Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1867)
- Date
- 1867-10-01
- Page
- Seite 794 (sequence 6)
- Language
- German
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794 Übung feine Beschränkung erleidet: Zürich, Luzern, Glarus, Baselland, Appenzell A. Rh., Thurgau; zusammen 4 Kantone und 2 Halbkantone. Kantone, in denen kein diesfälliges Gesetz besteht und erst eintretenden Falles darüber entschieden werden wird: Uri, Obwalden, Nidwalden, Zug, Freiburg, Appenzell I. Rh.; zusammmen 3 Kantone und 3 Halbkantone. Vergleicht man diese Angabe mit den Noten, welche der Amerikanische Gesandte Jay vor jetzt 10 Jahren gesammelt hat, so sieht man, welche ungeheuren Fortschritte die Eidgenossenschaft in Hinsicht auf Cultus und Glaubensfreiheit in dem letzverflossenen Decenninm gemacht, und wie die Stellung der Israeliten in der Schweiz eine andere und bessere geworden ist. Kayserling. Literarischer Wochenbericht. Neu-Berbaß, l l. September. Die 1. Auflage der ungarischen Uebersetzung der bekannten Brochüre Dr. L. Philippson's: „Haben die Juden wirklich Jesum gekreuzigt?" ist, wie mir mein Buchhändler anzeigt, bereits vergriffen. Oberrabbiner Löw macht im ,,IIon“ vom 3. d. M. die allseitiges Interesse erregende Mittheilung, daß er an einer Geschichte der ungarischen Juden arbeite. „Mit der Votirung des Emancipationsgesetzes," bemerkt der gelehrte Verfasser in der vorläufigen Ankündigung dieses seines Werkes, „wird für die ungarische Judenheit eine neue Aera beginnen. Mit der Landesuation sowohl in politischer, als auch in socialer Beziehung verschmelzend, kann die ungarische Judenschaft weiterhin blos eine Kirchen geschichte haben.*) Demzufolge halte ich die Zeit für gekommen, daß die Vergangenheit der nngar. Juden getreulich, den Anforderungen der Geschichtswissenschaft entsprechend, vom Standpunkte der *) Dies ist wohl etwas zu viel gesagt. Vis jetzt hat die Emaueipation der Juden mit ihrem Wortlaut im schriftlichen Gesetz selbst die politische Geschichte der Juden in keinem Staate abgeschlossen, es giebt immer noch eine Geschichte dieser Emaueipation selbst; die Culturgeschichte hat ihre Fäden noch weit über ein solches Ereigniß hinaus zu verfolgen, und selbst für die Geschichte des religiösen Lebens ist der Ausdruck „Kirchengeschichte" viel zu eng. Die Redaktion. Gesetzgebung, der bürgerlichen Gesellschaft und der allgemeinen Cultur geschildert werde." Ferner: „die geschichtliche und wissenschaftliche Kenntniß der jüdisch-religiösen Zustände ist um so nothwendiger, je lebhafter die Bewegung ist, welche sich auf diesem Gebiete heutzutage zeigt. Diese Bewegung steht mit der Emancipation in keinerlei Verbindumg, und jetzt anerkennt bereits Jedermann, daß all' diejenigen fehl gingen, welche in den 4 0er Jahren die religiöse Reform als Bedingung der Emancipation betrachteten. Das ist heute bereits ein überwundener Standpunkt. Nichts destoweniger verdient die religiöse Bewegung inmitten der ungar. Judenheit rege Aufmerksamkeit, u. z. ebensowohl hinsichtlich ihres Ursprunges, als auch ihrer Folgen; denn diese lebhafte, hier und da mit leidenschaftlicher Reibung verbundene Bewegung ist ein Ereigniß der verschiedenen Tendenzen und Regungen unserer Zeit, und andererseits ist es nicht denkbar, daß die ungarische Synagoge ohne die gründliche und erschöpfende Kenntniß dieser Prämissen jemals zweckentsprechend organisirt werde." Schließlich ersucht der geschätzte Verfasser, sein Unternehmen durch Zusendung von bezüglichen Dokumenten, Flugschriften u. dgl. zu fördern. Der 1. Theil des Werkes wird sogleich nach Verkündigung der Emancipation erscheinen, ob in deutscher oder ungarischer Sprache ist nicht angegeben. Das 1. Heft der 2. Auflage des „Beih el“ (Ehrentempel verdienter ungarischer Israeliten) vonÄgn. Reich, Hauptschullehrer in Pest, ist jüngsthin erschienen. Die Lektüre dieses Werkes ist nicht nur für die ungarischen Israeliten von Interesse. Der wackere Oberlehrer I. I. Rosenmeyer, Mitarbeiter dies. Bl. — dessen in ungarischer Sprache erschiene biblische Geschichte für Volksschulen große Verbreitung gefunden — ist nun mit einem „Handbüchleiu zmn Unterricht in der deutschen Sprache" vor die Oeffentlichkeit getreten. Dasselbe ist für die erste Stufe des Sprachunterrichtes berechnet, und verräth in seiner Einrichtung den praktischen Schulmann. Da derartige, anschaulich gehaltene Leitfäden für Anfänger nicht eben in großer Anzahl vorhanden sind, so läßt sich dem Büchlein eine starke Verwendung prognosticiren. Erschienen ist dasselbe im Verlage des Buchhändlers A. Löwy in S. a. Ujhely. Ladenpreis 20 Nkr., bei größern Bestellungen 25° o und gegen baar bei 100 Exp. 3 313 % Rabbat. Zu dem die Fahne des Fortschrittes schwingenden