Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1867)
- Date
- 1867-09-17
- Page
- Seite 756 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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756 §. 3. Die Schulen können entweder Confessionsschulen, Simultanschulen oder confessionslose Schulen sein. Die Bestimmung des confessionellen Charakters einer Schule hängt von der Schulgemeinde ab, welche die Schule erhält. Die Bestimmung unterliegt der Bestätigung der competenten Behörde. §. 4. An Confessionsschulen sind nur Lehrer desselben Religions-Bekenntnisses anzustellen; bei Simultanschulen aber können die Lehrer einer der vereinigten Confessionen angehören, und bei confessionslosen Schulen ist bei den Lehrern von dem Religionsbekennt-, nisse ganz abzusehen. §. 5. Die betreffende Kirche oder Religions-Gesellschaft besorgt und leitet in den Confessionsschulen und Simultanschulen den Religionsunterricht und die religiöse Erziehung der Jugend selbständig. Mit diesen Grnndsätzen stimmen die Abstimmungen der Lehrerversammlung völlig überein, so daß deren weitere Anführung an diesem Orte nicht nothwendig ist. Der Entwurf hat dadurch jedenfalls eine bedeutende Unterstützung erhalten. Hervorzuheben ist noch, daß die Versammlung jede Kundthuung, welche eine ungleiche Berechtigung nach den Confessionen enthielt, mit dem größten Unwillen zurückwies. Ferner berichtet man: Auf Anregung des Direktor Szanto versammelten sich die gegenwärtig anläßlich des Lehrertages hier anwesenden israelitischen Lehrer heute Nachmittags, um gemeinsam die ihre besonderen Interessen berührenden Angelegenheiten zu besprechen. Der erste Gegenstand der Berathung war die vom Vorsitzenden (Szanto) formulirte Frage: Giebt es specifisch - jüdische Schulangelegenheiten? Diese Frage wurde einstimmig bejaht, und Herr Director I. Deutsch stellte in Rücksicht darauf den Antrag, daß bei dem Umstande, als der Unterricht im Hebräischen, in der Bibel und der Sittenlehre aus der Volksschule nicht excludirt werden könne, es sich bei der heutigen Berathung nur darum handeln könne, welches Maß und welche Zeit diesem Theile des Unterrichts zuzumessen seien. Diesen Antrag machte die Versammlung zu dem ihrigen. Herr Oberlehrer Reik aus Göding machte hierauf der Versammlung die Mitthcilung, daß der Vice-Präsident des Lehrertages, Herr Reichsraths-Abgeordneter Franz Herrmann, die Meinung der jüdischen Lehrer zu hören wünsche über die Wahl eines jüdischen Mitgliedes in den „Bezirks-Schulrath", wie er im Gesetzentwürfe über die Trennung der Schule von der Kirche tz. 11 in Aussicht -genommen wurde. Hierin gingen die Meinungen tveit auseinander. Während der Vorsitzende für die jüdischen Schulen keine Exception von den übrigen Volksschulen statuirt wissen wollte, führte Herr Director Lederer aus Pest aus, daß es Sache der Gesetzgebung sei, in ihren Bestimmungen auch auf diö Minorität gebührende Rücksicht zu nehmen, und er glaube daher, daß dem Herr» Fragesteller der Wunsch bekannt zu geben sei, tz. 11 habe zu lauten: Mitglieder des Bezirks - Schulrathes sind: b) der bischöfliche Vicar und ein Rabbiner rc. rc." Herr Director Deutsch will es der freien Wahl der Gemeinden überlassen, wen sie in den Bezirks-Schulrath zu delegiren Willens ist. Die Erfahrung habe gelehrt , daß nicht jeder Rabbiner ein Partisan der Schule sei. ' Die Majorität acceptirte schließlich den Antrag des Herrn Lederer mit dem Amendement des Dr. Deutsch. Donau sü r st e n t h n m e r. Bukarest, 31. August. Wir würden uns einer zu frühzeitigen Siegesfreude überlassen haben, wenn wir das neue Ministerium als ein solches begrüßt hätten, das einem anderen Systeme als sein Vorgänger huldige. Es fand nur ein Personenwechsel statt, und wir haben lediglich darin eine Befriedigung zu finden, daß Johann Bratiano, der eigentliche Urheber der Judenverfolgungen, entfernt worden ist. Es ist leicht einzusehen, daß aber die Volksbewegung, welche durch seine Vorgänge aufgeregt worden, noch lange nicht wieder zur Ruhe gekommen. Die Ankunft des edlen Sir Moses Montefiore hat in dieser Beziehung nicht günstig gewirkt, da hierdurch unsere Gegner sich abermals ins Feld gerufen dünkten. Eine Correspondenz der „Presse" schreibt hierüber: „Sir Moses Mvnteftore, der bekannte englische Baronet, ist vor einiger Zeit in Bukarest angekommen, um sich mit eigenen Augen von der traurigen Lage seiner Glaubensgenossen zu überzeugen und denselben womöglich durch seinen Einfluß einige Erleichterungen zu verschaffen. Bis jetzt ist seine Mission keineswegs von einem glänzenden Erfolge begleitet, vielmehr greifen die Bukarester Blätter Herrn Montefiore, der sich den europäischen Ruf eines Menschen-