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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-15 · Heft 42 (15.10.1867) · p. Seite 838

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 42 (15.10.1867)
Date
1867-10-15
Page
Seite 838 (sequence 10)
Language
German
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838 kann durch Vereinfachung des Eides umsoweniger gefährdet werden, als durch Entfernung des Nebensächlichen die Hauptsache mehr in den Vordergrund tritt; auch genügt ja die Admonition vollkommen, dem Schwörenden die Folgen eines etwaigen Meineides zum Bewußtsein zu bringen. Jedenfalls bieten die Juden in der fraglichen Beziehung, vermöge ihrer religiösen Anschauung überhaupt und bezüglich des Eides insbesondere, sicher und gewiß dieselbe Sicherheit, wie die Mennoniten in Oesterreich und Herrnhuter und Quäker in andern Ländern, und liefern die westlichen Länder Europas, in denen der sogenannte Juden-Eid längstabgeschafft ist, den besten Beweis dafür." Wien, 1. October. Das mit dem Entwürfe eines Schulgesetzes beauftragte Subcomitö des confessionellen Ausschusses legte demselben zur Vorberathung einen Gesetzentwurf vor, aus dem wir folgende Paragraphe als die wichtigsten hervorhebeu: Der weltliche Unterricht und die sittliche Erziehung der Jugend ist unabhängig von dem Einflüsse jeder Kirche oder Religions-Gesellschaft. Die Lehrämter an den (Staats-) Schulen und Erziehungsanstalten sind für dazu befähigte Staatsbürger ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses gleich zugänglich. — Die Lehrer an den Volks- und Mittelschulen, dann der Lehrer-Bildungsanstalten des Staates, der Länder und der politischen Gemeinden .unterstehen ausschließlich den durch dieses Gesetz bestimmten Aufsichts¬ und Leitungsorganen. — Der Staat übt die oberste Leitung und Aufsicht über das gesammtc Unterrichts¬ und Erziehungswesen durch das Unterrichtsministerium aus. — Lemberg, 25. Sept. Gestern fand hier eine General-Versammlung der Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde statt. Dieselbe hat sich — wie vorauszusehen war — für die Einführung der polnischen Unterrichtssprache in den israelitischen Volksschulen einstimmig erklärt. Diesem Beispiele folgten auch die israelitischen Cultusgemeinden von Przemysl, Zolkiew und Jaroslau, welche über Aufforderung der Statthalterei sich für die Einführung der polnischen Unterrichtssprache in ihren Schulen geäußert haben. Um den Sinn für das Studium der polnischen Sprache unter der israelitischen Jugend zu erwecken, hat sich hier in letzter Zeit ein Verein gebildet, an dessen Spitze die Herren Hönigsmann, Löwenstein, Zucker und Fränkel stehn. Dieser Verein soll gestern eine Sitzung abgehalten und in derselben die Herausgabe eines politischen Blattes für Israeliten beschlossen haben. Bis nun wurden in Lemberg vier (??) Blätter für Israeliten in deutscher Sprache herausgegeben. — Postelberg in Böhmen, 22. Sept. (Privatmitth.) Als Beitrag zur Geschichte der Intoleranz in Oesterreich gebe ich Ihnen die Mittheilung, daß der hiesige Stattpfarrer, P. Joses Vackarz, Vicar und Dechant des Postelberger Pfarrsprengels, den hiesigen Gewerben und Genossenschaften verboten, sich an der hier stattgehabten Shnagogen-Wcihe als Corporationen mit Fahnen und Emblemen zu betheiligen. Der hiesige Gesangverein erbot sich unaufgefordert, vor dem Eröffnen des neuen Gotteshauses ein Einweihungslied zu singen, bedurfte aber hierzu seines Dirigenten, der zufällig ein Lehrer der Stadtschule ist. Als der Präsident des Vereines den Herrn Pfarrer anging, dem betreffenden Lehrer die Erlaubniß zur Mitwirkung zu ertheilen, antwortete dieser: „Wie, an einer jüdischen (! i Feier wollen Sic sich betheiligen und sind Christ-Katholik! Ich gestatte weder Ihnen, noch dem Lehrer, noch irgend einem Katholiken irgend welche Mitwirkung." Wie sehr das Verbot des hochwürdigen Herrn befolgt wurde, mögen Sie daraus ersehen, daß ich Ihnen erzähle, erstens daß der hiesige k. k. Bezirksrichter, dem der Schlüssel zum Oeffnen des neuen Tempels überreicht wurde, in voller Gala-Uniform erschienen war und vor dem Oeffnen an die zahlreich versammelte Menge die Worte richtete: „Ich wünsche, daß der Gott, den alle Menschen, als den Einen Vater anerkennen, auch in diesem neuen Tempel als solcher verehrt werde! ich öffne mit Gott!" — Ferner daß sämmtliche Honoratioren der hiesigen Stadt, als das k. k. Gerichts¬ und Steueramts-Personal, der Bürgermeister, der Stadtrath und die Stadtverordneten, der fürstlich- Schwarzenberg'sche Director und sämmtliche Beamten, und endlich daß sämmtliche Gewerbe, Genossenschaften und Vereine, allerdings ohne Abzeichen in c-oepoee erschienen waren, und daß der hiesige Turnverein, ebenfalls unaufgefordert/ die Sorge für die Aufrechthaltung der Ordnung übernahm. Das Tanzkränzchen, das nach Beendigung der religiösen Feier stattfand, war wiederum von sämmtlichen Honoratioren der hiesigen Stadt zahlreich besucht.

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