Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1867)
- Date
- 1867-09-17
- Page
- Seite 766 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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766 drasch zu den Klageliedern I, 1. zu diesem Zwecke gesammelt wurden. Alle die daselbst angeführten geistreichen Erzählungen und Anekdoten, Schwänke und Witze sind rein volksthümlicher Natur und zeichnen sich durch einen natürlichen Humor vorteilhaft aus. Sonderbar genug findet sich ebenfalls mit nur kleinen Abweichungen die ganze obige Erzählung auch im Midrasch unter den erwähnten Beispielen und Proben. Ein Athener kam nach Jerusalem, um daselbst Weisheit, NnEsm zu studiren. Als der Athener nach 3/.'2 Jahren in bie Heimath zurückkehrte, kaufte er sich einen Knecht, der unglücklicher Weise einäugig war. Als der Athener dies bemerkte, rief er: Drei ein halb Jahre lebe ich schon hier und doch ließ ich mir einen einäugigen Knecht aufbinden! Sei getrost! versetzte ihm darauf der Verkäufer. Dein Knecht ist wahrlich klug und pfiffig genug, und sieht mehr als viele andere. Beide, der Athener und sein Knecht, traten nun die Reise nach Griechenland an. Kaum hatten sie Jerusalem den Rücken gekehrt, sagte der Knecht zu seinem Herrn: Laß uns jetzt eilen, denn gerade ist eine Karavane vorausgezogen, damit wir dieselbe noch erreichen können. Ich sehe nirgends , sagte der Athener verwundert, die Spur einer vorausgezogenen Karavane! Ganz gewiß, versetzte dagegen der Knecht, ist hier eine Karavane, die ungefähr vier Millien voraus ist, vorbeigezogen. Dann fuhr er auch mit feiner Kennermine weiter fort: Bei der Karavane befindet sich auch ein weibliches Kameel, das einäugig und mit Zwillingen trächtig ist. Nach kurzem Nachdenken fuhr er wieder fort: Ja, das Kameel ist auch mit zwei Schläuchen beladen, in dem Schlauche auf der einen Seite ist Wein und in dem auf der andern Seite ist Honig. O, du einäugiger Thor! rief der Athener voll Staunen: Wie kannst Du wissen, daß das Kameel einäugig ist! Gelassen erwiderte darauf der Knecht: Siehe, die eine Seite der Straße ist abgeweidet und die andere nickt. Aber wie magst Du behaupten, daß das Kameel trächtig ist und noch dazu mit zwei Jungen? Nichts leichter als dies. Hier und da kauerte das Kameel nieder und es lassen sich wohl die Sandspuren von dem Zwillingspaare erkennen. Gut, sagte der Herr. Allein, wie weißt Du, daß das Kameel mit Wein und Honig beladen war? Davon überzeugen mich die Tropfen, die von den Schläuchen herabfielen. Die Weintropfen werden von dem Sande aufgesogen, die Honigtropfen moussiren und gähren in der Hitze. Die Entfernung endlich vermuthete ich daraus, weil die Tritte des Kameels im Sande in einer größern Entfernung als vier Millien sich kaum mehr wahrnehmen lassen. Auch muß ich Dir noch bemerken, daß ein arabischer Kameltreiber hinterdrein geht, denn die Art und Weise gewisser Verrichtungen, die bloß den Arabern und nicht den Juden eigen sind, geben mir hierüber vollkommen Gewißheit. Es läßt sich hier schwer entscheiden, welchem Volke die Priorität dieses Märchens zuzuschreiben sei, obschon die ganze Situation mehr für die Araber paßt; allein die viel ältere jüdische Quelle, Midrasch Echa, und auch die vulgär aramäische Sprache, weisen unverkennbar auf einen jüdischen Urspung hin. IV. ÄLthselspiele. „Alle Völker auf der ersten Stufe der Bildung, sagt Herder, der feine Kenner des „Geistes der hebräischen Sprache", sind Liebhaber von Räthseln; die Kinder sind es auch und aus eben dem Grunde. Ihr Witz und Scharfsinn, ihre Bemerkungs- und Dichtungsgabe äußert sich dabei über einzelne Gegenstände auf die leichteste Weise; und der Preis, den der Erfinder sowohl als der Errather eines guten Räthsels in seinem Kreise davon trägt, ist ihnen gleichsam Kampfpreis, die unschädlichste Siegeskrone." — Die Räthsel der Bibel von Simson und Salomon sind bekannt. Josephus läßt Salomo nicht nur mit der Königin von Saba, sondern auch mit dem phönizischen Könige Chiram mitRäthselspielen sich unterhalten und wetteifern. Die Griechen hatten ihre Griphos, womit gewisse Belohnungen und Bestrafungen verbunden waren. Auch in den deutschen Sagen und Märchen und in den Edda-Liedern ist die Räthselform sehr gewöhnlich, wo sogar das Leben zum Pfände eingesetzt und verfallen ist, wenn die Aufgabe nicht errathen werden konnte. Die altgriechische Sage von dem Räthsel der Thebanischen Sphinx: Welches Thier geht am Morgen auf vier. Mittags auf zwei und Abends auf drei Füßen? läßt auch mehrere Versucher zum Opfer fallen, bis endlich Oedipus die richtige Lösung fand, daß es der Mensch sei in seinen drei Lebensstufen, und das Ungeheuer tödtete. Bei den Juden waren mildere Strafen im Gebrauche. Man wettete gewöhnlich um Kleider und Anzüge, wie dies die Geschichte des Simson zeigt. Der Midrasch Echa, der uns so manche Volksscherze und Witze und namentlich von den Einwohnern Jerusalems aufbewahrte, giebt uns auch ein kleines Räthsel zum Besten.*) Ein Athener, erzählt der Midrasch, besuchte einmal eine Schule in Jerusalem und fand die Schuljugend ohne Aufsicht des Lehrers lustig und fröhlich beisammen. Der Athener benutzte die Abwesenheit des Lehrers und richtete an die Kinder Räthselfragen. Die muntern Knaben beantworteten alle an sie gerichteten Fragen mit vielem Geiste. Endlich sagten die Kinder: Laßt uns nun jetzt derartige Räthselfragen einander geben, daß derjenige, der das aufgegebeue Räthsel nicht zu lösen vermag, zur Strafe seine Kleider hergeben muß. Gesagt, gethan! Die Schuljugend gab nun dem Athener folgendes Räthsel auf: Neun ziehen ab, Acht ziehen ein, Zwei schenken ein, Einer trinkt und Vierundzwanzig bedienen? w«n y'ioyi yrrj) im ,y:;r: ynm ,ybby arrom ,-pp£2 *) Dr. I. Fürst, Perlenschnüre S. 31, hat die aramäischen Stücke zusammengestellt.