Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1867)
- Date
- 1867-09-24
- Page
- Seite 780 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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780 Advokateneides von Seite israel. Advokaten im Gebrauche ist, so daß sie nämlich auch ohne Intervention des Rabbiners, aber jedenfalls mit bedecktem Haupte und auf der Thora liegender Hand den Eid ablegen und ihre religiösen Gebräuche beachtet werden sollen." Also im ganzen der Eid more judaico in optima forma. Werden die, eine ganz einfache Eidesformel — ohne ceremonielle, den Eid der Juden im Gegensätze zu dem der Christen verschärfende Zuthat — empfehlenden Gutachten erster jüdischer Capacitäten von jenseits der Leitha, wie z. B. der DDr. Jellinek und Kämpf von der transleithanischen Regierung berücksichtigt werden, so dürfte unsere Landesregierung von einer weitern Gutachteneinforderung absehen, und in Eidessachen zwischen Juden und Nichtjuden ebenfalls keinen Unterschied mehr machen. Wie dem „Pi Ll." aus Komorn berichtet wird, fand beim dortigen Comitatsgerichte am 9. d. M. eine Anticipirung der auf die Eidesangelegenheiten zu erhoffenden liberalen Verfügung statt. In einer zwischen dem Aerar und Privaten abzuwickelnden Angelegenheit hatte nämlich ersteres auch einen Pester Israeliten, Herrn Neuschloß, zum Vertrauensmann gewählt. Die Experten, eine größere Anzahl Herren, sollten beeidigt werden, da wurde der dortige israel. Prediger, Hr. Schnitzer ins Comitatshaus beschicken, um Herrn N., dem einzigen Israeliten unter den Vertrauensmännern, den Eid more judaico abzunehmen. Der genannte ehrwürdige Prediger trat jedoch vor den Vicegespan, Herrn Ord ödy, mit der Bemerkung, daß er stets nur mit Widerstreben einer solchen Aufforderung gefolgt sei, weil er damit gleichsam die Hand zur Zurücksetzung feiner eigenen Confefsion biete. „Heißt es nicht," sagte Herr- Schnitzer unter anderem, „die Ehrenhaftigkeit des Israeliten in Zweifel ziehen, wenn man dessen Eid nur dann für wahr hält, wenn fein Priester ihm Furcht einjagt? Erkennen wir nicht Alle Gott, den »Schöpfer des Weltalls an? Im Namen dieses Gottes beeiden Sie ihn! Neben Sie einen Akt der Freisinnigkeit und anticipircn Sie das Gesetz der Gleichberechtigung, das die Zukunft bringen wird, bringen muß." Der Herr Vicegespan gab mit freundlichster Bereitwilligkeit diesem Ansuchen Folge, und wurde Herr dt. ebenso wie die andern Herrn, von dem Richter beeidet. — Georg Urhäzi, gewesener Deputirter, gegenwärtig Mitredacteur des politischen Journals „Esti lap“ (Abendblatt), welcher im I. 1865 vor den Wählern des Zsibser Bezirkes (Mittel-Szolnoker Comit.) Mit vollster Unumwundenheit und größter Wärme die Nothwendigkeit der schnellen Votirung der Judenemancipation betonte (siehe Jahrg. 1865 S. 772 d. Bl.), ist nun daselbst zum Deputirten erwählt worden. Gegen Carl Rath, den in diesen Blättern bereits rühmlich genannten bisherigen Deputirten der Josefstadt in Pest, welcher anläfslich seiner Ernennung zum Anwalt der Krone sein Mandat nieder gelegt hatte, jedoch wieder als Candidat auftrat, erhielt Ludwig CsernLtoni (Tschernatoni!, Mitredacteur des „klon" und energischer Fürsprecher der Gleichberechtigung, bei der vor wenigen Tagen stattgefundenen Neuwahl die Majorität. Ein herzliches Glückauf den beiden neuerwählten, echt liberalen Volksvertretern Urhäzi und Csernütoni! Neben den Vertheidigern der Juden entstehen auch noch immer einzelne Ankläger. Bekanntlich sähen es die Magyaren gerne, wenn die Israeliten hierzulande sich magyarisiren würden, und wirklich wird der ungarischen Sprache seitens der Juden große Pftege zugewendet, besonders in den Schulen. In vielen derselben ist die Unterrichtssprache einzig und allein die ungarische; hier, wo die Einwohner ausschließlich Deutsche sind, werden in der obern Classe bereits mehrere Lehrgegenstände in ungarischer Sprache vorgetragen; ja selbst in Gegenden, wo die Kinder von den Bewohnern ihres Geburtsortes nie ein ungarisches Wort sprechen hören, wie in den Comitaten mit überwiegend slavischer Bevölkerung, wird in den jüdischen Schulen die ungarische Sprache gelehrt, und dennoch die stereotype (unfern-ausländischen geschätzten Lesern gewiß sehr lächerlich erscheinende; Beschuldigung: Die Juden — gehen zu wenig ins ungarische Theater!! Ein solcher Vorwurf bildet seit Wochen den Gegenstand einer ausgebreiteten Journalpolemik. Herr Feleki, Mitglied des Pester Nationaltheaters, ließ es sich nämlich bei Gelegenheit seines Gastspieles in Nagy Käroly einfallen, gegen die dortigen Juden auf offener Bühne obigen Tadel anszusprechen, mit der Hinzufügung, daß die Israeliten bei Beanspruchung von Rechten, die sie wohl bald erhalten werden (Bravo, Herr Schauspieler!!), auch Pflichten gegen das Land haben, ergo — müssen sie Hrn. Feleki's Benefizvorstellung massenhaft besuchen, was sie leider nicht gethan. Herr F. wurde von der Presse tüchtig herabgekanzelt, wollte sich entschuldigen, wurde jedoch nochmals allgemein verurtheilt und still gemacht. Selbst „Pesli Naplu,“ welches früher, so voriges Jahr, während der Badesai-