Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1867)
- Date
- 1867-10-08
- Page
- Seite 815 (sequence 7)
- Language
- German
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815 Ern sprechender Beweis hiefür ist folgende Thatsache. Jeder Kreis hatte einen Delegirten zur Hauptversammlung abgcordnet. Während die allgemeinen Unternchtsfragcn in der Plenarversammlung, die beiläufig gesagt, aus mehr denn 1000 Lehrern bestand, verhandelt wurden, fanden gewisse wichtige den Verein selbst betreffende Angelegenheiten ihre Berathung und Beschließung im Schooße einer engeren von dem Vertrauen ihrer Amtsbrüder gewählten Delegirten-Versammlung. Die Lehrer des Kreises Mittel-Franken nun wählten Hrn. Bergmann in Roth, den einzigen Israel. Lehrer des ganzen Kreises. Herr Bergmann, der die Wahl annahm, die hiermit verbundene Bestreitung der Reisekosten aus Vereinsmitteln jedoch ablehnte und seine Mission treulich erfüllte, ermangelte nicht, auch das Interesse der israelitischen Lehrer in der Delegirtenversammlung zu tvahren, indem er in Rücksicht auf die Waisenstiftung bemerklich machte, daß aus der mehrmaligen nominellen Erwähnung von „Katholiken und Protestanten" mit Weglassung der „Israeliten" ein Präjudiz gegen die Rechte der israel. Lehrer entstehen könnte, welchem vorgebeugt werden sollte. Cr wurde zwar auf 8. 1 verwiesen, in welchem es heißt: „ohne Unterschied der Confession." Da jedoch dieser 8. 1 mit der anderweitigen ausschließlichen Erwähnung von Katholiken und Protestanten dennoch in Widerspruch zu stehen scheint, so nehmen wir hier Akt von dieser Erklärung der Delegirtenversammlung, daß hierin der genannte Paragraph entscheidend sei. Auch in der Plenarversammlung vertrat Herr Bergmann das isr. Interesse, indem er zu dem — später angenommenen — Anträge: daß der Lehrerverein einen Ausschuß ernenne, der ein der Zeit entsprechendes Lesebuch verfasse, in welchem die confessionellen Lesestücke gesondert in würdig friedlicher Weise abgefaßt würden, seinerseits das Amendement stellte, daß die betreffenden concssionellen Lesestücke jedenfalls von einem Lehrer der betreffenden Confession verfaßt werden mögen, indem er auf Beispiele hinwies, daß, wo confessionelle Lesestücke aus der Feder eines Andersgläubigen geflossen, trotz anerkannter Vorurtheilslosigkeit, dann doch Momente darin Vorkommen, die weder zur Befriedigung des betr. confessionellen Gefühles, noch zur Befestigung des confessionellen Friedens geeignet sind. Wir unserseits hätten es freilich entsprechender gefunden, wenn in dem neu zu schassenden allgemeinen Lesebuch gar kein speciell confessioneller Stoff ausgenommen würde. Am 4. stellten sich die sämmtlichen fremden, hier anwesenden isr. Lehrer, eingeführt von den Lehrern des Distriktes, beim Herrn Rabbiner vc. Hirschfeld vor, wo sie eine recht freundliche und herzliche Aufnahme fanden und eine nicht bloß angenehme, sondern auch fruchtbare Stunde zubrachten. Nach kurzer Conversation hatte nämlich Herr vr. Hirschfcld das Gespräch auf das Thema des Bibel-Unterrichts gelenkt. Es galt die Beantwortung der Frage: welche Anforderungen stellt eine gesunde Pädagogik an den Bibelunterricht, damit derselbe, der Denk- und Fühlsweise des Kindes angemessen, und im Einklänge mit dem allgemeinen Bildungsgänge, dem Kinde eine für das ganze Leben bleibende Liebe und Treue zur Religion Israels einflöße? Es entspann sich hierüber eine förmliche Debatte, in welcher sich das jüdische Bewußtsein, wie die hebräischen Kenntnisse dieser Pädagogen im bestem Lichte zeigten, und fand bei dieser Lehrerversammlung in mice eine neue Methode des Bibelunterrichtes, die Herr Vv. Hirschfeld bereits seit einem Jahre mit außerordentlich gutem Erfolge im hiesigen Rabbinatsdistrikte eingeführt, und worüber ich Ihnen nächstens referiren werde, allgemeinen Beifall. Schließlich muß ich noch bemerken, daß, so würdig die isr. Lehrer Bayerns bei dieser 3. Hauptversammlung qualitativ vertreten waren, so viel quantitativ zu wünschen übrig blieb, was leicht erklärlich ist, wenn man berücksichtigt, daß die materiell noch immer ungünstige Lage der Lehrer diesen nicht unbedenklich außer ordentliche Auslagen gestattet. Auch haben viele jüdische Schulen gegenwärtig keine Vacanzen. Jchenhausen (Bayern), 19. Sept. (Privatmitth.) Bei den stattgehabten Manövern der bayrischen Armee schlug deren Feldzeugmeister Seine königliche Hoheit Prinz Luitpold hier sein Hauptquartier auf. Auch Prinz Otto, Bruder des regierenden Königs, kam bei dieser Gelegenheit hierher, und nahm seine Wohnung bei dem Cultus-Verwaltungsmitgliede Hrn. Banquier Heilbronner, dem auch die Ehre zu Theil ward den Prinzen bewirthen zu dürfen. Unter den herzlichsten Ausdrücken der Zufriedenheit und des Wohlwollens, verließ der junge leutselige Prinz seinen Wirth, bei dem er sich, wie er sagte, ganz heimisch gefühlt hatte. I Prinz Luitpold hatte Sonntag früh die Gewogen-