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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-09-24 · Heft 39 (24.9.1867) · p. Seite 786

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 39 (24.9.1867)
Date
1867-09-24
Page
Seite 786 (sequence 18)
Language
German
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786 diese herrliche Gestalt ausgegoffen war, und sie noch verschönte und erhob. Zögernd antwortete er: „Was meinst Du, liebe Amalie?" „Komm, ich will es Dir zeigen." Hiermit geleitete sie ihn zu einem prächtigen Schranke, der in der Mitte an der entgegengesetzten Wand des geräumigen Zimmers stand, und ein wahres Kunstwerk im Rococostyle war, mit trefflicher Holzschnitzerei und buntfarbigem Lack, der tausendfach verschlungene Figuren und Arabesken in ein glänzendes Licht treten ließ. „Siehe," sagte sie, „dies ist mein Heiligthum, das ich noch Niemandem gezeigt, als jetzt dem Blicke dessen, den mein Herz zum Gefährten meines Lebens, zum Genossin meines Wollens und Vollbringens erkoren hat!" Mit diesen Worten schloß sie den Schrank auf, und öffnete dessen Thüren. Dem begierigen Blicke des jungen Mannes zeigte sich ein dichter Vorhang aus schwerem Seidenstoffe, den die Hand Amaliens alsbald zurückzog. Er sah dann in einem kostbaren Rahmen das Bild eines meerbespülten Landes, das sich von Süden nach Norden zog, ostwärts von hohen, auf einigen Gipfeln mit Schnee bedeckten Bergen begrenzt, von einem Strome durchzogen, dessen Lauf zwei Seen durchschnitt und in einen größeren mündete. Der junge Mann überschaute das Bild prüfend und rief dann aus: „Ah, das ist ja eine herrliche Reliefkarte von Palästina!" „Sage niche Palästina," fiel ihm Amalie ins Wort, „sage des heiligen Landes! dies ist der Name, der ihm gebührt! Ist es nicht das Land, nach welchem Mose sehnsüchtig von der Höhe des Nebo schauete; das Land, auf welchem die gottbegeisterten Seher und Propheten gewandelt? Ist es nicht das Land, das Gott selbst unserm Urahn verheißen für alle Zeiten seiner Nachkommen, als dessen Sohn gebunden auf dem Altar lag? Für alle Zeiten, und siehe, die Nachkommen dieses Abraham bestehen noch. Ja, es ist das Land, in welchem die Sonne der Erkenntniß unserm Volke aufgegangen, die Sonne des Rechtes und der Liebe — aber sie ist immer noch von düsteren Wolken bedeckt, von Regen- und Gewitterwolken verhüllt, durch die ihre Strahlen nur theilweise dringen, und sich über die Völker der Menschheit ergießen. Aber siehe," und ihre Stimme erhob sich immer mehr, „unsere Nation steht hinter den Wolken, und sieht die ganze Sonne, wenn auch Viele von uns, von dem Glanze geblendet, die Augen geschlossen halten, oder von der Sonne sich abwenden und ihr den Rücken zukehren! Wehe, wenn sie es Alle thätenl Und sie werden es thun, und auch ihre Geister von der Wolkennacht verfinstert werden, wenn sie sich erst ganz unter die Völker verloren, und kein starker, mächtiger Stamm derselben in diesem Lande wohnt, das allein die Sonne des Herrn beleuchtet. Oh, die dunkle Nacht, die sich alsdann über den ganzen Himmel spannen wird! Die Völker wisien es wohl, und strecken darum alle voll Verlangens ihre Hände nach diesem Lande aus und beugen sich vor ihm voll Ehrfurcht — aber was nützt dies? Bringen sie doch alle ihre Finsterniß mit sich, mehr oder weniger von einigen Lichtstrahlen durchzittert." . . . Der junge Mann stand erstaunt und betroffen da, lauschte jedem Worte des Mädchens, und konnte doch einen rechten Sinn und ihre eigentliche Bedeutung nicht finden. Amalie achtete aber hierauf nicht, sondern fuhr nur noch begeisterter fort: „Ja, mein Geliebter, dahin möcht' ich, dahin will ich, dahin muß ich mit Dir ziehn! Mit Dir vereint muß mein Fuß diesen geheiligten Boden betreten, mein Auge sich berauschen an dem Anblick seiner geweihten Stätten, mein Ohr horchen auf den Gruß von Jenseits der Zeiten und der Erdenhöhen, der durch die Lüfte dieses Landes mir zurauscht. Da werden unsere Geister sich erheben, und in ihrem ewigen Bunde das Wort des Herrn vernehmen und den Ruf, den er an uns ergehen läßt. Und ich kenne diesen Ruf. Meine zitternde Seele hat ihn bereits empfangen. Mein Geliebter, dies ist es, was mir vom Gotte unserer Väter zum Werke des Lebens bestimmt ist, und mit mir Dir — dazu hat er uns in dieses Dasein gerufen, dazu mit Kraft und Fähigkeit ausgerüstet, nur unseren Willen müssen wir Ihm unterthan machen: von unserer Nation einen guten Theil nach dem geheiligten Erbe der Väter, nach den lichtbestrahlten Gefilden, hier ein Jeder unter seinem Feigenbaum und seinem Weinstock wohnend, den Namen des Ewigen anzurufen, und in seinen Wegen zu wandeln, ihm zu dienen mit ganzem Herzen und ganzer Seele — ja, die Standarte des Ewigen aufzurichten für alle Völker, sein Panier einzupflanzen für alle Nationen, seine Fahne zu schwingen vor allen Menschenheeren. . . Dies wollen wir, theurer Mann, und wir vermögen es im Geiste des Herrn, mit dem er uns begnadigen wird!..." Es ist nur ein schwacher Nachhall ihrer Worte, den ich hier wiederzugeben vermag aus den Aufzeichnungen dessen, an den sie gerichtet waren. Ferdinand vernahm sie, aber wußte nicht, was er daraus machen sollte. Er verstand sie, aber begriff sie nicht. Wie ein Vogel, der in einer gewitterschwülen Luft hin und her flattert, bald zur Höhe sich hebt, bald sich niedersenkt, wie von der Ahnung großer Gefahr ergriffen, während Stille und lautlose Ruhe noch um ihn herrscht: so war es dem armen F., als er auf die begeisterte Rede Amaliens hörte. Es war ihm alles dies so neu, so unerwartet, erschien ihm so geistvoll und doch so sinnlos, so erhebend und zugleich so niederschmetternd, daß er wie betäubt war und nach Fassung rang. „Amalie!" stammelte er, als sie geendet, „ich verstehe Dich nicht, was willst Du?" „Was ich will?" erwiderte sie mit bestimmtem, nachdrucksvollem Tone. „Du hast es gehört. Hier ist meine Hand," unv sie streckte sie ihm entgegen, „Du willst sie zu der Deinen machen, hier ist sie, aber hiermit gelobest Du Dich auch Dem zu, was mir zur Aufgabe und zum Inhalte meines Lebens gemacht ist, hiermit wirst Du dem hohen, heiligen Zwecke ebenso angehörig wie ich, zu dem wir berufen sind. Ja, vor diesem Bilde des geheiligten

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