Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1867)
- Date
- 1867-10-15
- Page
- Seite 842 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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842 gen mit entsprechender Schnelligkeit ihren Schritten. Sobald sich eine hinhängliche Zahl jüdischer Familien hier niedergelassen, bildete sich auch eine adäquate Anzahl von Gcnieinden und Wohlthätigkeitsanstalten; aber jede ging ihren eigenen Weg, verfolgte ihre eigenen Zwecke, und mit dem besten Willen konnte nur Weniges auf dem Gebiete des Wohlthuns geleistet werden." Bei der am 26. Juli gehaltenen Freiligraths- Feier zum Besten des Fonds für diesen Dichter hielt Hr. Rabb. Dr. Chronik die Festrede, welche sich eines großen Beifalls erfreute, und in der „Chicago Sonntags- Zeitung" abgedruckt erschien. — Baltimore, 6. Sept. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir noch einige Notizen aus dem Leben des so früh abgerufenen und von vielen bedauerten Dr. Moritz Mayer hier anzuführcn. M. kam im Jahre 1849 in New-Jork an, woselbst er einige Jahre im Institute des Herrn Dr. Lilienthal eine Lehrerstelle bekleidete. In kurzer Zeit erlaugte er eine solche Meisterschaft in der englischen Sprache, daß er im Jahre 1852 einem Rufe der portugiesischen Reformgemeinde in Charleston (der ersten Neformgemeinde in Amerika) als englischer Prediger folgen konnte. Vor ungefähr sechs Jahren verließ er, ich weiß nicht mehr aus welcher Ursache, Charleston und ließ sich in New- Iork nieder. Bon hier aus folgte er einem Rufe der Reformgemeinde in Albany, welche er aber nach kurzer Zeit wieder verließ, nm nach New Jork zurückzukehren, woselbst er sich dem Studium der Rechtswissenschaften, das er schon in Deutschland betrieben, hingab, und wo er nach kurzer Zeit zur advokatorischen Praxis zngelassen wurde, die er jedoch nie als Brodcrwerb, sondern mehr aus Neigung betrieb, da er durch seine in Charleston stattgehabte Verbindung mit einer reichen Erbin über alle Nahrungssorgen erhoben war. In letzter Zeit beschäftigte er sich viel mit Uebersetzen aus dem Deutschen ins Englische. Außer dem schon in diesem Blatte Angeführten hatte er Herrn Dr. Adlers «in Ncw-Iork) Gebetbuch übersetzt. — Fügen wir (die Redakt. d. A. Z. d. I.) einige Notizen hinzu, die uns in dieser Zeit aus Amerika zugekommen. In Cincinnati erscheint wieder ein kleines Blatt, die „Freitagabend-Klänge," herausgegeben von Hainebach & Coinp., wie aus den beiden Probenummern erhellt, besonders für die Jugend bestimmt. — Am 30. Aug. wurde in Detroit, Mich., der Tempel der Beth-El-Gemeinde feierlichst eingeweiht. Der Rev. Epp st ei n, so wie Rev. Wise hielten die Einweihungsrede «in englischer Sprache), von denen die erstere in Ute Detroit Free Press erschienen ist, und Zeugniß ablegt, wie schnell sich eingewanderte deutsche Geistliche der englichen Sprache in beredter Weise zu bedienen lernen können. — Zwischen den Herrn Rabb. Wise, dem Herausgeber des „fsraelile“ und der „Deborah“ in Cincinnati und Dr. Jastrow in Philadelphia «früher in Warschau und Worms) ist ein heftiger Streit ausgebrvchen. Zuerst im „Israelile“ und „Hebrew Leader“ geführt, wird er jetzt in Streitschriften fortgesetzt, wie denn von Dr. Jastrow soeben eine Broschüre „Offene Erklärung an rc." erschienen ist, die in sehr bitterer, aber auch in sehr schlagender Weise dem Hrn. Wise zu Leibe geht. Der Streit ist allerdings rein persönlich geworden, so daß ein weiteres Interesse sich nicht daran knüpft. Aber für die amerikanischen Juden ist er doch von Wichtigkeit, weil Wise in sehr geschickter Art sich eine Stellung verschafft, welche er durch Anmaßung, Schmähung alles dessen, was ihm nicht huldigt, Hinken auf beiden Seiten, Absperren gegen alle anderweitigen Erscheinungen u. s. w. ausbeutet, so daß die Bcssergesinnten aus Furcht schweigen. Alan weiß, daß sich in Amerika dergleichen sehr lange zu halten vermag, und daß wenig Geist und Wissen, wenig Herz und Gesinnung dazu erforderlich ist. Dr. Jastrow verdient daher immerhin Dank, sich diesein Treiben endlich einmal offen gegenüber gestellt zu haben. Er bleibt allerdings nicht mehr allein. Er theilt ein ihm zugekomincnes Schreiben mit, worin es heißt: „Sie verdienen den Dank aller besser gesinnten Glaubensgenossen in diesem Lande, daß Sie mit so vernichtenden Kolbenschlägen der Anmaßung und dem Hunrbug auf jüdischem Gebiete entgegentreten. Diese hochtönenden, übermüthig rohen Artikel des Jsraelite und Achnliches haben weithin moralisch verderblich gewirkt; sie haben einen Geist der Rohheit und des leichtfertigen, unverschämten Aburtheilens unter den amcrikanischen Israeliten wachgerufen oder wenigstens waren sie ein bedeutender Faktor, die solchen Geist wach rufen halfen. Mögen die Augen mindestens Einigen aufgehen!"