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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-15 · Heft 42 (15.10.1867) · p. Seite 830

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 42 (15.10.1867)
Date
1867-10-15
Page
Seite 830 (sequence 2)
Language
German
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830 und ebenso wenig in seiner inneren Verfassung als Compromiß zwischen den: Einheits- und Föderativstaate, zwischen den absolutistischen und den parlamentarischen Staatsformen u. s. w. Dies erkennt auch derjenige an, welcher seine große Bedeutung, seine factische Unvermeidlichkeit und seine wichtigen Folgen für die deutsche Nation und die europäische Völkerfamilie würdigt. Viel haltloser noch ist der Compromiß in Italien, wie er in der Septemberconvention zwischen dem Königreiche Italien und der weltlichen Herrschaft des Papstes getroffen worden. Gewiß im höchsten Grade interessant ist das Ringen, einen Compromiß zwischen den großen Nationalitäten im österreichischen Kaiserstaate zu finden; die Versuche folgen einer nach dem anderen; aber wird selbst der Ausgleich zwischen Ungarn und dem übrigen Oesterreich gegenwärtig gesunden, so fragt es sich nicht blos, ob dieser dauerhaft sein werde, sondern auch, wie es in dem übrigen Oesterreich gelingen wird die Schwierigkeiten zwischen den anderen Nationalitäten dauerhaft zu lösen. Seitdem endlich die „orientalische Frage" besteht, zeigt diese nichts weiter als ein Hin- und Herrollen der Verhältnisse und Interessen, um sie in schwächlichen Compromissen über dem Wasser zu halten, und dies gelingt freilich nur vermöge der Schwäche aller daran betheiligten Völkerschaften und der Rivalitäten der Großmächte; die orientalischen Völkerschaften, die Griechen wie die Türken, die Egypter wie die Perser, haben hinlänglich erwiesen, daß keine von ihnen befähigt ist, die Führerschaft im Oriente zu übernehmen; aber ebenso wenig vermögen die Großmächte sie einer von ihnen zuzugestehen. In Frankreich freilich haben wir keinen Compromiß, sondern nur den Schein eines solchen; dort besteht immer nur noch die alte Machtfrage, die sich zuerst zwischen Ludwig XIV. und den alten Parlamentern erhob und seitdem in den verschiedenen revolutionären Phasen zum Ausbruch kam, während der Julimonarchie nach der Seite des Parlamentarismus neigte, indeß jetzt wieder das l’Etat, e’est, moi! in dem persönlichen Regiment des Monarchen zur Herrschaft gelangte, und in schwächlichen constitutionellen Formen einen Schein des Compromisses zu erhalten sucht.— Aber denselben Character tragen auch alle höheren Verhältnisse in der europäischen Welt. So insonders die internationalen; Allianzen, immer der Ausfluß bestimmter politischer Principien, wenn sie nicht blos auf den Augenblick berechnet sind, giebt es nicht mehr, Bündnisse und Verträge^ existiren nicht; die Stellung der Staaten zu einander wechselt mit jedem Tage; diejenigen, welche sich in einem gegebenen Momente unterstützen, stehen sich iw nächsten feindlich gegenüber, während andere, die sich gestern noch auf Tod und Leben bekämpften, morgen wieder Schulter an Schulter gelehnt stehen. Während hierin die Principlosigkeit vollständig blosliegt, tragen die Verkehrsverhältnisse den Character des Compromisses. Man erkennt es mit voller Emphase an, daß die Industrie eine Weltindustrie sei, daß sie allein auf dem Boden völliger Verkehrsfreiheit weiter gedeihen, ja nur bestehen könne, und doch wagt man es nur sehr langsam, sie von ihren Fesseln zu befreien, wie die zahllosen Handelsverträge beweisen. In ähnlicher Weise werden die direeten und indirecten Steuersysteme amalgamirt, mischt man die Einkommensteuer noch mit dem örtlichen Octroi u. s. w. unter einander. Bon dem Kampfe zwischen dem Absolutismus und dem Constitutionalismus in allen festländischen Staaten wollen wir hier ganz schweigen, das Bild stellt sich jedem Kundigen von selbst vor. Der Zustand, der durch diese äußere und innere Lage der Dinge hervorgerufen wird, zeichnet sich am bedeutsamsten in dem sg. bewaffneten Frieden ab. Die ins Riesige wachsenden stehenden Heere, die überall betriebene Reorganisation der Armeen und Militärverfassung, die außerordentliche Anstrengung, die Bewaffnung in ihrer ganzen Beschaffenheit und ihren Tod bringenden Wirkungen auf's Äußerste zu raffiniren, die dadurch immer höher gespannte Steuerbelastung, ja der in vielen Staaten dadurch bewirkte Ruin der Finanzen, abgesehen von dem nationalökonomischen Schaden und von der Benachtheiligung anderer Staatszweige, liegen wie ein drückender Alp auf allen europäischen Völkern, und dennoch sind sie von den äußeren Verhältnissen so geboten, daß an eine Abhülfe, ja selbst an eine Erleichterung nicht gedacht werden kann, so lange eben jene so sind, wie sie sind. Es ist dies die üble Seite aller Compromisse: die Parteien werden durch sie nicht beseitigt und nicht befriedigt, sie müssen gewaffnet bleiben um sich die errungenen Vortheile nicht wieder nehmen zu lassen, und um neue zu erringen. Während sich also Viele der Compromisse freuen, weil für den Augenblick der brutale Kampf durch sie aufgehört hat, sind doch die Wirkungen oft schädlicher als der Entscheidungskampf selbst. Allen diesen Betrachtungen gegenüber drängt sich uns um so mehr die Frage auf: was hat demungeachtet die Menschheit zu erhoffen? Dem tieferen Blicke scheinen diese Zustände so traurig, so deprimirend, so viele

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