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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-08 · Heft 41 (8.10.1867) · p. Seite 827

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 41 (8.10.1867)
Date
1867-10-08
Page
Seite 827 (sequence 19)
Language
German
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Und irtetaft eine Todtenstille im Lande, die Straßen verödet, die Dörfer verfallen, die Städte voller Trümmer, die Ebenen verbrannt, die Wälder entblättert. Nur hier und da, wo das Gewässer durch eine tiefere Niederung floß und sich länger gehalten hatte, trafen sie auf ein fruchtbares Stück Land, auf eine schmale Ebene mit Wiesen und Maisseldern, mit Oelbäumen und Dattelpalmen, mit Granaten- und Feigenbäumen, Zeugendes Landes, in welchem ehemals „Milch und Honig floß." So begrüßte sie insonders freundlich der Garten von Tiberias am Ufer des blauen Sees, daß, als von der Höhe herab ihr Blick darüber hinschweifte, nachdem sie eben die furchtbar öden Gebirgswege überwunden hatten, sich ein unendlicher Druck von ihren Herzen löste, und ein Ausruf des Entzückens ihren trocknen Lippen entfuhr. Aber welch' neue Schrecknisse warteten ihner, als sie der Stadt sich näherten. Das furchtbare Erdbeben vom 1. Januar >837 hatte seine sichtbaren Spuren noch überall hinterlafsen, als wenige Monate vor ihrer Ankunft abermalige Erdstöße einen großen Theil der Stadt in Schutthaufen verwandelten. Die alten und die neuen Trümmer vereinigten sich, um den Anblick für jedes Menschenherz zu dem traurigsten von der Welt zu machen. Die Mauern lagen gebrochen, das Castell zerstört, die Thore glichen Höhlen, in die man sich nur mit Angst hineinversenken konnte. Gerade das Viertel, in welchem die arme jüdische Bevölkerung wohnte, war jedesmal von den Erdstößen am härtesten mitgenommen worden. Viele waren umgekommen, Viele hatten die Stadt verlassen, die Zurückgebliebenen wankten zwischen den Schutthaufen umher, einige schaufelten an den Trümmern ihrer Wohnungen herum, um daraus zu retten, was etwa verschont geblieben.... Unsere Reisenden flohen bald diesen Aufenthalt des Unglücks und des Elends und zogen die Höhen wieder hinauf nach Safed. Aber war es hier anders? In den Bergen von Safed befand sich der Mittelpunkt dieser unterirdischen Bewegung, hier waren die Stöße am heftigsten gewesen, und von hier aus strahlten sie nach verschiedenen Richtungen aus. Dennoch sah es in Safed schon wieder viel erträglicher aus. Die Bewohner waren ein kräftiger, rühriger Menschenschlag, die sofort wieder Hand anlegten, ihre Wohnungen aus den Trümmern wieder herzustellen. Es war an einem Freitage, daß Gottheil und Amalie in Safed anlangten, und sie fanden auf dem Markte ein starkes Gewühl von Landleuten, welche besonders Fische hereingebracht; sie sahen Glaubensgenoffen und ihre Frauen in der Menge, und freuten sich diese von befferein und reinlicherem Aussehen zu finden, als die übrigen Bewohner. So konnten sie hier ruhig die Sabbatrast halten. Aber mit wie vielen Klagen wurden sie überschüttet, als sie sich erst in der Mitte ihrer Glaubensbrüder befanden! Die Chachamim waren von dannen gezogen und ihre Schulen geschlossen, denn wovon sollten sie hier bestehen? Die kostbare Büchersammlung war zu Grunde gegangen, die Synagogen lagen in Trümmern, und man flüchtete sich in kleine Betstuben; die Zukunft lag düsterer vor ihnen als selbst die traurige Vergangenheit. Hier wandelte sich jedes Gebetwort in einen Weheruf, in einen Nothschrei, jeder Psalm in ein Klagelied. (Fortsetzung folgt.» Obermedicinalrath Dr. Heinrich Herz. (Nekrolog.) Wiesbaden im Monat September 1867. Im Beginn dieses Monats haben wir einen Mann zu Grabe getragen, dessen Tod die allgemeinste Theilnahme erregte, wie dies seiner Zeit hiesige und auswärtige Blätter, die dessen langjährige, wahrhaft segensreiche Thätigkeit, seine Bedeutung als Arzt, sein uneigennütziges Wirken rühmend hervorhoben, in ehrendem Nachrufe bekundeten. Für unsre Glaubensgenossen aber ist das Leben dieses Mannes, der zu den wenigen Juden gehört, welche in Deutschland schon vor dem Jahre 1848 als Staatsdiener eine bedeutende Stellung einnahmen, von zu hohem Jntereffe, als daß wir nicht die wichtigsten Daten desselben in diesem Archiv des Judenthums niederlegen sollten. „Ich bin selbst auch ein Stück Geschichte des Judenthums" sagte er oft selbst, wenn von den Anstrengungen und Kämpfen unsrer Glaubensgenossen um bürgerliche Gleichstellung die Rede war. Und in der That war es der einzige Stolz dieses hochverdienten Mannes, der allgemein als eine der Zierden des nassauischen Beamtenstandes galt, daß er als Jude es zu seiner Stellung gebracht hatte. D,-. Heinrich Herz, der Zweitälteste Sohn des nassauweilburgischen Hofagenten Löw Herz, wurde am 3. April 1795 geboren. Sein Vater, der selbst eine für die damalige Zeit nicht gewöhnliche Erziehung und Bildung genossen hatte, schickte seine Söhne in das damals berühmte Weilburger Gymnasium, wo Männer wie Krebs, Eichhof, Schellenberg u. A. wirkten. In diesem Gymnasium weilte Herz von seinem 9. bis 17. Jahre und erwarb sich durch seinen Fleiß und seine hervorragenden Talente die Liebe aller seiner Lehrer. Im seinem >8. Jahre bezog er die Universität Marburg, studirte daselbst bis 1815, ging hierauf nach Würzburg und, nachdem er 1816 in Marburg promvvirt hatte, zu seiner praktischen Ausbildung ein Jahr nach Wien. Im Jahre 1817 kehrte er in die Heimath zurück, meldete sich zum Staatsexamen und erhielt die Note: „Vorzüglich gut bestanden". In der damaligen Zeit wurde in Nassau das Medizinalwesen neu vrganisirt, die Äerzte wurden Staatsdiener, wie dieß noch bis vor Kurzem der Fall war, und vom Staate besoldet. Aber obwohl es damals an Candidaten fehlte, mn alle neugeschaffenen Stellen zu besetzen, bemühte sich unser Herz, trotz seines guten Examens vergeblich um Anstellung. Seine Bemühung scheiterte an dem Princip, es schien etivas Unerhörtes, einem Juden eine Anstellung zu geben, und

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