Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1867)
- Date
- 1867-10-01
- Page
- Seite 798 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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798 Und als guter englischer Staatsbürger sowohl wie auch im Interesse der Juden in den Fürstenthümern selber mußte sich der edle Greis blos auf einen Besuch in Bukarest beschränken und die Reise nach der Moldau gänzlich unterlassen. Man kann jedoch auch annehmen, daß ihm Fürst Carl und die ihm Zunächststehenden ebenso dringlich von einer Reise nach Jassy abgerathen haben werden, damit das durch Consular- und andere Berichte über die elende Lage in der Moldau entworfene Bild nicht noch durch persönliche Anschauung an düsterem Ansehen gewinne. Daß das ganze Wirken des Sir M. Montesiore, sowie auch allfällige hievon erreichte Resultate nicht zu sehr in die Oeffentlichkeit zu dringen vermochten, läßt sich nach all dem Gesagten leicht erklären. Es verlautet indeß, daß die Regierung bei den nächstens einzuberufenden gesetzgebenden Kammern einen Antrag auf die Gleichberechtigung von 2669 Juden einzubringen beabsichtige. Ich gebe diese Nachricht eben nur als Gerücht wieder, denn es klingt fast wie eine Ironie, von den 506,666 Juden, welche die Fürstenthümer bewohnen und die ihr Heimathsrecht freilich nicht mit den Heldenthaten der modernen oder der antiken Rumänen, wohl aber mit der Einführung des Handels und der Industrie daselbst erkauft, blos 2060 Individuen als befähigt zu erklären, Bürgerrechte und Bürgertugenden ausüben zu können. Frankreich. Paris, im August. Unter den speziellen Pariser Fragen, mit welchen sich die Bevölkerung der französichen Hauptstadt angelegentlich beschäftigt, ist diejenige, welche die Verlegung der Kirchhöfe und die Anlegung eines großen Central-Gottesackers in einer Entfernung von 8—16 Stunden von Paris anbetrifft, wohl geeignet, die Israeliten nicht gleichgültig zu lassen. Man weiß, wie weit ihre Achtung für die Todten geht, eine Achtung, die sich bei ihnen eng an die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele knüpft. Bor einigen Jahren hat sich in Paris ein Verein gebildet, dessen Zweck ist, jedes Mitglied, wie bescheiden auch seine Vermögensverhältnisse seien, vor der Bitterkeit des allgemeinen Grabes zu bewahren, und ihm eine besondere und angemessene Grabstätte zu sichern. Gewiß wird der Plan der städtischen Behörde nicht verfehlen einen großen Einfluß auf diese Gesellschaft auszuüben, auf die Anzahl der schon gemachten Lanvankäufe auf die Ausdehnung des Eintrittsrechtes, welche bestimmt sind gründlich umgeändert zu werden; der israelitische Todteu-Ritus sogar, um einen noch erhabeneren Gegenstand zu berühren, wird jedenfalls auch von dieser Verlegung betroffen werden, schon durch den Transport auf der Eisenbahn und durch die administrativen Bedingungen, die nicht ausbleiben können. Es haben sich also darüber zahlreiche und interessante Fragen aufgeworfen, zu deren Prüfung man sich mit dem Wunsche anschicken muß, wie das intelligente Judenthum es stets gethan, die traditionellen Anforderungen nrit denjenigen des bürgerlichen Fortschritts zu vereinigen. (Arch isr.) Bor Kurzem erschien eine Broschüre von einem gewissen Franz Jacquot, einem Katholiken „Geschichtliche Untersuchungen über den militärischen Geist und die Erziehung bei den Hebräern." Der Redakteur der Zeitschrift: „Moniteur de ln Meurthe“ gab über diese Schrift eine ironische Kritik, nach welcher der Verfasser den Hebräern mehr Kriegskunst und Kriegesruhm als den Römern zuschreibe. Zugleich sprach jener Redakteur den gegenwärtigen Israeliten den militärischen Geist ab, er sagt u. A.: „Man hat oft sogar Ingenieur- oder Artillerie-Offiziere, welche der israelitischen Religion angehören, ihren Abschied nehmen sehen, um zum Handel oder zur Industrie überzugehen, wie z. B. Herr Hatzfeld, der Eigenthümer der mechanischen Sägemühle am St. Gcorgenthor und des prachtvollen Eisendampfers, „der Rhein", den wir neulich die Mosel haben hinauffahren sehen, um von dem Canal zwischen Marne und Rhein Besitz zu nehmen. Der israelitische Stamm ist der einzige, der die Jahrhunderte rein von jeder Vermischung und auch körperlich seinen Original-Typus bewahrend, durchschritten; warum sollte er nicht ebenfalls seinen Charakter und sein Genie bewahrt haben? Run, dieses Genie ist artistisch, literarisch, aber vor Allen commerciell und industriell, keineswegs kriegerisch. Die These Herrn Jacquot ist also ingeniös, aber geht von einem falschen Grundsätze aus. Der Autor hat den Schein für Wirklichkeit angesehen. Wir unsrerseits sind durchaus nicht der Meinung des Herrn Jacquot. Nach der Eroberung des h. Landes haben die Israeliten niemals wieder einen Angriffskrieg geführt, sondern stets nur Vertheidigungs-