Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1867)
- Date
- 1867-10-08
- Page
- Seite 818 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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818 Hervor. Man kann sich vorstellen, daß die erwartete Ankunft des Sir Moses alle Herzen der hiesigen Glaubensgenossen in die größte Erregung versetzte, und daß daher ein Mcnschenmeer bereit war, dem edlen Greise auf Schritt und Tritt entgegen- und zu umfluthen. Aus persönlichen Gründen vermied dies daher Sir Moses nach Möglichkeit, und schon als ihm die Herren von der hies. Epitrophie, die Hrn. Popper und Chalfon, nach Giurgewo cntgegengceilt waren, ließ er sie bedeuten, zurückzukehren und zu verbreiten, daß er schon angelangt sei. In gleicher Weise ließ er die Stunde seiner Abreise verheimlichen und nahm das ihni angebotene Logis für sich und sein Gefolge nicht an, sondern bezog ein Hotel. So wirkte auch sein Begleiter, Herr Di-. Löwe, mit allen Kräften dahin, daß er bei seinem Besuche aller hiesigen Synagogen so wenig wie möglich behelligt werde, und es ist nur zu bedauern, daß er deßhalb den angekündigtcn Besuch in der israelitischen Ccntralschule unterließ, dessen moralische Wirkung auf die Jugend eine außerordentliche gewesen wäre. Von dein Fürsten und allen Behörden wurde er auf's Freundlichste empfangen, und vom Ersteren zur Hoftafel gezogen. Alle Corporationeu machten ihm ihre Aufwartung; von Adressen und Gedichten aller Art wurde er überschüttet, und die hies. Gemeinde sendet ihm in diesen Tagen eine vom Hauptlehrer Moritz Schwarz in hebräischer Sprache verfaßte Dankadresse nach London. Der hiesigen rumänischen und jüdischen Commune übersandte er zur Bertheilung an die Armen je 100 L. St., der rumänischen Kinderbcwahranstalt 50 L. St. und dem jüdischen Hospital, das er mit seinem Besuche beehrte, 25 Napolconsdor. Daß ihn die innigsten Segens- Wünsche seiner Glaubensgenossen auf seiner Rückfahrt begleiteten, kann man sich denken. Mögen sie an dem unermüdlichen 83jährigen Greise in Erfüllung gehen! London, 20. Scpt. Sir Moses Montefiorc, der von seiner Reise nach Rumänien hierher zurückgekehrt ist, veröffentlicht in den Spalten der „Times" seine Petition an den Fürsten Carl ebenso wie dessen Antwort. Die Petition lautet: „An Se. Hoheit den Prinzen Carl l., regierenden Fürsten von Rumänien! Bukarest,' 27. August 1867. Eure Hoheit geruhen .... In England und anderswo war die Nachricht verbreitet, daß meine.Glaubensgenossen in Rumänien sich nicht mehr im Genüsse jener Ruhe und Sicherheit befinden, an welche sie, Dank dem Allmächtigen und der Ehrenhaftigkeit dieser Nation, seit mehreren Generationen gewöhnt waren. Ich erwog, daß ich, in gleicher Weise, wie es mir bei anderen Gelegenheiten und in anderen Ländern gelungen war, das Vertrauen meiner Glaubensgenossen tvieder herzustellcn, auch in Rumänien bei jetzigem Anlasse durch meine Gegenwart nützlich werden könnte; allein bevor ich diesen Entschluß vollzog, holte ich hiezu die Genehmigung Ihrer britischen Majestät Regierung, sowie die Zustimmungen der Regierungen von Oesterreich, Frankreich, Italien, Preußen und Rußland ein. Ich bitte nun im Namen meiner Glaubensgegcnossen in England, meinem Geburtslande, wie im Namen Derer in allen Theilen der Welt, daß Eure Hoheit geruhen mögen, alle übelgesinnten Personen zu warnen, die Juden in irgend einer Weise zu belästigen und positive Befehle zu ertheilen, daß die Juden, welche in allen Theilen der vereinigten Fürstenthümer, wohnen, vollkommenen Schutz in Allem', was die Sicherheit der Person und des Eigen thums betrifft, genießen sollen. Geruhen Eure Hoheit auch, den Ausdruck meiner dankbaren Würdigung der erleuchteten Gesinnungen religiöser Duldung, von welchen Eure Hoheit stets in den Ihre jüdischen Unterthanen betreffenden Angelegenheiten Zcugniß gegeben haben, entgegenzunehmcn, und indem ich Eurer Hoheit meinen Dank für die persönliche Ehre erstatte, welche mir durch Anhörung meiner Besorgnisse wegen der Wohlfahrt meiner Glaubensgenossen zu Th eil wurde, möge cs mir gestattet sein meine herzlichsten Wünsche für das Glück und das Wohl Eurer Hoheit, wie für die Wohlfahrt der vereinigten Fürstenthümer darzubringen. Ich habe die Ehre, mit der tiefsten Ehrerbietung zu sein Eurer Hoheit gehorsamster und ergebenster Diener Sir Moses Montefiore, Baronct." Der Fürst schreibt unter dem Datum Controceni, 30. August 1867: Herr Baronet, ich habe Ihren Brief vom 27. August erhalten und mit lebhaftem Interesse davon Keuntniß genommen. Wie ich Gelegenheit hatte ihnen persönlich zu bemerken, sind die Wünsche, welche Sie für Ihre Religionsgenossen hegen, bereits erfüllt. Die Israeliten sind Gegenstand meiner angelegentlichsten Sorge, dasselbe ist der Fall bei meiner Regierung und