Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1867)
- Date
- 1867-10-01
- Page
- Seite 791 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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791 Sehen wir nun noch die. anderen Stellen .*) Es folgt Jes. 43, 3: „Denn ich, der Ewige, bin dein Gott, der Heilige Israels, dein Retter, ich gab Mrzrajim als dein Lösegeld hin, Cusch und Seba statt deiner." Wer die Stelle im Zusammenhänge ließt, sieht, daß sie ihrem wahren Sinne nach nichts sagt, als: Cyrus wird die mächtigsten Nationen besiegen und dadurch auch die Möglichkeit haben, Israel aus der Gefangenschaft wieder in das h. Land znrückziehen zu lassen. (Vgl. 45, 14.) Die ersteren fallen, und Israel erhebt sich wieder. Diese Fügung ist das Werk der göttlichen Vorsehung. Dies ist in jenen Worten figürlich, ja hyperbolisch ausgedrückt. Dem Siege des Cyrus ist die Bedingung gestellt, daß er Israel freiläßt, und dafür werden die mächtigsten Nationen ihm preisgegeben; „dafür" das „Auslösungsgeld," das für die Freiheit oder das Leben gezahlt wird, wie 4. Mos. 35, 31. 2. Mos. 21, 3 0. In dem Falle großer Völker und Staaten liegt ein Selbstzweck, ein Gericht über ihre Entartung, ihre Tyrannei, ihren Verfall. In der Verknüpfung der Geschicke liegt aber auch, daß durch diesen Sturz andere Nationen frei werden, und wer könnte hierin nur eine „Stellvertretung" der einen als Strafopfer für die Sünden der anderen finden, wenn nicht an der Hand vorgefaßter Meinungen? — Diese Stelle führt nun zu einer andern, die von den christologischen Dogmatikern als Hauptstelle, von den rationellen nur ungern angeführt wird: Jes. 53, 4 ff. Wir wollen hierbei auf die einzelnen Worte nicht eingehen, denn man kann diese nicht verstehen, bevor man nicht zum Verständniß des Ganzen gekommen ist. Es ist dies die vierte Rede (52, 13 —15 und Kap. 53). Der Prophet bemüht sich in diesen Reden alle Einwände gegen die Rückkehr Israels zu entkräften. Er hat an die Macht Gottes und die Nichtigkeit aller Furcht vor den Menschen erinnert, daß die Verbannung Israels nur Folge von dessen Sündhaftigkeit gewesen, Gott es aber niemals ganz verstoßen habe, indem es noch immer ist, und endlich daß der Beruf Israels, den Völkern die Erkenntniß des Einzigen zu bringen, vollführt werden müsse. Wies man nun hiergegen auf den Druck, die Verachtung und tiefe Erniedrigung Israels hin, womit doch diesem Berufe gänzlich widersprochen werde, so erklärt der Prophet in der uns *) Die Stelle Spr. Sal. 21, 18 ist als durchaus nicht zutreffend von den christlichen Dogmatikern selbst aufgegeben. vorliegenden Rede: daß die gegenwärtige Erniedrigung Israels nothwendig zur Erfüllung jenes Berufes sei, weil die Erhöhung dieses erniedrigten, die Verherrlichung vieses verachteten und mißhandelten Volkes den Völkern die Erlösungskraft des Einzigen, den Israel anbetet, so klar, so überraschend vor Augen stellen wird, daß sie sich zum Einzigen bekennen werden. Dann werden die Völker glauben, daß die Leiden Israels nur stattgefunden, damit die Völker hieraus die Erkenntniß der Wahrheit ziehen können; sie werden Israel als den Märtyrer der Wahrheit ansehen und verehren. Diese Anschauung der Völker nach ihrer Bekehrung schildert der Prophet in den citirten Versen. (S. die ausführliche Erörterung in unsrem Bibelwerke, im Commentar zu 52, 13 ff.) Auch hier ist demnach nicht von einer objektiven Anschauung die Rede. Die Leiden Israels hat der Prophet nachdrücklich genug in ihrem Selbstzwecke, die Israeliten für Abfall und Entartung zu strafen und durch diese Strafe zur Umkehr und zur Läuterung zu bringen, hervorgehoben; in der vorliegenden Stelle betonte er den zweiten Zweck, durch diese Leiden, deren standhaftes und gottgetreues Ertragen und endliche Lösung die Völker zur Erkenntniß Gottes zu bringen und wie zuletzt die Menschheit zur Einsicht in die Wege der göttlichen Vorsehung und Vergeltung kommt. Wenn daher der Prophet hier die Völker sagen läßt, daß Israel die Leiden für sie getragen, so sagt er damit durchaus nicht, daß Israel für die Sünden der anderen Völker gestraft worden sÄ, sondern damit sie Belehrung daraus schöpfen und zur Erkenntniß gebracht werden. — Endlich glaubt man auch „die Vorstellung einer Übertragung der Schuld" im Pentateuche selbst zu finden, und zwar in der 5. Mos. 21, 1—9 vorgeschriebenen Ceremonie, wenn man auf dem Felde einen Erschlagenen findet, und der Thäter ist unbekannt, besonders in Vers 8. Allein Nichts ist ferner hiervon. Für alle Arten des Mordes sollte eine gesetzliche Bestimmung vorhanden sein, um dem Volke einen tiefen Abscheu gegen Mord und Todtschlag einzuflößen: für den vorsätzlichen Mörder die gerichtliche Todesstrafe, für den unvorsätzlichen Todtschläger die Juternirung des Thäters in einer der Freistädte bis zum Tode des jeweiligen hohen Priesters, für den Mord, dessen Thäter unbekannt, diese Ceremonie. Diese bestand weder in einem Opfer, denn es wird kein Ausdruck, der Opfer bedeutet, von der jungen Kuh, deren Genick gebrochen wird, gebraucht, sie wird nicht geschlachtet, nicht verbrannt und von ihrem Blute nicht gesprengt, 40*