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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-08 · Heft 41 (8.10.1867) · p. Seite 828

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 41 (8.10.1867)
Date
1867-10-08
Page
Seite 828 (sequence 20)
Language
German
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828 so sehr geneigt auch einzelne Mitglieder der Regierung waren, den hoffnungsvollen Mann dem Lande dauernd zu erhalten, die Zeit war noch nicht reif genug, um alten Vorurtheilen entgegen treten zu können. Doch das wahre Verdienst bricht sich Bahn. Sehr bald gewann Herz das Zutrauen des Publikums, sein eminentes, ärztliches Talent, seine Unermüdlichkeit bei Tag und Nacht, seine Uneigennützigkeit und Humanität verschafften ihm einen solchen Ruf, daß er weit über den Weilburger Kreis hinaus ein gesuchter Arzt wurde. Eine solche Thätigkeit blieb auch in den höchsten Kreisen nicht verborgen und Herzog Friedrich Wilhelm befahl, daß Herz, wenn auch nicht förmlich angestellt, doch die Stelle eines Medicinal-Assistenten provisorisch begleiten und ihm der Gehalt dafür unter dem Namen einer Gratification regelmäßig entrichtet werden solle. Dieß geschah im Jahre 1819. So sehr auch Herz dieses Wohlwollen anerkannte, so wollte er doch die Kränkung, daß er als Jude hinter seinen christlichen Collegen, die wirkliche Staatsdiener waren, zurnckstchen sollte, nicht ertragen, und er beschloß auf den Rath hochstehender Freunde nach Wiesbaden überzusiedeln, wo ihm eine ausgedehnte Privatpraxis in Aussicht stand. Doch dieß Vorhaben erregte in Weilburg und der Umgegend eine wahre Aufregung, und der Magistrat der Stadt Weilburg schickte eine Deputation an den Herzog mit der Bitte, man möge die Stellung des vr. Herz so verbessern, daß er der Stadt erhalten bliebe. Diesem Wunsche wurde willfahrt. Es erfolgte eine Besoldungserhöhung und im Jahre 1840, nachdem Herz eine in seinen wenigen Mußestunden verfaßte vortreffliche medicinische Statistik des Kreises Weilburg herausgegeben, wurde ihm die Zusicherung, daß er, im Falle der Dienstunfähigkeit, so hinsichtlich der Pension behandelt werden sollte, als ob er seit Beginn seiner Thätigkeit in Staatsdiensten gestanden hätte. Ebenso erhielt er für seine Relicten im Falle des Todes gleiche Berechtigung mit den Staatsdienern. Sein Gehalt wurde auf das Maximum erhöht, und als im Jahre 43 die Medicinalrathsstelle zu Weilburg vacant war, wurde er förmlich zum Medicinalrathe ernannt. Mit welcher Gewissenhaftigkeit und Treue Dr. Herz sein wichtiges und einflußreiches Amt verwaltete, wie sorgfältig und pünktlich er in allen gerichtlichen Fällen verfuhr, wie humün und taktvoll er in seinen Anforderungen gegen die ihm untergebenen Aerzte auftrat; darüber ist nur eine Stimme. In der That wurde ihm im Jahre 1857 die Auszeichnung zu Theil, daß er zum Obermedicinal-Rath ernannt wurde und er somit die höchste, einem Arzte im Nassauischen Staatsdienst erreichbare Stellung erlangte. Leider sollte er sich nicht mehr lange seiner Thätigkeit erfreuen. Ein Augenleiden nöthigte ihn im Jahre 1860, nach 42jähriger Dienstzeit, um seine Pensionirung nachzusuchen, die ihm in der ehrenvollsten Weise bewilligt wurde. Nun verlebte Herz (nachdem er hierher überge-- siedelt war) den Abend seines Lebens im Kreise seiner Familie und zahlreicher Freunde. Gar Manchem hatte er auch noch in den letzten Jahren durch seine reiche Erfahrung genützt. Da erreichte auch ihn in-seinem 73. Jahre das allgemeine menschliche Loos, seine Kräfte singen an abzunehmen und er selbst erkannte genau seinen Zustand. Ueber sein nahes Hinscheiden sprach er mit der Seelenruhe eines Weisen und noch in den letzten Tagen erquickte ihn die Erinnerung an das, was er seinen Mitmenschen geleistet. Gewiß wird auch sein Bild in dankbarer Erinnerung fortleben in den Herzen Unzähliger, denen er als Arzt und Freund beigestanden, ganz besonders aber in den Herzen seiner Glaubensgenossen, die ihn zu denjenigen rechnen müffen, welche Bahn gebrochen haben! Notiz. Bekanntlich gehört noch immer zu den unbekannten und wenigst erforschten Landstrichen das Land am linken Jordansufer und ostwärts vom todten Meere, also das Ost-Jordanland, zu welchem die Israeliten unter Moses heraufzogen, und in welchem die Stämme Rüben, Gad und halb Manasse ihren Wohnplatz fanden. Jetzt wird dies vielleicht anders. Aus Jerusalem wird unterm 22. August gemeldet: Seit nunmehr 14 Tagen hat der Krieg der türkischen Regierung gegen die Beduinen des Ost-Jordanlandes begonnen. Sämmtliches Militär aus Syrien ist letzthin über den Jordan gerückt, und von Damaskus her sollen 10,000 Mann in Anmarsch sein, ury die Beduinen zu unterwerfen, namentlich aber, um Rekruten unter ihnen auszuheben. Sind sie unterworfen, so will sie der Pascha nöthigen, an festen Ortschaften sich niederzulassen, um den. Tribut besser eintreiben zu ^können. Neueste Nachrichten aus Konstantinopel melden: Eine militärische Expedition, an deren Spitze sich der Generalgouverneur von Syrien, Reschid Pascha, und der Obergeneral der Armee von Arabistan, Derwisch Pascka, befinden, ist soeben nach dem Osten des Jordans und des todten Meeres unternommen worden, um die Sicherheit des Landes zu befestigen und die Karavauen und die Reisenden, welche in einem wissenschaftlichen Interesse durch diese Gegenden ziehen, in Zukunft gegen Brandschatzungen zu schützen, denen sie oft von Seiten der Beduinen ausgesetzt waren. Das in der Nähe von Rabbat-Amrnon*) gelegene Schloß Salt, eine alte griechisch-römische Citadelle, ist bereits besetzt und man beabsichtigt, es neu aus seinen Ruinen aufzurichten, um eine dauernde Garnison regelmäßiger Truppen darin zu lassen. Die drusische Bevölkerung zeigte übrigens bei dem Durchzuge der Expedition die beruhigendsten Gesinnungen; die Paschas stießen auf keine Opposition und die Erhebung der Steuern geht ohne Schwierigkeiten vor sich. *) Kommt schon 5 Mos. 3, 11 vor. Redaction. Verlag von Baumgärtner's Buchbandlunq in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.

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