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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-09-17 · Heft 38 (17.9.1867) · p. Seite 768

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 38 (17.9.1867)
Date
1867-09-17
Page
Seite 768 (sequence 20)
Language
German
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768 „Die amerikanische Kolonie in Jaffa (Syrien) veröffentlicht einen Aufruf an alle wohlthätigen und menschenfreundlichen Gesellschaften und Individuen um Beistand, damit sie nach ihrer Heimath in Maine zurückkehren können. Sie sagen, daß sie von ihrem Propheten, G. I. Adams, betrogen worden sind, der sie in verschiedenster Weise hintergangen und getäuscht habe. Ihre Ernte ist gänzlich mißrathen und sie sagen: „so sind wir nun in diesem Lande, gänzlich ruinirt, krank an Fieber und Schmerzen, ohne Mittel, mit abgetragenen Kleidern, unsere Kinder ohne Schule oder irgend einen anderen Unterricht, in vollständiger Unwissenheit aufwachsend — vom Klima leidend, den nahen Hungertod vor Augen und ohne die geringste Aussicht auf irgend eine Art Arbeit oder Mittel, unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Von den 157 Seelen, die mit uns von Amerika absegelten, sind 54 zurückgekehrt, 17 gestorben; die übrigen 86 — 16 (Herr Adams, seine Familie und 13 andere) ausgenommen — sehnen sich Alle nach Amerika zurück. Aber 40 von diesen sind jetzt von Herrn Adams so vollständig abhängig in ihren Existenzmitteln, daß sie sich fürchten, ihren Wünschen und Ueberzeugungen gemäß öffentlich hervorzutreten und deshalb diesen Aufruf nicht Unterzeichneten." Die Bestätigung ihrer Aussagen ist von dem Konsul der Vereinigten Staaten bekräftigt, der Beiträge in Empfang nimmt." Korrespondenz. Noch ein prozcs) in Sachen der böhmischen Juden- Verfolgungen. Prag, 26. August. Wir haben es einmal in diesem Blatte übernommen, zu genauerer Charakterisirung die Criminalprozesse, welche in Folge der im vorigen Jahre in Böhmen stattgefundenen Mißhandlungen der Juden geführt worden, zu schildern, und haben heute über den letzten derselben zu berichten, nämlich betreffend den in Rakonitz. Es sind 26 Personen angeklagt worden. Der Sachverhalt, auf dem die Anklage fußt, ist in Kurzem folgender: Der Einmarsch der Preußen wurde in Rakonitz mit jedem Tage erwartet. Da siel mitten in die bange, ängstliche Stimmung der Einwohner eine große Rekruten-Aushebung. Aus allen Gegenden des vom Feinde noch nicht besetzten Bezirkes strömten die jungen Leute in die Stadt, um assentirt zu werden. Da sie unter sich nur wenig jüdische Rekruten sahen, glaubten sie, daß den Juden hinsichtlich der Assentpflicht Vergünstigungen gewährt worden seien; ein redegewandter Schneider versäumte nicht, den erhitzten Köpfen diesen Umstand so überzeugend als möglich darzustellen, und ein Bergmann, der früher bei der Gendarmerie gedient hatte, trat als Gesetzkundiger auf, um der Menge darzulegen, daß sie berechtigt sei, ein wenig die Häuser der Rakonitzer Juden zu plündern, und daß ihnen hierfür nichts geschehen dürfe. Diese Auslegung des Gesetzes wurde mit großem Beifall ausgenommen, und in Ausführung derselben wurde sofort vor dem Hause des Moses Reiser Halt gemacht und aus demselben Speck und Branntwein herausgeschleppt. Ein einziger Stadtschütze aber, welcher mittlerweile herbeigekommen war, genügte, um die Rotte auseinander zu treiben, nachdem sie zuvor noch alle Fensterscheiben im Hause zertrümmert hatte. Am Ringplatze sammelte sich wieder die Menge und der Ruf: „Ihr unglücklichen Christen, ihr müßt mit Blut, die Juden aber mit Silber zahlen", erbitterte aufs Neue dieselbe und unter Wuthgeschrei zog sie vor das Haus des Michael Perutz, von dort durch mehrere Gendarmen und Stadtschützen weggetrieben, drängte sie in den Laden des Weinhändlers Stein, woselbst ihr ebenfalls durch Gendarmen und einige Einwohner der Stadt kräftiger Widerstand entgegengesetzt wurde. Der Haufe zog grollend ab und begab sich zum zweiten Male vor die Wohnung des Michael Perutz, riß auf der Gasse das Pflaster auf, schlug mit den Steinen die Fenster sammt Rahmen und die von Innen versperrten Fensterläden ein. Perutz hatte sich schleunigst mit Weib und Kindern über den Hof in das Haus des ll,. Trojan geflüchtet und stieg dann in die Wohnung und den anstoßenden Laden, öffnete die von Innen verriegelte Ladenthür und ließ das übrige Gesindel, welches schreiend und johlend aus der Gasse stand, in den Laden ein. Nnn wurde Alles im Hause in Stücke geschlagen, der Branntwein aus den Gefäßen ausgelassen, der Rosoglio- Vorrath nebst Kleidungsstücken, Barschaft und Werthfachen gestohlen. Der angerichtete Schaden beziffert sich auf 1572 fl. Die Anklage lautet auf das Verbrechen der öffentlichen Gewalttätigkeit und das Verbrechen des Diebstahls. Beider Verbrechen sind fünf Angeklagte beschuldigt, sechs Andere sind blos der öffentlichen Gewaltthätigkeit, acht blos des Diebstahls und die Uebrigen der Diebstahlstheilnehmung angeklagt. Notiz. Der höchste Gehalt, den jetzt irgend ein jüdischer Beamter empfängt, ist wohl der des Rev. K. Gutheim in Neu-Orleans. Bei der letzten Zusammenkunft seiner Gemeinde wurde sein jährlicher Gehalt von 4000 auf 6000 Dollars erhöht, und die Majorität der Mitglieder ist entschlossen bei der nächsten Zusammenkunft ihn bis auf 8000 zu steigern. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur ör. H. Lotze.

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