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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-15 · Heft 42 (15.10.1867) · p. Seite 839

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 42 (15.10.1867)
Date
1867-10-15
Page
Seite 839 (sequence 11)
Language
German
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839 Gott sei Dank, daß es in Oesterreich auch Gegenden giebt, wo die Bevölkerung intelligent genug ist, ein Veto der Intoleranz zu belächeln! . Aus dem Tokajergebirge, im September. (Privatmitth.) Seitdem unsere Orthodoxen ihre bekannte Eingabe höheren Ortes überreicht haben, herrscht Freude in dem Lager der Frommen und kommen denn auch dieserhalb die widersprechendsten Gerüchte unter das Publicum. Gewiß ist, daß die Orthodoxen, die eine Versammlung in Ofen hielten, mit den besten Hoffnungen nach Hause gereist sind und daß die Intelligenten bei der Zerrissenheit ihrer Partei noch lange nicht dort stehen, wo sie zu stehen vermeinen. Eine solche Zerfahrenheit, wie wir sie in religiösen Angelegenheiten im Ungarlande treffen, ist uns so bald nicht vorgekommen, Uneinigkeit in allen Lagern, Verfolgungssucht bei allen Parteien u. s. w., und wagt Jemand, der kein Ungar ist, den Mund zu öffnen, so geht es über das Ausländerthum los, das die magyarischen Zustände nicht kennt. Wir haben es in diesen Blättern wiederholt ausgesprochen und sagen es wiederholt, daß mit Personenwechsel allein nichts gcthan ist, bei der Organisirung unserer Schulen handelt es sich um die Berücksichtigung gewisser Principien, um das Brechen mit verrosteten Systemen, um Berücksichtigung der öffentlichen Meinung. Es kann der ungarischen Judenheit gleichgültig sein, ob dieser oder jener Name an der Spitze der Präparandie steht, wenn nur seine Interessen gewahrt sind; wenn aber ein Unterlehrer es wagt in einem tonangebenden Blatte einen Präparandenlehrer nur deßhalb anzugreifen, weil er Deutscher ist, so ist es unverzeihlich und nur darin erklärlich, daß eben so manche aus der Zeit Bortheile hoffen. Wie wir vernehmen, wurde in der orthodoxen Versammlung der Rabbinen zu Ofen die Gründung eines Parteiorganes für die ungarische Judenheit in ungarischer und hebräischer Sprache beschlossen und ist zu diesem Zwecke nicht nur von hervorragenden Juden des Landes ein bedeutendes Kapital zu diesem Zwecke zusammeugeschossen worden, sondern auch einer unserer bedeutendsten Publicisten als Redakteur für genannte Zeitschrift gewonnen. — Das jüdische Consilium für Ungarn scheint vorläufig vertagt, auch haben bedeutende Gemeinden, wie Preßburg und S. a. Ujhely ihre Zustimmung, falls Fragen religiösen Inhalts zur Sprache kommen, versagt; gewiß ist, daß ein Centralconsistorium mit Pest zum Sitze im Lande auf Hindernisse stoßen wird, und mit Recht, nachdem sich in der That Gemeinden von extremer Richtung nicht unter einen Hut stecken lassen. Oberlehrer Rosenmeyer. Frankreich. Paris, im September. Die Arch. isr. bemerken, daß seit einigen Jahren bei der Zulassung in die Normalschule gefordert werde, daß jeder Bewerber an der Spitze seiner Compositionen die Religion bezeichne, welcher er angehöre. Es mag dies von der Absicht ausgehen, den aufgenommenen Zöglingen diejenigen Rücksichten zu gewähren, welche ihre Confession erfordern mag: man weiß, wie leicht dieses Verfahren jedoch zu noch ganz anderen Resultaten führen könne. Man fragt: warum dies gerade bei den Prüfungsarbeiten geschieht, die doch in ganz absoluter Weise ein Urtheil darüber abgeben sollen, ob der Candidat seinen Fähigkeiten und Kenntnissen nach zuzulassen sei oder nicht? — Wir haben in 9!r. 40 über die Discussion berichtet, welche sich im Moniteur de la Meurthe über die militärischen Neigungen bei den Juden erhoben hat. Der jeder Zeit für seine Religion und seine Glaubensgenossen eintretende' Levy-Bing erließ an die Redaktion des genannten Blattes ein Schreiben, in welchem er in nachdrücklichster Weise und edelster Sprache erwies, daß allerdings für Eroberungskriege dre Israeliten niemals eine besondere Neigung erwiesen, dahingegen in jedem Vertheidigungskriege mit einer Energie und einem Erfolge aufgetreten, welche sie den kriegerischsten Nationen würdig an die Seite stellen; und nun führt er aus, was freilich für unsere Zeit keines großen Beweises mehr bedarf, um wie viel höher auf der Leiter der Humanität Völker stehen, welche ihre kriegerische Kraft nicht zu, von der Selbsterhaltung nicht motivirten Angriffen auf ihre friedlichen Nachbarn mißbrauchen. Perrot wußte auf dieses Schreiben nur mit einigen vagen Worten zu antworten. Den Zahlen des Herrn Sylvain May, daß dreimal so viel Juden im französischen Officiercorps sich befinden, als der Zahl nach auf die jüdische Bevölkerung Frankreichs kommen, erwidert er mst der Frage: ob unter den 69 Officieren auch die Militärchirurgen begriffen seien? Herr May antwortet alsbald, daß unter den 69 Officieren die Militärchi- 42*

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