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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-15 · Heft 42 (15.10.1867) · p. Seite 833

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 42 (15.10.1867)
Date
1867-10-15
Page
Seite 833 (sequence 5)
Language
German
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833 der Gewalt und Finsterniß, und die Partei des Gesetzes und Lichts. Alles andre macht für uns von da oben aus nur Fractionen. Was wollen wir mit dem Postulat dieser Unterscheidung? Wollen wir einen Wortstreit erheben, ob „Partei" oder „Fraction"? — Nein! wir konnten bis hieher annehmen, Sie wollten sagen: es schadet der Sache, wenn gerade der entschieden revolutionäre, ja socialistische Theil der großen europäischen liberalen Partei sie in die Hände nimmt, in seine als unpraktisch verrufenen, von Vielen gefürchteten Hände. — Wir hätten geschwiegen, denn in diesen Händen halten auch wir die Agitation für den allgemeinen Völkerfrieden für ohnmächtig, ja widersinnig, wie es denn zu Genf sich auch erwiesen hat. — Dagegen müssen wir es entschieden bestreiten, wenn Sie diese Agitation vor jedem politischen Parteicharacter verwahren wollen. Sie sagen am Schlüsse des Artikels: „Wir haben auch deshalb umsomehr die Obliegenheit, sie, soweit wir es vermögen, vor jedem politischen Parteicharacter zu schützen, wodurch sie doch nur gefälscht und gehindert werden könnte." Wollen Sie die „religiöse Idee" des allgemeinen Völkerfriedens vor dem Parteicharacter schützen? Nein! Sie wissen, die bedarf deffen nicht, die ist ewig, die hängt hoch oben am Himmel, und die Hand der Parteien langt nicht bis da hinauf. — Nein, Sie wollen das Streben nach der Verwirklichung dieser Idee jedes Parteicharacters entkleidet sehn. — Da, geehrter Herr, glauben wir Ihnen entgegentreten zu müssen! Sie selbst sagen: „Der allgemeine Völkerfriede kann nur aus zwei allgemeinen Motiven herauswachsen: aus der Solidarität des Interesses aller Völker, und aus der steigenden geistigen und sittlichen Bildung der Nationen." Sollen wir etwa unserm verehrten Meister auseinaudersetzen, wie schon die allmälige Verwirklichung dieser Voraussetzungen zum allgemeinen Völkerfrieden die Lebenswurzeln derjenigen Partei Zoll auf Zoll ertödtet, welche nur dadurch lebt, daß sie die Geister der Masse in die Fesseln des todten Buchstabens schlägt, daß sie Millionen Köpfe in tiefer Finsterniß hält, und daß sie mit all der formellen Macht, die ihr bis heute geblieben, sich anstemmt, damit ja nicht ein Bewußtsein der „Solidarität des Interesses aller Völker" die Massen durchdringe? — Nein! das unsrem Meister demonstriren zu wollen, deffen Wort seit Jahren mächtig dazu beigetragen, unser Verstandniß in diesen Dingen zu läutern, und unsere Richtung zu bestimmen, es würde mit Recht den Eindruck eines urkomischen Beginnens machen. Nun denn? soll diese Partei wissentlich Mitarbeiten zur Verwirklichung des allgemeinen Völkerfriedens? — Sie kann nicht, sie darf nicht, sie will nicht! — Wohl kann diese Partei heute, oder zu irgend einem Zeitpunkt, es den Umständen gemäß in ihrem Interesse finden, den Frieden eine Zeit lang aufrecht zu erhalten, so daß wir heute uns nicht gewundert haben würden, die Namen „Windischgräz" und „Leo" im Comite der Friedensligue zu finden, aber „den allgemeinenVölkerfrieden erstreben"? — Nein! So bleibt nun für die wissentliche Arbeit zur Verwirklichung des allgemeinen Völkerfriedens von ven beiden großen politischen Parteien nur die eine übrig, und wir erlauben uns, daraus den Schluß zu ziehn, daß der allgemeine Bölkerfriede als Arbeitsobject, das heißt, daß die Verwirklichung dieser religiösen Idee, in ganz eminenter Weise Parteisache ist. Nicht Ihnen gegenüber, geehrter Herr, aber vielleicht für einen Theil der Leser, bliebe allenfalls noch Eine Frage zu erörtern. Man könnte sagen: Es giebt Millionen Menschen, die nicht Parteileute sind; sollten diese alle nicht Mitarbeiten dürfen, oder können oder wollen? — Sie d ürfen jedenfalls, aber, wenn sie desgleichen können, und desgleichen wollen, nun dann sind sie eben doch Parteileute, auch wenn sie sich dessen nicht klar bewußt sind, oder sich als solche anderweitig noch nicht gekennzeichnet haben. Ja die religiöse Idee des Bölkerfriedens, diese viertausendjährige Standarte Israels, hängt über den Sternen, hoch über allen Parteien! Wollen wir aber unter ihrem Zeichen kämpfen, wir Menschen, mit unsern armen, schwankenden Händen, wir können sie nicht herunterholen, wir müssen uns von ihr ein Conterfey machen, ehrlich, und so gut wir können, und dieses Conterfey ist die Fahne der Partei. Als Moscheh die „Zehn Gebote" unsern Vätern verkünden sollte, mußte er Hinansteigen, hoch über die Wolken auf den Berg Sinai. Da war er nicht Parteimann, da stand er hoch über den Parteien, er war Prophet. — Als Moscheh aber seinem Volke die einzelnen praktischen Vorschriften des bürgerlichen Gesetzes geben sollte, das heißt, als er arbeiten sollte für die Verwirk-

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