Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1867)
- Date
- 1867-09-17
- Page
- Seite 754 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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754 indischen Philosophie, basirt auf die Ausgabe des Moreh von unserem unvergeßlichen Munk, bildet den Artikel (S. 84—190) überschrieben ,,le rationalisme reli-ieux au XII sikcle.“ Brauche ich hier zu sagen, von welcher Wichtigkeit diese Arbeit ist, die im Journal des savanls erschienen, und deren Grundsätze Franck unabhängig von Mnnk schon im diclionnaire <les Sciences philosophiques niedergelegt? Da das Schicksal uns so grausam den unübertrefflichen Munk entrissen, bevor er seine Prolegomena zum Moreh niedergeschrieben hat (wir haben seine Papiere durchgemustert und leider Nichts über diesen Gegenstand gefunden); so kann Francs Artikel als ernster Ersatz gelten. Wir zweifeln nicht, daß Munk denselben ebenfalls tüchtig benutzt hätte, wenn es uns gegönnt gewesen wäre, aus seiner Hand die Einleitung zu Moreh zu bekommen. Les travaux bibliques el la nouvellc religion de M. Salvador (©. 192 — 263) ist der Artikel betitelt, der Salvadors Arbeiten von philosophischer, religiöser und praktischer Seite behandelt. Wahrlich Salvador verdient es, daß ein Franck ihn im Journal des Debats bespricht; wenn S. den Talmud wenig oder gar nicht kennt, und dadurch seine Arbeiten etwas verlieren, so dürfen wir nicht vergessen, daß er 1829 unter der ultramontanen Regierung Karl des X. gewagt, sein Buch, welches das Christenthum in der Basis erschütterte, zu veröffentlichen. Franck beschreibt die Angriffe, die ihm von Dupin geworden, und worauf Salvador erst 10 Jahre später in einem andern Werke geantwortet hat, trotzdem das Journal des Debats ihm die Spalten öffnen wollte. — Folgt eine beißende Kritik, voll feiner Satyre, des Buches ,,Moise et le Talmud von Alex. Weil" überschrieben ,.Moise explique par Spinoza." Wir haben schon anderwärts diese letzten zwei Artikel angezeigt. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hannover, 22. August. iPrivatmitth.) In mehreren öffentlichen Blättern wie auch in Nr. 28 dieser Zeitung ist es als neu hcrvorgchoben worden, daß den Zöglingen des jüdischen Schullehrer-Seminars zu Kassel das Recht zugestanden sei, ihrer Dienstpflicht durch sechswöchige Uebung bei einem Jnfanterie-Regimente zu genügen. Berichtigend muß aber darauf hingewiesen werden, daß dieses Recht, wie wir seiner Zeit auch in diesen Blättern mitgetheilt haben, bereits mittelst Verfügung des hiesigen General-Gouvernements von 7. December v. I. der hiesigen Bildungsanstalt für jüdische Lehrer auf eine Eingabe des Landrabbiners Dr. Meyer zugestanden und zugleich bemerkt ist, daß diejenigen jüdischen Seminaristen und Lehrer, welche, aus Kurhessen gebürtig, die hiesige Anstalt besuchen, beziehungsweise im Lande angestellt sind, auch hier ihrer Dienstpflicht genügen können. Erst in Folge dieser Verfügung sind die entsprechenden Schritte in Kassel gethan. Neuerdings ist nun auf erneuete Vorstellung dem Landrabbiner Dr. Meyer mitgetheilt worden, daß nicht nur die für die hiesige Anstalt getroffene Bestimmung unverändert fortbesteht, sondern auch an geeigneter Stelle der Antrag auf Ausdehnung dieser Begünstigung auf den Bereich der ganzen Monarchie gestellt ist. Die Hoffnung, daß die energischen und consequenten Schritte, die hier zur Wahrung des Rechts der jüdischen Institutionen geschehen, auch den Juden in den altpreußischen Provinzen zu Gute kommen werden, scheint demnach auf die erfreulichste Weise in Erfüllung zu gehen. Es ist bereits festgesetzt, daß in den neuen Landestheilen der Eid moi e judaico im Strafrechte wegfalle; hoffentlich wird dies auch im Civilrechte der Fall sein. Am vorigen Sabbath feierte das hiesige Synagogenchor das Fest seines 25jährigen Bestehens. Zu einer Zeit ins Lebens getreten, wo noch Manche in einer solchen Institution eine nach ihrer religiösen Anschauung nicht zu billigende Neuerung erblickten, hatte derselbe während eines Vierteljahrhunderts wesentlich zur Hebung des Gottesdienstes beigetragen und sich dadurch den Dank der Gemeinde verdient, dem auch auf mannigfache Weise Ausdruck gegeben wurde. In der Festpredigt wurde besonders den vier Mitgliedern: den Herren Bürgervorsteher Behrens, Banquier L. Meyer, Restaurateur Spanier und Lampenfabrikant Seckendorf, welche, während viele Andere innerhalb der gedachten Zeit in ihrem Eifer erkalteten und durch neue Mitglieder ersetzt werden mußten, dem Institute diese ganze geraume Zeit hindurch ihre Kräfte in der uneigennützigsten Weise gewidmet hätten und daher auch das Fest als Jubilare mitfeiern könnten, die ihnen gebührende Anerkennung gezollt. Jndeß sieht man sich doch auch hier jetzt genöthigt, dem Chore durch einige bezahlte Sänger mehr Haltbarkeit zu geben.