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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-09-17 · Heft 38 (17.9.1867) · p. Seite 765

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 38 (17.9.1867)
Date
1867-09-17
Page
Seite 765 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des ZudeuthumS. Feirilleton-GeUage M Nr. 38. Leipzig, den 17. September 1867. Vergleichende Studien über den Talmud. Bon Rabb. D. Oppenheim in Gr. Becskerek. l Fortsetzung.) IH. Scharfsinn der Juden und Araber. Die Araber rühmen sich gern der besondern Vorzüge vor andern Völkern und sie thun sich dabei vorzüglich auf ihren angeborenen Scharfsinn und auf ihre freie Beobachtungsgabe zu gut. Die arabische Literatur besitzt sogar mehrere vortreffliche Werke, die über die Vorzüge und geistige Ueberlegenheit dieses in vieler Hinsicht merkwürdigen Stammes handeln. Herbelot, Orientalische Bibliothek s. v. Arab, führt als Beleg aus einer solchen Schrift folgende interessante Erzählung an. „Drei Brüder, und zwar aus der Familie Adman, hatten sich auf den Weg gemacht, um das Land kennen zu lernen, und trafen unterwegs einen Kameeltreiber an, der sie fragte, ob sie kein Kameel gesehen hätten, das sich auf dem Wege, den sie herkämen, verirrt habe? Der älteste von ihnen fragte den Kameeltreiber, ob es nicht einäugig sei? Ja! war seine Antwort. Darauf setzte der zweite Bruder hinzu: Es fehlt ihm ein Borderzahu; auch dies fand sich wahr. Endlich sagte der dritte: Ich will wetten, daß es hinkt. Als der Kameeltreiber dieses hörte, so zweifelte er gar nicht mehr, daß sie es müßten gesehen haben, und bat sie, ihm zu sagen, wo es wäre? Die Brüder sagten hierauf zu ihm: Verfolge den Weg, den wir reisen. Der Kameeltreiber gehorchte ihnen, und folgte ihnen, ohne was zu finden. Nach einiger Zeit sagten sie zu ihm: Es ist mit Getreide beladen. Kurz darauf fügten sie hinzu: Es trägt Oel auf der einen und Honig auf der andern Seite. Der Kameeltreiber, dem die Wahrheit von allem dem, was sie sagten, bekannt war, wiederholte ihnen sein flehendes Bitten, und drang heftig in sie, ihm den Ort zu entdecken , wo sie es gesehen hätten. Hierauf schwuren ihm diese drei Brüder nicht allein, daß sie es mit keinem Auge gesehen hätten, sondern auch, daß sie nicht einmal ein Wort weiter von demselben hätten reden hören, als was er davon gesagt habe. Nach einem langen Streite, der nun hierüber entstand, verklagte er sie, und sie wurden in's Gefängniß gebracht. Als aber der Richter gewahr ward, daß es Personen von vornehmem Stande waren, so entließ er sie aus dem Gefängnisse, und schickte sie an den König des Landes, der sie sehr gütig aufnahm und ihnen in seinem Palaste eine Wohnung anwies, wo er sie mit allem, was nur in dem Lande kostbares zu haben war, bewirthete. Eines Tages fragte er sie bei einer Unterredung, die er mit ihnen hielt, wie sie so viele Umstände von diesem Kameele wissen konnten, ohne es jemals gesehen zu haben? Sie antworteten: Wir haben gesehen, daß auf dem Wege, den es genommen hat, das Gras und die Disteln auf einer Seite abgeweidet waren, ohne daß es auf der andern Seite das Geringste gefressen zu haben scheint, daraus haben wir geschlossen, daß es einäugig fein müsse. Auch haben wir bemerkt, daß an dem Grase, welches es abgeweidet hat, einiges wegen Mangel seines Zahns stehen geblieben ist, und an der Spur seiner Füße haben wir bemerkt, daß es einen müsse nachgezogen haben; dies hat uns dann bewogen zu sagen, daß ihm ein Zahn fehle und daß es hinke. Eben diese Fußtapfen mußten uns auch auf den Gedanken bringen, daß es außerordentlich beladen sei, und daß dies mit nichts anderem als mit Korn sein könne, denn seine beiden Vorderfüße waren sehr nahe an den Hinterfüßen eingedrückt. Was aber das Oel und den Honig anbetrifft, so haben wir dies aus den Ameisen und Fliegen geschlossen, die in großen Schwärmen auf beiden Seiten des Weges an den Orten sich versammelt hatten, wo einige Tropfen von diesen beiden Dingen hingefallen sein mochten; aus den Ameisen schlossen wir die Seite des Oels und aus den Fliegen die Seite des Honigs." Mir Khosru, fügt Herbelot am Schluffe des Artikels hinzu, ein persischer Dichter ersten Ranges, hat diese Geschichte in sehr schönen Versen erzählt. Man wird in diesem seinem Werke mehrere Spuren des sehr scharfsinnigen und sehr anmuthigen Geistes der Araber, besonders aus der Wüste antreffen. Daß auch das israelitische Volk viel Scharfsinn besitzt und vielleicht hierin den meisten Völkern überlegen ist, braucht wohl als eine allgemein demselben zuerkannte Eigenschaft nicht erst bewiesen zu werden. Doch fehlt es nicht an Beweisen, die schon in alter Zeit vom Mi-

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