Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1867)
- Date
- 1867-10-15
- Page
- Seite 840 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226581-3226624--25425-3260927- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
rurgen nicht begriffen sind. Er weist zugleich nach, daß ein Oberst, zwei Oberstlieutenants, zwei Majore, fünfundzwanzig Capitäne (Juden) aus der Schule von Saint-Ehr hervorgegangen sind. Auf diese Weise wurde Herr Perrot mit seiner Schmähung auf die militärischen Eigenschaften der Juden schlagend zurückgewiesen. — Daß die Israeliten im französischen Officiercorps keine üble Rolle spielen, ersieht man daraus, daß zum 15. August (dem Napoleonstage) ein Capitän im 81. Linienregiment zum Bataillonschef, ein Lieutenant im 6. Artillerieregiment zum Capitän avancirt sind. Zu demselben Tage haben auch 6 Israeliten die Ehrenlegion erhalten, unter welchen sich ein Ingenieur 1. Classe der Brücken und Wege, ein Bergwerksdirektor, ein Militärarzt 1. Classe in Algerien, ein Professor an der Universität von Besanxon und ein Redacteur befindet, also nur ein Kaufmann. — Am 20. August verzehrte eine in der Nachbarschaft entstandene Feuersbrunst in Paris das Bethaus der polnischen Juden. Zwei Israeliten dieser Gemeinde wollten sich in die Flammen stürzen, um die Thorarollen zu retten, und nur mit Gewalt konnten die Pompiers sie von diesem, sie offenbar mit dem Tode bedrohenden Vorhaben, abhalten. Paris, 6. Sept. lPrivatmitth.) Soeben ist das Bulletin der Alliance israelite universelle für das erste Semester 1867 ausgegeben. Dasselbe erweist, daß die Allianee auch in dieser Zeit nicht unbedeutenden Zuwachs namentlich in einigen deutschen Gegenden, in der Rheinprovinz, dann in Birmingham, Livorno, Padua und in den Donaufürstenthümern erhalten hat. Freilich geben die Listen nicht zugleich den doch unvermeidlichen Abgang an, so daß wir den gegenwärtigen wirklichen Bestand nicht erkennen. Zum Präsidenten der Allianee war Munk erwählt worden. Durch dessen Tod bleibt die Präsidentschaft dieses Jahr hindurch erledigt und die Bicepräsidcntcn, zunächst Eremicux, übernehmen die Geschäfte. Ein Bildniß Munks soll im Sitzungssaale placirt werden. Die Sitzungsprotokolle enthalten nur Einzelheiten, die von keinem großen Belang sind. Anforderungen von Unterstützung literärischer Werke und die Verhältnisse der Schulen im Orient nehmen den Vordergrund ein. Für den Herrn Halevy, der nach Abhssinien zu den Fallascha's gehen will, werden 5000 Frcs. bestimmt. Die Israeliten in den einzelnen persischen Städten sind noch vielen Vexationen seitens der Lokal- und Provinzbehörden unterworfen, ebenso die Juden in Serbien. Die Alliance bemüht sich um die Verbesserung der Lage derselben; das Hauptgewicht liegt jedoch hierfür bei dem Board 0f Deputies in London und dem Mitgliede des Parlaments Sir Francis Goldsmith, deren Bemühungen nicht genug anzuerkennen sind. Interessanter ist die dem Bulletin angehängte Correspondenz der englischen Behörden von 1861 an über die Juden in Belgrad. Man erkennt daraus, welche Anstrengungen zu Gunsten der serbischen Israeliten von London aus gemacht sind, welchen bei Gelegenheit der Präsident der Alliance kräftig sckundirte, ohne daß jedoch bis jetzt ein nachhaltiger Erfolg bewirkt werden konnte. Die Einzelheiten sind in diesem Blatte zu oft besprochen worden, als daß sie noch einer ausführlichen Darstellung bedürften. Jedenfalls muß man anerkennen, daß durch die Arbeiten der Alliance die Beziehungen unserer orientalischen Glaubens- und Stammesgenossen zu den occidentalischen eine neue Belebung erhalten haben, wenn auch die Wirkungen nach Innen und Außen bis jetzt noch wenig greifbar sind. Allein dies bedarf der Ausdauer und Consequenz. Man kann hierbei bemerken, daß so beklagenswerth die Unfälle sind, welche die orientalischen Juden durch ihre heimischen Behörden wie durch die dortige Bevölkerung treffen, dieselben Unfälle doch auch die Wegweiser für die orientalischen Juden nach dem Beistände der occidentalischen, und damit zugleich die besten Hebel für ihre allmälige Civilisation sind. Wir wissen es ja aus unserer Geschichte sehr wohl, daß die göttliche Vorsehung sich der Mißgeschicke als Heilmittel, als Erweckung und Belebung zu den höchsten Zwecken bedient. Dies mag uns trösten und noch mehr ermuthigen, wenn wir noch immer traurige Unfälle und Bedrückungen aus den Schultern eines großen Theils unserer Stammesgenossen lasten sehn: im Oriente bedarf es sehr drastischer Mittel, um aus dem Todesschlafe, in welchen die Bevölkerung versunken ist, zu erwecken und zu retten. Rußland. Bonn, 20. September. (Bemerkung) Wir erhalten soeben das Juli-Heft der „Baltischen Monatsschrift" aus Riga. Dasselbe enthält eine Ab-