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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-01 · Heft 40 (1.10.1867) · p. Seite 799

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 40 (1.10.1867)
Date
1867-10-01
Page
Seite 799 (sequence 11)
Language
German
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m kriege, und da kann man denn von „militärischem Geiste" nicht sprechen, ein Vergleich mit den Römern in militärischer Beziehung ist ziemlich lächerlich. Andrerseits möchten wir den Redakteur des genannten Blattes bitten, den Handels- und industriellen Geist, den er auch als ein Erbstück von den alten Hebräern ansieht, bei diesen nachzuweiscn, da sie im geraden Gegentheil nur Ackerbauer und Viehzüchter waren. Jndeß gestehen wir — die Redaktion der A. Z. d. Jud. — offen ein, daß wir den „militärischen Geist," insofern er nicht die Vertheidigung des Vaterlandes, sondern den Angriff und die Unterdrückung anderer Nationen befaßt, von sehr zweideutigem Werthe halten, und dem Handels- und industriellen Geiste bei weitem den Vorzug einräumen. Insofern fühlen wir uns als Erben des alten Hebräerthums, daß wir den Vertheidigungskrieg als die heiligste Pflicht, den Angriffskrieg als etwas Verdammenswerthes betrachten, und glauben sogar, daß dies eine jener jüdischen Wahrheiten ist, die, Jahrtausende geschmäht und verletzt, doch zuletzt zu Anerkennung und Berwirktichung kommen. — Was aber die Schmähung der jetzigen französischen Israeliten betrifft, die sich der Redakteur Perrot erlaubte, so blieb die Antwort nicht aus. Herr S. May, Mitglied des israel. Consistoriums, erwiederte in einem Schreiben, aus welchem wir Folgendes hervorheben: „Die Zahl der französischen Bevölkerung beträgt 36 Millionen, die der Juden 100,000 Seelen, also 1 Israelit auf 360 Einwohner. Rach dem „militärischen Jahrbuch" begreifen Generakstab, Infanterie, Cavallerie, Artillerie und Geniecorps vom Range eines Colonel biö zu dem eines Hauptmanns einschließlich 8260 Officiere. Unter dieser Zahl gehören 69 der israel. Religion an, also dreimal so viel als das Berhältniß von 1 zu 360, welches nur eine Zahl von 23 ergiebt. Und dazu kommt noch, daß die militärische Carriere für die Israeliten, was Officiere anbetrifft, erst seit der Revolution von 1830 zugänglich ist. Der gewöhnliche Soldat dient der Pflicht wegen; der Officier im Gegentheil bleibt aus Lust zur Sache in der Armee, also freiwillig; und wenn, wie Sie sagen, der artistische, literarische und industrielle Geist der Juden ihnen den Eintritt in die anderen Carrieren erleichtert, so müssen Sie zugcben, daß Ihren Versicherungen entgegen die Lust zum Militärstande bei ihnen stark ausgesprochen ist, da sie dem Heere ein dreimal stärkeres Contingent liefern, als das Berhältniß eines numerischen Vergleichs zwischen der katholischen und israelitischen Bevölkerung ergiebt." Auch Herr Hatzfeld ließ es an der nothwendigen Berichtigung nicht fehlen. 22 Jahre hatte derselbe als Artillerie-Officier gedient, und nur sein im Krimkriege völlig gestörter Gesundheitszustand nöthigte ihn, den Abschied zu nehmen. Mehrere Jahre der Ruhe stellten ihn wieder her, und nun erst dachte er wieder an die Arbeit. Hr. Hatzfeld bringt als Beweis einen Auszug aus einem Schreiben des General Thirh, ehemaligen Oberkommandanten der Artillerie bei der orientalischen Armee. Es heißt darin: „Die von Herrn Hatzfeld geleisteten Dienste sind vom kommandirenden General der Artillerie und vom Ober-General sehr gewürdigt worden und haben ihm das Zeichen der Ehrenlegion, den Medjivie-Orden, sowie den Vorschlag zum Escadron - Chef eingetragen. Krankheits halber, die er sich durch die Anstrengungen im Dienste zugezogen, ist dieser Officier zuerst in das Hospital eingetreten und später nach Frankreich eingeschifst worden." — Von Ferdinand Detaunay, einem der Redacteure der „ü|>inion nationale," erscheint nächstens ein Werk, betitelt: „ffknlvu d'Alexaudrie, Ecrits historiques, influence, lulles et [jersecution des Juit's dans le inomle romain.“ Paris, 20. Sept. (Privatinitth.) Man irrt sich denn doch, wenn man voraussetzt, daß in Frankreich die confessionelle Verschiedenheit keinen Einfluß mehr in den allgemeinen staatsbürgerlichen Verhältnissen übe. Gern gestehen wir, daß im Ganzen die Eigenschaft als Jude weniger störend als in anderen Staaten wirkt; aber das Gewicht der Confession zeigt sich in einzelnen Vorkommnissen doch noch oft genug. Es wurde hier als gewiß angenommen, daß Derenburg der Nachfolger Munks in der Professur der hebräischen, aramäischen nnd syrischen Sprache würde, und Niemand wurde als würdiger und befähigter anerkannt. Aber es ist doch anders gekommen; durch den Einfluß der clerikalen Partei, die Kaiserin Eugenie an der Spitze, wurde die Wahl Derenburgs Hintertrieben und ein christlicher Professor bestimmt, der gelinde gesagt, noch keinen Beweis von seiner Kenntniß jener Sprachen gegeben hat. Dieses Beispiel spricht um so lauter, je mehr es auf einem ganz speziellen Gebiete vor sich gegangen. 40" .

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