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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-08 · Heft 41 (8.10.1867) · p. Seite 817

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 41 (8.10.1867)
Date
1867-10-08
Page
Seite 817 (sequence 9)
Language
German
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81? Seit einigen Jahren hat nun auch ein Privat- Speculant den „Sperl" als Schauplatz seiner eigenthümlich frommen Thätigkeit ausersehen, und man tonnte bisher immer das seltsame Schauspiel genießen, wie in demselben Saale, wo vielleicht in der vorigen Nacht ein kühner Cancan getanzt, ein frivoles Gelage gehalten ward, wie an derselben Stelle, wo Strauß QuadMen ans der „schönen Helena" aufspielt, die Bundeslade und andere heilige Gegenstände stehen und eine andächtige Menge — falls sie eben durch diesen profanen Contrast nicht daran gehindert wird — ihre Gebete zum Himmel sendet. Welcher katholische oder protestantische Christ würde die Weihe seines Cultus so weit vergessen, um an einem derartigen Orte seine heiligsten Feste zu feiern? Schon im vorigen Jahre hat der Vorstand der hiesigen Jsraeliten-Gemeinde Protest gegen eine solche Privat-Speculation eingelegt und von der k. k. niederösterreichischen Statthalterei die Zusicherung erwirkt, daß die einmal ertheilte Erlaubniß nur noch für den Herbst 1866 Geltung haben werde. Heuer wurde auch jener Privat-Unternehmer seitens der genannten Statthalterci verständigt, daß seinem Gesuche, den „Sperl" für einige Tage zum Bethaus umzuwandeln, nunmehr keine Folge geleistet werden könne. Trotzdem heißt es jetzt, daß der „Sperl" auch Heuer wieder dieselbe eigenthümliche Metamorphose durchmachen werde, da der Petent an das Staatsministerium, und zwar mit Erfolg, recurrirt habe. Da die Angelegenheit in den Kreisen unserer Glaubensgenossen lebhaft ventilirt wird, so nehmen wir uns die Freiheit, in Ihrem geschätzten Blatte den Cultusvorstand hiemit öffentlich darüber zu interpelliren. Hochachtungsvollst Mehrere Mitglieder der Wiener Jsraeliten-Gemeinde. Allerdings ist es im Grunde die Naivetät des jüdischen Publikums, welche diesen Mißbrauch möglich macht, eine Naivetät, der es gleichgültig ist, wo sie ihr Gebet verrichtet, wenn sie nur Gelegenheit hat, es zu verrichten. Denn die Spekulation des Unternehmers würde, wenn ein anderer Takt im Publikum selbst wäre, auf solche Räumlichkeiten verzichten müssen. Dennoch darf nicht übersehen werden, daß für viele Individuen die Nothwendigkeit entscheidet. Sie müssen zu diesem Feste einen Platz in einem Betlokale haben, und können nicht weiter fragen, wo sie ihn finden sollen. Schädlich ist aber dieser Mißbrauch nicht blos wegen der Unheiligkeit des Ortes an sich, sondern auch weil vielen der Besucher unheilige Gedanken aussteigen werden, bei anderen der ganze jüdische Gottesdienst verächtlich wird. Prag, Ende September. (Privatmitth.) Oesterreich schreitet auf der Bahn des politischen Fortschrittes mit Siebenmeilen - Stiefeln vorwärts. Seit der sächsische Beust an der Spitze der Regierung steht, vergeht kaum ein Tag, an welchem nicht von Maßnahmen zu Gunsten freiheitlicher Entwickelung verlautet. Unlängst wurde von Seite der Regierung mehren jüd. Theologen diesseits der Leitha ein Gutachten bezüglich der Vereinfachung des üblichen sog. Judeneides abverlangt. Es ist erfreulich, daß gerade die hervorragendsten Männer sich zu Gunsten der Vereinfachung ausgesprochen haben. Hoffentlich wird das Ministerium solche Kundgebung von Seite der competentesten Beurtheiler nicht unbeachtet lassen. Jetzt ist der Mühlfeld'sche Entwurf eines neuen Ehegesetzes, giltig für alle Confessionen, an der Tagesordnung. Sollte es hier wiederum zum Abverlangen von Gutachten kommen, so fürchten wir sehr, daß die Meinungen der Gefragten gar sehr differiren werden. Wir behalten uns vor, diesen Gegenstand seiner Zeit in diesen Blättern vom jüd. religiösen Standpunkt aus zu beleuchten. Der Sem.-Dir. Frankel aus Breslau, bekannt!, ein geborner Prager, weilte eine Woche in unserer Mitte und ist von allen Seiten mit gebührender Auszeichnung behandelt worden. Der Gesundheitszustand des Rabb. Rappaport war unlängst Besorgniß erregend, was jetzt, G. s. d.! nicht mehr der Fall ist. Möge es uns vergönnt sein, den verdienten Veteran auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft in unserer Mitte zu behalten! — g. Donaufürstenthümer. Bukarest, 15. Sept. «Privatmitth.) Unter diesem Datum erhielt die Redaktion einen Bericht über den Aufenthalt des Sir Moses Montefiore in Bukarest, den wir hier gern mittheilen würden, wenn die Weitschweifigkeit und die Uebertreibung im Ausdrucke es gestattete. Wir heben daher nur die Hauptpunkte 41

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