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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-09-17 · Heft 38 (17.9.1867) · p. Seite 767

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 38 (17.9.1867)
Date
1867-09-17
Page
Seite 767 (sequence 19)
Language
German
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767 aöö si*man Der Athener bemühte sich vergebens hinter das Geheimniß zu kommen, und mußte nun der fröhlichen Jugend seine Kleider zurücklassen. Schnell machte er sich hierauf auf und klagte die Kinder bei deren Lehrer, R. Jochanan, an. Welch miserable Erziehung herrscht hier zu Lande, rief er boshaft. Besucht ein Fremder oder Gast eine Schule, so ziehen ihm die Schüler die Kleider vom Leibe herab! Gemach, guter Freund! sagte der Lehrer. Gewiß haben Dir die Kinder ein Räthsel aufgegeben, welches Du nicht lösen konntest. So ist's, sagte der Fremde beschämt. Laß mich also die Aufgabe hören und ich werde Dir schon Rath verschaffen. Der Athener legte nun dem Lehrer das Räthsel vor und theilte ihm die Aufgabe mit. Neun ziehen ein, dies sind die neun Monate der Schwangerschaft; Acht ziehen aus, dies sind die acht Tage der Beschneidnng; Zwei schenken ein: die Mutterbrüste; Einer trinkt: der Säugling; Bierundzwanzig bedienen, dies sind die vierundzwanzig Monate, wo das Kind von der Muttermilch genährt wird. — Triumphirend eilte der Athener in das Schulhaus mit der gefundenen Auflösung, um seine Kleider wieder in Empfang zu nehmen. Spöttisch gaben ihm die Kinder die Kleider zurück und riefen ihm die Bibelworte zu: Hättet ihr nicht gepflügt mit meinem Kälbchen, so hättet ihr nicht gefunden mein Räthselchen! Es hat wohl dieses Räthsel einige Aehnlichkeit mit dem der Sphinx. Noch mehr Aehnlichkeit bietet dasselbe mit dem bekannten des Kleobul: Einer ist Vater und zwölf sind Kinder ihm; aber ein jedes Kind hat zweimal dreißig verschiedengestaltete Kinder. Sie sind weiß an Farbe zu schaun, schwarz aber die andern: Und unsterblichen Seins: doch schwirwen hinunter sie alle. Solche Geistesspiele finden sich bei allen alten Völkern — und man braucht hier nicht lange zu suchen, um schlagende Beweise zu finden. — So scheint auch das bekannte Volkslied, welches am Peßachabende beim Festmahle gesungen wird: h’Tn :« m«?rrp v: in« ursprünglich nichts anderes als ein Räthselspiel gewesen zu sein, das man den Kindern zur Belustigung und Uebung des Geistes aufgegeben haben mag. Die Griphi und Räthselspiele der Griechen dienten auch zumeist als Würze für die Tischgesellschaft. Im Neugriechischen findet sich zwar ein dem shv» ln« fast ganz ähnliches Volkslied (s. Fränkel's Monatsschrift 1852. S. 320), wobei aber das Räthselspiel beinahe ganz schon verwischt ist. Dagegen im Hebräischen läßt sich genau dies Nachweisen. Der Vater z. B. stellte die Frage:?5'in ins. Die Kinder antworteten darauf: ri-p in« - - und so machten diese Fragen die Runde durch die ganze Tischgesellschaft. Später wurden die Fragen und Antworten zu einem Volksliede gebildet. Kolonisation in Palästina. Auch in diesen Blättern ist bereits von einer neuen christlichen Sekte berichtet worden, welche in Nordamerika entstanden, und deren Tendenz ist, aus ihrer Mitte Kolonien in Palästina zu gründen; hierin erblickt sie die nahende Erlösung des Menschengeschlechts. In der Wiener „Presse" berichtet ein Herr W. v. Z. über diese neue Kolonie in Palästina , und zwar mit einer außerordentlichen Emphase, mit einer Begeisterung für dieselbe, die uns über seine völlige Glaubwürdigkeit einige bescheidene Zweifel ein flößt. Dies vermehrt er dadurch, daß er in seinem Aufsatze „das neue Jerusalem" betitelt, dem Berichte eine lange schematisirende Einleitung über die Juden als asiatische Kolonie in Europa vorausschickt, wobei er die Kleinigkeit vergißt, daß die meisten europäischen Nationen nachweisbar nicht minder asiatische Kolonien in Europa sind als die Juden. Noch weniger sieht man ein, welchen Zusammenhang die Juden mit dieser christlichen Sekte haben. Wir kennen die Glaubenssätze der letzteren nicht, und werden darüber auch nicht von Herrn . W. v. Z. belehrt. Dagegen geht soviel hervor, daß diese Sekte mit dem mosaischen Gesetze, mit jüdischer Sitte und Lebensweise keinen Zusammenhang hat, ihre. Kolonie also durchaus nicht für eine jüdische anzusehen ist. Was uns daher an ihr interessirt, ist nur der Versuch der Kolouisirung in Palästina. Es ist angenehm, zu erfahren, daß er unter ganz besonders günstigen Umständen auch bis jetzt geglückt ist, obgleich hiermit nach unserem Ermessen bei größerer Ausdehnung noch keine Bürgschaft des Gelingens gegeben ist. Diese Sekte nennt sich „die Kirche des Messias" und ihr Stifter und Leiter ist ein gewisser Adams. Sie besteht bis jetzt aus 30 Familien, k5O Köpfe stark, und siedelte sich bei Jaffa an. Im September sollen 150 Familien Nachfolgen. Unter dem Schutze der nordamerikauischen Union kauften sie Aecker an, schlugen Zelte auf und verwandelten diese in Häuser. Die türkische Regierung hat ihnen die Erlaubniß hierzu gewährt, und die Umwohner stehen, insbesondere durch das Ansehen, welches Adams sich bei ihnen zu erwerben gewußt, in gutem Vernehmen mit ihnen. Weniger sind mit dieser Kolonie die anderen christlichen Sekten zufrieden, die an den Predigten des Herrn Adams großes Aergerniß nehmen, und daher bereits zum Theil ihren Anhängern den Besuch der Kolonie verboten haben. Die letztere beschäftigt sich nur mit der Bodenkultur, und hat hierin bereits gute Früchte erzielt. Das Obige war unter der Presse, als uns folgender Artikel aus der „New Aork Times" zukam, welcher unsere Zweifel an die Glaubwürdigkeit des Herrn W. v. Z. nicht allein bestätigt, sondern auch seine ganze Schilderung als (wenigstens gegegenwärtig) völlig unrichtig erweist. Es heißt dort:

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