Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1867)
- Date
- 1867-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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31. Jahrgang M 4L Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 15. October 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis 2l/a Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit IV2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition sür beide Letztere hat sich das König!. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Eine dringende Bitte. — Was hat die Menschheit zu erhoffen? — Ist das Streben nach dem allgemeinen Völkersrieden Parteisache oder nicht? Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Hamburg, Mergentheim. Oestereichischer Kaiserstaat: Wien, Lemberg, Postelberg, Aus dem Tokajergebirge. Frank> reich: Paris. Rußland: Bonn. Amerika: Chicago, Baltimore. Feuilleton-Beilage: Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. — Aus der Zeit der Reaktion. — Anekdote. Leitende Artikel. Bonn, 6. October. Eine dringende Sitte. Eine besondere, im allgemeinen Interesse beruhende Veranlassung macht es uns dringend wünschenswerth, alle Fälle zu kennen und zu sammeln, in welchen vor, während und nach dem Kriege von 1866 Männer jüdischer Religion zum Officiersrange in der preußischen Armee erhoben worden sind. Wir ersuchen daher Alle, die von irgend einem solchen Falle Kenntniß haben, uns die genaue namentliche und sachliche Angabe in unfrankirten Briefen mitzutheilen. vr. Ludwig Philippson in Bonn. Was hat die Menschheit?u erhoffen? Zum Neujahrstage. (Schluß.) Wenn also schon bei den Parteien, welche doch auf Principien angewiesen sind, weil sie sonst eigentlich keine Parteien bilden, um so weniger werden wir uns wundern, diese Principlosigkeit in den Thatsachen zu finden. Hier begegnet uns der Compromiß allerwegen, und zwar, dies ist die Hauptsache, mit äußerst merklichen und sichtlichen Nähten. Denn bei einem Compromiß kommt es darauf an, ob er mehr oder weniger von den gegenseitigen Principien angenommen und sie zu einem organischen Ausgleich, zu einer inneren Versöhnung gebracht hat. Ist dies in einem gewissen Grade gelungen, so wird der Compromiß eine dauerhafte Thatsache, aus welcher neue reelle Erscheinungen hervorgehen, die zum Boden einer langen Zukunft werden. Äst es aber nicht der Fall, treten die Principien, wir möchten sagen, nur in roher Weise zu Tage, so daß jedes Elemente abgegeben hat, die sich mit einander nicht vertragen können, so gleicht der Compromiß mehr einem Waffenstillstände und geht nur aus dem Drange hervor, den Kampf augenblicklich ruhen zu lassen, um eine größere und drängendere Gefahr zu vermeiden. Die meisten Compromisse, die wir gegenwärtig in Europa sehen, sind der letzteren Art. Wir brauchen nicht erst den norddeutschen Bund genauer zu characterisiren, um ihn als Compromiß zwischen Nord-, Süd- und Oesterreichisch- Deutschland von keiner großen Haltbarkeit zu erachten,