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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-15 · Heft 42 (15.10.1867) · p. Seite 832

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 42 (15.10.1867)
Date
1867-10-15
Page
Seite 832 (sequence 4)
Language
German
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832 deren, andrerseits ob durch das Hinzutreten neuer Staaten, wie solche sich durch das Wachsthum ihrer Bevölkerung bilden mußten, die Zahl der Sclavenstaaten oderder anderen in der Union und ihren Organen die Mehrheit erhalte. Ueber diese beiden Fragen half der Compromiß nicht hinweg; er brach zusammen, und obschon während des furchtbaren Kampfes auch in den Nordstaaten eine sehr große Partei viel mehr nach der Seite des Sclaventhums neigte, zwang doch die Nothwendigkeit zum Kampfe bis zum Siege des Princips des Menschenrechts. Noch jetzt versucht der gegenwärtige Präsident, einen gewissen Compromiß gegenüber der unbedingten Gleichstellung der Racen zu schaffen, findet aber den kräftigsten Widerstand. Dies ist der Maßstab für die Beurtheilung der großen geschichtlichen Erscheinungen, wie der verschiedenen Zeitläufe, die sich zwischen den Gegensätzen hin und her bewegen. Wo Entwickelung vor sich geht, wo Ziele vorhanden und Kräfte, die nach ihrer Erreichung ringen, Geister, die sich diesen Principien hingeben und für sie opfern — da ist Leben, da - ist Zukunft und Verwirklichung, wenn auch Compromisse zu Stande kommen, wenn auch nur durch Concessionen vorwärts gekommen wird, wenn auch eine Abschwächung, ja eine gewisse Mißachtung der Principien eingetreten ist. Wo keine Entwickelung, keine Ziele, wo es sich nur um die Machtfrage handelt, wo nur conservirt und nichts als das Altbestehende conservirt werden soll — da ist Decrepidität, Verfall und sicherer Tod. Lassen wir uns also von keinem Nebel verdüstern, der aus dem tiefen Thale aufsteigt und sich um den Horizont lagert — eine Stunde später lichtet er sich wieder, die Sonne blitzt um so klarer hindurch und wir sehen den blauen Himmel wieder, wolkenlos und lichtdurchwoben. Die Menschheit arbeitet unermüdlich, wenn auch dann und wann der Fuß still zu stehen und die Hand lässig zu sein scheint, und weil sie arbeitet, hat sie Alles zu erwarten: die fortschreitende Verwirklichung der höchsten Principien, welchen der Geist für immer gehört und die Macht sich immer wieder beugt. Esch Weiler, 3. October. Ist das Streben nach dem allgemeinen Völkerfrieden Parteisache oder nicht? In Nr. 33, unter dem 4. August d. I. hat uns diese Zeitung einen Leitartikel gebracht, welcher die internationale Friedensligue und den internationalen Friedenscongreß besprach. Hätten wir den Artikel an andrer Stelle, und ohne Unterschrift gefunden, doch würde der umfassende weltgeschichtliche Maßstab, angelegt in gediegner und erwärmender Weise mit altbewährter Meisterschaft, das Jncognito gelöst haben; wir alle hätten doch sofort den Geist und das Herz erkannt, die uns so lieb geworden sind seit langen Jahren — „ex ungue leonem.“ So sehr nun der Artikel uns angeregt, und gerade weil er uns von so großer Bedeutung ist, glauben wir, verpflichtet zu sein, diejenigen wesentlichen Bedenken auszusprechen, welche eine Seite desselben in uns erweckt. Wenn wir Sie, Herr Redacteur, um Aufnahme dieser Zeilen bitten, so wird, bei Ihnen, nur der Werth oder Unwerth unsrer Bemerkungen, nicht aber der Umstand, daß wir Eine Seite Ihres Artikels bekämpfen, über Aufnahme oder Zurückweisung entscheiden. — Auch das Fiasco, welches seitdem die erste Versammlung des internationalen Friedenscongresses gemacht, wird Sie nicht bestimmen, eine betreffende Erörterung für antiquirt anzusehen. Die Stelle, von welcher aus Sie schauen, bietet einen zu weiten Horizont, als daß es Ihnen begegnen könnte, die Nebel, welche aus einem seichten Teiche aufsleigen, für die Atmosphäre des Landes zu halten. Sie sagen: „Die Unterschriften des Comics für den Congreß zeigen aber herrorragende Namen der entschieden revolutionären, ja der socialistischen Partei, und dies halten wir für das Interesse der Sache für schädlich u. s. w." Zugegeben! aber nur unter der Bedingung, daß wir statt „entschieden revolutionäre, ja socialistische Partei" sagen dürfen: „entschieden revolutionäre, ja socialistische Fraction". — Wir dürfen nämlich, und müssen, versuchen, Ihnen auf die Höhe der Auffasiung zu folgen, wenn auch da oben uns der Athem nicht so leicht gehn mag, als Ihnen, der Sie auf der Höhe wohnen. Wenn wir aber, per fas aut nefas, einmal da oben stehn, so können wir von Parteien nur zwei sehen: die Partei

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