Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1867)
- Date
- 1867-10-08
- Page
- Seite 812 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tesdienstes eingereicht. Wenn der wesentliche Gedanke derselben auch nicht neu ist, so ist doch wohl öfter dadarauf zurückzukommen, weil er eben noch wenig Berücksichtigung gefunden. Nach einer Einleitung, in welcher er einige Blicke auf die Geschichte des religiösen Gesanges im Tempel zu Jerusalem und in der Kirche wirft, sagt Frank: „Nun und nimmer wäre es dem bis auf den heutigen Tag unerreichten Kirchensänger Palestrina gelungen, seine, wie man sich auszudrücken pflegte, gleichsam von den Engeln dictirten Missas und drgl. als Basis des römisch-katholischen Gottesdienstes zu Nom geltend zu machen, wenn ihm nicht die Riesenkräfte der Sixtinischen Capelle zu Gebote gestanden; gleichermaßen wäre es dem jetzigen protestantischen Laien rein unmöglich beim Betreten seiner Kirche in den Choral ohne Weiteres mit einzustimmen, wenn auch von tausend Orgeln unterstützt, hätte man ihn nicht gleich beim Elementarunterricht hierauf so vorbereitet, daß es ihm schließlich gleichsam zur anderen Natur geworden, und er darin nicht fehlen kann. Ist nun die Schule die vorzüglichste Pflanzstätte den Menschen zu allem Nützlichen, Guten und Edlen heranzuziehen, so kann und darf sie auch diesen Zweig der Veredlung nicht so stiefmütterlich behandeln und gänzlich aus dem Auge lassen. So lange der Gesangunterricht nicht als obligatorischer Unterrichtsgegenstand in die Religionsschule eingeführt wird; so lange man die Waisenknaben, die von den Gemeindemitgliedern unterstützt werden, nicht anhält zu dieser schuldigen und geringfügigen Gegenleistung, beim Gottesdienste nach Kräften mitzuwirken; mit einem Worte: so lange man nicht sucht die benöthigten Kräfte heranzuzichen, so lange wird und kann nie etwas Ersprießliches zur Veredlung des Gottesdienstes geleistet werden, und wenn man auch ein zehnfaches Quartett von Männerstimmen aus bilden und besolden wollte. Das wirkungsvolle Pathos einer gut geschulten Sopran- und Alt-Stimme läßt sich durch nichts anderes ersetzen. Die Religionsschule und das Waisenhaus, diese beiden Gemeindeinstitute allein sind nur im Stande der Mangelhaftigkeit unseres Gottesdienstes abzuhelfen, und demselben die Form zu verleihen, wie wir sie uns wünschen, und deren Herstellung wir von unfern Cultusbeamten erhoffen. Der melismatische oder figurirte Bravourgesang muß in der jüdischen Synagogen beim öffentlichen Gottesdienst dem getragenen, breiten, gleichsam majestätisch-weihevoll einherschreitenden Gesänge Platz machen; weil nach unserm gegenwärtigen ästhetischen Begriffe, ersterer das Gepräge der Schaubühne an sich trägt, und wir einmal die Bühne und den Congreßsaal von dem Gotteshause streng getrennt wissen wollen. Der Jude der Gegenwart, ausgerüstet mit dem Wissen der Neuzeit und mit und in ihr lebend und wirkend, wünscht beim Besuch seines Gotteshauses das vorzufinden, was seiner jetzigen Anschauungsweise und seiner erworbenen ästhetischen Richtung entspricht. Er will statt des Schaukelns und Gesticulirens, eine ruhige, vollständige, einem in sich gesammelten Beter entsprechende Stellung, Haltung des' Körpers und Modulation des Vortrags. Hofft er in der Predigt Erbauung des Gemüths, Erhebung des Herzens, Anregung des Geistes, und wird ihm diese in einem zeitgemäß gebildeten Idiom vorgeführt, so sucht er in dem Vortrage des Vorbeters gleichfalls nicht mehr wie früher Opern - Nachbildungen und die wüste Coloratur der polnischen Triller rc. rc., sondern den erbauenden und erhebend getragenen, von jedem buntscheckigen Tand des weltlichen Gesanges freien religiösen Gesang, der gleichsam die aufrichtige in sich gekehrte Andacht personificirt. (Der Hauptgedanke ist also, daß in allen jüdischen Schulen der Gesangunterricht obligatorisch sei und recht emsig betrieben werde. Hierin hat Herr Frank auch nach unserer Ansicht und Erfahrung vollkommen Recht. Die gottesdienstlichen Melodien müssen von Kindheit an der 'Gemeinde völlig vertraut sein, damit diese zu aller Zeit in den Chor einzufallen, zuletzt selbst Chor zu sein vermöge. Es ist dies eine langsam, aber sicher reifende Frucht. Redakt.) Sinzig, am Rhein. 15. September. (Privatmitth.) Die hies. Synagogenweihe war von einigen Momenten begleitet, welche in der jetzigen Zeit und in der hies. Provinz nicht gewöhnlich sind, und die mir daher geeignet scheinen, in diesem Blatte angeführt zu werden. Wie bestimmt, wurde den 13. Septbr. Nachmittags 4 Uhr das Fest begonnen und der Anfang durch Böllerschüsse verkündet. Der Zug, welchem sich die hies. Honoratioren, die Herren Bügermeister von hier, Re-