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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-09-24 · Heft 39 (24.9.1867) · p. Seite 778

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 39 (24.9.1867)
Date
1867-09-24
Page
Seite 778 (sequence 10)
Language
German
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778 waltthätigste und suchte ihnen alles Mögliche abzupres-- sen. Man schreit nach Gesetzen, durch welche es allen Juden unmöglich wird, hier zu existiren. Hieraus kann man entnehmen, daß uns unter den jetzigen Umständen hier nicht zu helfen ist. Versprechungen des Fürsten und einzelner Minister reichen nicht aus. So schmerzlich es mir wird, so halte ich es doch für meine Pflicht, Illusionen hierüber nicht gelten zu lassen, und muß offen sagen, daß die Ankunft und hochherzige Wirksamkeit Crsmieux' so wie jetzt Montefiore's die Signale zum Ausbruch gegeben haben. Die Feindseligkeiten gegen die Juden wurden dadurch erst recht zu thatkräftiger Ausführung geweckt. Nach den Versprechungen, welche die Deputaten Crömieux gemacht, brach der Sturm gegen die Synagoge los und die damaligen Minister mußten sich durch die Fenster der Deputirtenkammer retten; seit der Ankunft Montefiore's ist die Gährung reger als je, und man will jetzt durchaus die gesetzliche Erdrückung der Juden. Es bleibt uns daher nichts weiter übrig als die Auswanderung; zu dieser rüsten sich bereits mehrere, und zwar die begütertsten Familien, die nicht etwa seit Jahrzehnten, sondern wie es urkundlich nachgewiesen werden kann, seit Jahrhunderten in Bukarest angesiedelt sind. Daß hiermit dem Lande ein großer Schaden zugefügt, dem Volke viele Existenzmittel genommen werden, sehen freilich die gegenwärtigen Lenker des rumänischen Staates nicht ein, oder wenn sie es einsehen, haben sie der Anarchie des Volkes so vielen Vorschub geleistet, daß sie sich dieser beugen müssen. Wien, 13. Sept. Sir Moses Moutefiore hat auf der Heimreise Wien passirt. Wie er versichert, habe er gute Erfolge erreicht. Gegen den Rabbiner Horwitz Hierselbst äußerte er die Absicht, ein Asyl für arme jüdische Gelehrte aus allen Ländern der Erde in London gründen zu wollen. Andrerseits wird hier berichtet, daß Crsmieux nach Bukarest reisend hier durchgekommen sei. Paris, 6. Septbr. (Privatmitth.) Die Judenverfolgung in Rumänien hat die Presse in den jüngsten Monaten so vielfach beschäftigt, daß es bald an der Zeit wäre, die Akten darüber zu schließen, und doch darf, um sowohl dem Grundsätze audiatur et altera pars gerecht zu werden, als auch der Vollständigkeit des Materials wegen, eine Stimme nicht überhört werden, welche sich zur Bertheidigung Rumäniens vernehmen läßt. In dem „Siöcle" von gestern, tritt nämlich ein vornehmer Rumäne, I. I. Heliade Rad ule sc, als Vertheidiger seiner Heimath auf, und behauptet, daß nicht religiöser Fanatismus, sondern moralische und politische Gründe, die Maßregeln der jüngsten Zeit hervorgerufen haben. Die Juden, meint er, wurden in Rumänien immer mit der größten Toleranz behandelt. Der Artikel 21 der rumänischen Constituüon von 1848 fordert die völlige Emancipation der Israeliten und die Gleichheit der politischen Rechte für alle Bürger aller Confessionen. Hörte auch mit der Besitzergreifung Rußlands die Constitution und somit die Gleichstellung der Israeliten auf, so doch nicht der Geist der Toleranz, der zu tiefe Wurzeln gefaßt hatte?) Radulesc erinnert daran, daß die rumän. Schulen den Israeliten stets geöffnet waren und sie auch, wie auch heute in Preußen, als Lehrer zugelassen wurden. Wer kennt nicht den trefflichen vr. Barasch, der als Professor am Lyceum St. Sarva, als Lehrer an der medicinischen Schule und als Arzt am Kinderhospital in Bukureschti (der eigentliche Name für das gebräuchliche Bukarest) wirkte? Als wir den Schmerz hatten, ihn zu verlieren, standen mehr als 2000 Personen an seinem Grabe und ein rumänischer Geistlicher hielt ihm die Leichenrede. Ich habe sieben Jahre mit mehreren jüdischen Schülern das Lyzeum St. Sarva besucht, unsere Freundschaft wurde nie gestört, ihre Religion war nie Gegenstand des Spottes, wir liebten uns wie Brüder. Die rumänische Regierung hat sich jeder Zeit human gegen unsere israelitischen Mitbürger benommen und schickte so gut Israeliten wie Rumänen ins Ausland, namentlich nach Paris; ich erwähne nur die Herren Lazar, Loebel und Montcrean. Mehrere Israeliten nehmen Lehrstühle an unseren Schulen ein, mehrere bekleiden öffentliche Stellen, viele sind Aerzte und genießen, so sie tüchtig sind, dasselbe Vertrauen wie die rumänischen Aerzte." Verdienste um den Staat wurden bei Israeliten ebenso wie bei Rumä- *) Das ist etwas stark! Als vor einem Jahre die Gleichstellung in der rumän. Kammer votirt werden sollte, sprengte der Pöbel auf Betrieb der Radicalen die Kammer und zerstörte die Synagoge. Red.

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