Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1867)
- Date
- 1867-10-01
- Page
- Seite 797 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die von Sir Moses Montefiore zur Verbesserung des Looses seiner Glaubensgenossen nach den Fürstenthümern unternommene Reise war mit so vieler Reserve umgeben, daß bisher nichts Bestimmtes über das Resultat derselben in die Oeffentlichkeit zu dringen vermochte. Tathsache ist, das Sir Montefiore die zahlreich an ihn ergangenen Einladungen, die Häuser seiner reicheren Glaubensgenossen in Bukarest und Jassy als Absteigquartier zu benützen, beharrlich ausschlug, und ungeachtet aller von den ehrgeizigen Finanz-Matadoren der gedachten Städte angewendeten Mühe zu Drath und Feder, es vorzog, in Bukarest in einem Gasthause abzusteigen, was jedenfalls höchst weise gehandelt war. Sir M. Montefiore sollte jedoch auch, seinem vorher angekündigten Entschlüsse zufolge, nach Jassy kommen, um sich speziell von der Lage der Juden in der Moldau, wo dieselben die meisten, fast alle Verfolgungen zu erdulden hatten, zu überzeugen, und es mußte daher umsomehr überraschen, ihn diesen Entschluß nachträglich ausgebcn und direct nach England zurückkehren zu sehen. Es hieß anfangs, daß sich derselbe dadurch von der Reise nach der Moldau habe abhalten lassen, weil man ihm von der Roheit und dem Judenhasse des Jassher Pöbels derartige Vorstellungen gemacht, daß er für seine Person selbst besorgt zu werden angefangen habe; doch der wahre Grund lag nicht darin. Kurz vor der Abreise Montefiore's nach den Fürstenthümern ertheilte Lord Stanley, wie ich aus bester Quelle weiß, an sämmtliche daselbst residirende Consuln, namentlich aber jenem von Jassy, den Auftrag, die ausführlichsten Berichte über die Lage der Juden in den Fürftenthümern einzusenden. Nun ist cs aber eine Sache der Unmöglichkeit, über die Lage der 300,000 in der Moldau zerstreut wohnenden Juden zu schreiben, ohne auch über jene der moldauischen Christen, über die Bevölkerung im Allgemeinen zu sprechen, selbst wenn man von der Solidarität der Interessen absehen wollte, welche die Bekenner der einen an Jene der anderen Confession knüpft; ist man dem verstanden wird, ersucht ihn der Präsident seine Vorschläge zu Papier zu bringen und dem Bureau zu übergeben. (Schallendes Gelächter.» „Redner verläßt endlich ganz consternirt die Tribüne." Redaktion. nun einmal daran, die hiesigen Zustände zu schildern, so muß selbst der schönsärberischeste aller offiziellen Berichte Grau in Grau schillern. Bringt man noch dazu britische Wahrheitsliebe in Anschlag, so wird man sich leicht eine Idee von der Beschaffenheit der Berichte machen können, welche die englischen Consuln in der Moldau ihrer Regierung eingesendet haben werden. Bei aller Theilnahme aber, die die englische Regierung den Leiden der Juden in den Fürftenthümern zuwenden mochte, hatte sie es doch nicht über sich bringen können, in Anbetracht der gegenwärtigen politischen Constellation und ihrer eigenen Stellung zu diesem Lande, ihre politischen Interessen - den Gefühlen der Menschlichkeit zu opfern. Und hätten es übrigens die anderen garantirenden Mächte gethan? Oder hätte es sich überhaupt anders machen lassen, ohne diesen Gegenstand gleich zu einer „Frage" i„ partibus in der orientalischen Angelegenheit zuzuspitzcn? — Auf eine gründliche Verbesserung der Lage der Juden in den Fürftenthümern dringen, wäre mit einer gründlichen Untersuchung der inneren Lage des Landes gleichbedeutend gewesen, wobei man wieder nicht hätte umhin können, auch den Klagen der Moldauer über die einseitige Ausnützung der Union seitens der Walachen ein Ohr zu leihen, und das Endresultat von allem hätte dann voraussichtlich eine bewaffnete Intervention sein müssen, weil die Rumänen nur dann Raison anuehmen, wenn man ihnen dieselbe an der Spitze eines Zaunpfahls reicht. Obgleich nun der diesbezügliche Passus in den Verträgen von London weder von Christen noch von Juden, sondern nur von den Bewohner n der Moldau-Walachei spricht, so wenig Ursache die Rumänen auch haben, auf ihre historischen Rechte zu pochen, so konnte man aus all den vorhin angeführten Gründen bei der Regierung des Fürsten Carl doch nur durch diplomatische Noten wirken, die sich indeß nie bis zum hohen 0 verstiegen, denn an dem mit so vielem Scharfsinne aufgeführten Kartenhausc durfte man schon des Beispiels halber nicht allzu kräftig rütteln und die Moldo-Walachen, dieses Umstandes bewußt, fuhren daher fort, die ihnen so verschwenderisch eingeräumten Freiheiten wacker zu mißbrauchen. In diesem Sinne nun mögen die Anempfehlungen und Unterweisungen gelautet haben, die Sir M. Montefiore mit auf den Weg nach Bukarest bekam 40