finden, wo jetzt eine Stadt von 220,000 Einwohnern mit ihrem Leben und Treiben emporgeblüht. Die Civilisaüon des 19. Jahrhunderts schreitet rasch voran und die Juden fol-